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Neuruppin Immer mehr Alleen droht der Tod
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Immer mehr Alleen droht der Tod
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17:31 18.02.2019
Die Allee in den Neuruppiner Ortsteil Nietwerder ist wohl nicht mehr zu retten. Noch in diesem Jahr sollen 60 der Bäume gefällt werden.
Die Allee in den Neuruppiner Ortsteil Nietwerder ist wohl nicht mehr zu retten. Noch in diesem Jahr sollen 60 der Bäume gefällt werden. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Ohne großes Aufsehen, aber durchaus geräuschvoll verabschiedet sich Brandenburg von einem seiner Wahrzeichen, den Alleebäumen. „Die Alleen lösen sich allmählich auf, weil seit Jahren mehr Bäume gefällt, als nachgepflanzt werden“, ärgert sich Manuela Brecht, Naturschutzreferentin des Naturschutzbundes (Nabu) Berlin-Brandenburg.

2017 wurden 6000 Alleebäume gefällt, nur 3100 gepflanzt

Allein 2017 wurden in der Mark laut einer Statistik des Landesbetriebes Straßenwesen an Bundes- und Landesstraßen mehr als 6000 Alleebäume gefällt, aber lediglich knapp 3100 nachgepflanzt. Dabei hat das Land bereits im Jahr 2000 einen Erlass verabschiedet, der den Fortbestand der Allee sichern soll. Jeder aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällte Alleebaum soll deshalb im Verhältnis 1:1 ersetzt werden. „Das wurde verbindlich festgelegt“, sagt Manuela Brecht.

Doch die Praxis sieht seit Jahren anders aus. Meist werde der Verzicht auf das Nachpflanzen von Bäumen damit begründet, dass das Land einfach nicht genügend Flächen dafür habe. Zudem müsse immer öfter ein größerer Abstand zu den Straßen eingehalten werden, sagt die Naturschutzreferentin. Das sei insofern ein Problem, weil sich die angrenzenden Grundstücke oft in privater Hand befinden und für das Nachpflanzen von Alleebäumen nicht bereitgestellt werden.

Ostprignitz-Ruppin: Nur Lückenbepflanzung möglich

Das sieht in Ostprignitz-Ruppin nicht viel anders aus. „Der Landkreis verfügt über keine eigenen Flächen mehr an Kreisstraßen“, sagt Sprecherin Eylin Roß – oder es könne nicht nachgepflanzt werden, weil sich Leitungen in der Erde befinden. „Es sind nur noch Lückenbepflanzungen möglich“, so Roß. Dabei befinden sich lediglich an 37 Kilometern der 251 Kilometer Kreisstraßen Alleen in Ostprignitz-Ruppin.

161 Bäume hat der Landkreis im vergangenen Jahr an den Kreisstraßen nachgepflanzt – aber mehr als 200 wurden gefällt, so etwa zwischen Wusterhausen und Gottberg, zwischen Walsleben und Neuruppin sowie zwischen Wernikow und Heiligengrabe.

Nabu: Bäume werden zu wenig geschätzt

Für das Nachpflanzen hat der Landkreis 60.000 Euro pro Jahr in den Haushalt eingestellt. Das bedeutet, dass für jeden Baum 375 Euro eingeplant sind, wobei dazu jeweils eine dreijährige Pflege gehöre, sagte die Kreissprecherin.

Für den Nabu ist die Situation in der Mark unbefriedigend. „Wenn der Trend so weiter geht, kann Brandenburg schon bald nicht mehr von sich als Alleenland sprechen“, sagt Naturschutzreferentin Brecht. Sie vermisst in vielen Fällen die Bereitschaft von Behörden und Bauherren, sich für den Erhalt von Alleebäumen stark zu machen.

Dabei seien die Brandenburger Alleen nicht allein ein Zeichen für die Vielfalt der Natur, sondern auch immer öfter ein Argument für Touristen, in der einen oder anderen Region Urlaub zu machen. „Die Bäume als Markenzeichen für eine intakte Landschaft werden viel zu wenig geschätzt“, so Brecht.

Scholtenstraße in Neuruppin wird geprüft

Das betrifft aktuell auch einen Fall aus Neuruppin, mit dem sich der Nabu derzeit beschäftigt. Denn in der Scholtenstraße sollen noch in diesem Jahr sämtliche alte Kastanien fallen, weil die historische Kopfsteinpflasterstraße wegen des Baus mehrerer Wohnhäuser am Sportcenter ausgebaut werden soll. Für die dortige Allee bedeutet das den Tod. Der Nabu will deshalb prüfen, ob er das Fällen der alten Kastanien noch verhindern kann.

„Die Bäume dort sind wichtig für Fledermäuse“, sagt Brecht. Das Fällen der Bäume lasse sich durch das Aufhängen von Fledermauskästen nicht einfach ausgleichen. „Die Kästen werden nur selten angenommen“, so die Tierschützerin. Zudem seien die Bäume wichtig für das Klima, weil sie auch im Sommer Wasser von den Wurzeln in die Äste transportieren.

Ob es für die Allee in der Neuruppiner Scholtenstraße noch Hoffnung gibt, ist offen. Klar ist indes, dass die Allee, die in den Neuruppiner Ortsteil Nietwerder führt, dem Tod geweiht ist. In diesem Jahr sollen 60 Bäume gefällt werden, das ist gut ein Viertel des Bestands. In den nächsten drei Jahren dann die restlichen.

Übersicht zu Alleen an Kreisstraßen fehlt

In Ostprignitz-Ruppin wurden 2018 an den Kreisstraßen 213 Bäume gefällt – aber nur 161 Bäume nachgepflanzt. Laut Kreissprecherin Eylin Roß hat der Landkreis dafür 60.000 Euro ausgegeben. In den Kosten ist eine dreijährige Pflege der gepflanzten Bäume enthalten.

Der Landesbetrieb Straßenwesen gibt jedes Jahr „Alleebaumstatistik“ zur Situation an den Bundes- und Landesstraßen heraus. Die aktuellste ist von März 2018 und bezieht sich auf 2017. Demnach wurden in dem Jahr 6007 Bäume gefällt und 3089 gepflanzt.

Der Nabu vermisst eine Übersicht, wie es um die Alleen an den Kreisstraßen steht.

Von Andreas Vogel