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Neuruppin VW-Dieselskandal: Hunderte Verfahren in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin VW-Dieselskandal: Hunderte Verfahren in Neuruppin
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19:39 13.08.2019
Auch in vielen Audis sind Dieselmotoren von VW. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Der Abgasskandal um VW und seine Töchter sorgt inzwischen auch am Landgericht Neuruppin für Stress. Bisher hatten es die 15 Zivilrichter schon mit mehr als 300 Verfahren gegen die Volkswagen AG, die Firma Audi oder gegen Autohändler zu tun.

Plötzlich nur noch einen Restwert von 5000 Euro

Andreas Schulz ist einer der Kläger. Der 42-jährige Rheinsberger, der in der Fontanestadt arbeitet, hat sich im Februar 2016 bei einem Neuruppiner Autohändler für 30.000 Euro einen Audi A4 gekauft – einen Diesel, weil er täglich etwa 80 Kilometer fährt. 7000 Euro hat er angezahlt, der restliche Betrag sollte über Raten fließen. Bei einem Restwert von 11.000 Euro wollte er sich wieder nach einem neuen Auto umsehen. Doch das kann Schulz vergessen. Denn wegen des Abgasskandals, bei dem wohl serienmäßig von VW illegale Abschalteinrichtungen eingebaut wurden, hat sein Audi plötzlich nur noch einen Restwert von 5000 Euro.

Auf Anraten seines Händlers hat Schulz deshalb VW verklagt. Er will Schadensersatz, um die Wertminderung ausgleichen und sich schon bald wieder ein neues Auto zulegen zu können. Schließlich hat er schon mehr als 192.000 Kilometer auf dem Tacho. „Ich fahre halt viel, weil ich das Auto brauche“, sagt Schulz. Auch zum Termin beim Landgericht Neuruppin am Dienstag ist der Rheinsberger mit dem Wagen gefahren. Das macht 30 Kilometer für den Hin- und 30 Kilometer für den Rückweg.

VW will keinen Vergleich

Richter Sebastian Lischka fragt zwar mehrfach, wie es mit einem Vergleich aussehe und weist darauf hin, dass die Klage aus seiner Sicht erfolgversprechend sei. Das würde bedeuten, dass VW im Falle einer Entscheidung eine Art Nutzungsentschädigung zahlen müsse. Doch der Anwalt von VW winkt ab. Er hat kein grünes Licht für einen Vergleich.

Schulz ist ernüchtert. Er hatte auf ein schnelles und erfolgreiches Verfahren gehofft, so wie es ihm versprochen worden war. Auch deshalb hatte er sich nicht dem Verfahren für eine sogenannte Musterklage angeschlossen, sondern vor dem Landgericht Neuruppin geklagt. Schließlich findet er die Autos von Audi und VW weiterhin gut und würde sich wohl auch wieder eines kaufen – vorausgesetzt er bekommt von VW einen Schadensersatz, der dies auch ermöglicht.

Hätte Käufer von den Manipulationen wissen müssen?

Doch der Anwalt von VW will, dass die Klage abgewiesen wird und das Unternehmen auch keine Nutzungsentschädigung zahlen muss. Das Argument des Konzerns: Zum Zeitpunkt des Autokaufes habe Schulz ja schon von den Manipulationen wissen können, weil im September 2015 öffentlich wurde, dass die Volkswagen AG eine illegale Abschaltvorrichtung in der Motorsteuerung ihrer Diesel-Autos verwendete.

Ob Richter Lischka dieser Argumentation folgt, wird sich Mitte Oktober zeigen: Dann will er seine Entscheidung in dem Fall verkünden.

Von Andreas Vogel

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