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Neuruppin Für alte und neue Nachbarn
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14:37 28.12.2018
Auf dem Neuruppiner Schulplatz hatten sich Sasha Guinan (l.) und César Chamorro mit ihren Angeboten vorstellt. Quelle: Privat
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Neuruppin

Die Botschaft der Theaterstückes „Die kleine rote Henne“ war unmissverständlich: Nur gemeinsam kommt man weiter. In der Woche vor Weihnachten hatten Flüchtlinge aus Syrien und Tschetschenien es dem Publikum des Neuruppiner Mehrgenerationenhauses „Krümelkiste“ präsentiert. Nicht nur wegen der deutlich spürbaren Anerkennung der Zuschauer ein Erfolg, sagt César Chamorro. Dem Stück gelang auch, was im Alltag oft so schwer gelingen will: Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen zusammenzubringen.

Seit 2017 koordiniert der 35-jährige Politikwissenschaftler in der Krümelkiste das interkulturelle Projekt „Gemeinsam Begleiten Kennenlernen“. „Wir wollen Begegnungen schaffen“, sagt Chamorro. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sasha Guinan versucht er alte und neue Nachbarn ins Gespräch zu bringen.

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Ganz unterschiedliche Sprachkenntnisse

Das ist nicht immer einfach. Für das Theaterprojekt brachten die beiden gemeinsam mit einem bolivianischen Theaterpädagogen Menschen mit ganz unterschiedlichen Sprachkenntnissen auf die Bühne. „Es war ein harter Prozess“, sagt Chamorro. Der Projektkoordinator muss Brücken bauen, Vertrauen schaffen – und vor allem immer wieder Einladungen aussprechen.

Neben dem Theaterprojekt hat „Gemeinsam Begleiten Kennenlernen“ auch schon andere Kurzprojekte ins Leben gerufen – ein Kochprojekt etwa, bei dem Menschen sich über das gemeinsame Tun kennen lernen konnten. Im kommenden Jahr wollen Chamorro und Guinan gemeinsam mit dem Neuruppiner Jugendfreizentrum eine Skateprojekt anschieben. Die Ausrüstung dafür können Interessierte heute schon in der Krümelkiste ausleihen.

Brücke in die Krümelkiste

Einmal wöchentlich radeln Chamorro und Guinan in das Übergangswohnheim in Treskow, um dort einen interkulturellen Treff anzubieten. „Wir wollen eine Brücke in die Krümelkiste bauen“, sagt Chamorro. Der Politikwissenschaftler weiß, dass interkulturelle Arbeit auch unermüdliches Werben bedeutet. „Es funktioniert nur über persönliche Beziehungen“, sagt die Leiterin der Krümelkiste Antje Teuffert.

Neben den interkulturelle Treffs für alte und neue Neuruppiner bietet „Gemeinsam Begleiten Kennenlernen“ auch eine Beratung für Geflüchtete an. Immer dienstags oder nach Vereinbarung können Flüchtlinge sich in der Krümelkiste bei Fragen zum Alltag in der neuen Heimat helfen lassen. Haben Eltern etwa ein Problem mit dem Schulessen ihrer Kinder, gibt Chamorro Tipps, wie sie es lösen können. Bei speziellen Fragen zum Asyl- oder Sozialrecht verweist er dagegen an die entsprechenden Institutionen.

Arbeit für beide Seiten

Auch wenn die Beratung ein Angebot nur für Geflüchtete ist – Chamorro versteht sich als Brückenbauer für alte und neue Nachbarn. „Wir arbeiten für beide Seiten.“ Bei dem Theaterprojekt hat das funktioniert. Zwar standen die alteingesessenen Neuruppiner nicht mit auf der Bühne –aber sie bauten die Requisiten für das Stück.

Chamorros Kollege Sasha Guinan ist Musiker. Der Multiinstrumentalist, der unter anderem zur Bouzouki greift, will ab dem kommenden Jahr auch Musikunterricht anbieten. Junge Tschetschenen, die gerne Klavier spielen möchten, haben sie bereits bei ihm gemeldet.

Chamorro und Guinan ist wichtig, dass bei allen Angeboten möglichst viel Deutsch gesprochen wird. „Die Sprache ist der Schlüssel“, sagt Chamorro. Ehrenamtliche Helfer für die interkulturelle Arbeit sind immer willkommen. Wer einfach nur Lust hat, Menschen anderer Kulturen kennen zulernen, auch.

Von Frauke Herweg