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Neuruppin Berufsjäger und Forstwirt
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11:39 06.10.2018
Wer Jäger werden will, muss sich in vielen Dingen auskennen – Revierpflege und die Instandhaltung der Jagdkanzel sind wichtige Aufgaben. Quelle: privat
Neuruppin

Björn Gürgens hat einen relativ seltenen Beruf, er ist Berufsjäger. Etwa 1000 Menschen seiner Berufsgruppe gibt es in Deutschland. „Es ist aber ein anerkannter dreijähriger Lehrberuf“, fügt er schnell hinzu, um keine Zweifel aufkommen zu lassen.

Einen Job zu finden ist in dieser Randgruppe allerdings nicht so einfach. „Als Berufsjäger sucht man bundesweit nach einer Stelle. So entschloss er sich, seiner Gefährtin nach Neuruppin zu folgen und sich noch einmal auf die Schulbank zu setzen. „Schließlich muss man ja irgendwann einmal sesshaft werden.“ In der Waldarbeitsschule Kunsterspring lernte er noch einmal Forstwirt. Seit einem Jahr ist er nun selbstständig und betreibt in Neuruppin eine Jagdschule.

Björn Gürgens bietet Azubis der Forstarbeitsschule die Jagdschein-Ausbildung

Das Leben als Lehrling in Kunsterspring kennt er aus eigener Erfahrung sehr gut. „Wenn man in Brandenburg den Beruf des Forstwirts erlernt, ist man in der dreijährigen Ausbildung ein Jahr an einem zentralen Ort. Deshalb sind in der Forstarbeitsschule Kunsterspring viele Lehrlinge, die von außerhalb kommen, im Internat untergebracht. Das Nachtleben in Kunsterspring ist allerdings recht ausgefallen, da passiert so gut wie nichts.“

Daraus entstand die Idee, den jungen Leuten ein Angebot zu machen. Wer Lust hat, in der Freizeit den Jagdschein zu absolvieren, der soll die Chance bekommen. Seit einigen Jahren bietet Björn Gürgens den Auszubildenden die Möglichkeit an, kostengünstig den Jagdschein zu erwerben. „Im Dezember werden wir dort wieder einen Kurs starten“, sagt er.

„Die Hauptarbeit meines Unternehmens soll allerdings die ganz normale externe Jagdschein-Ausbildung sein“, sagt der 27-Jährige, der den Unterricht gemeinsam mit der Ausbilderin Julia Schmid bestreitet. Im vergangenen Jahr hat er sich selbstständig gemacht. Die Jagdschule, die seitdem ihren Sitz in der Alt Ruppiner Allee hatte und mit dem Jagdzentrum Oberberg (Nordrhein-Westfalen) kooperiert, ist nun allerdings auf der Suche nach neuen, größeren Räumen.

Er betreibt eine Jagdschule bei Neuruppin

„Das Besondere an unserer Schule, besteht darin, dass wir ein großes, sehr abwechslungsreiches Revier haben, das zum Landeswald gehört“, sagt Björn Gürgens. Wald und Wiesen bei Zippelsförde bieten vielen Tierarten einen Lebensraum. „Dort kommen vier verschiedene Schalenwildarten vor – Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Rehwild aber auch Raubwild wie Fuchs, Dachs, Waschbären und Marderhunde. Es gibt auch viel Flugwild.

Auch ein Kranichbrutplatz und Horstschutzzonen befinden sich in dem Gebiet. Für den Berufsjäger ist das 2300 Hektar große Gebiet ideal, um Neueinsteigern viel Wissen über Wildbestände und Lebensraumgestaltung zu vermitteln. Und auch wer dem Profi bei der praktischen Arbeit im Revier über die Schulter schauen möchte, ist hier an der richtigen Adresse.

„Wir streben ja in unseren Jagdgebieten eine möglichst große Artenvielfalt an, also einen gesunden Wildbestand der sich im Gleichgewicht befindet“, sagt er. „Außerdem vertreten wir auch die Interessen von Land- und Forstwirtschaft und müssen dafür sorgen, dass nicht zu viele Wildschäden auftreten.“

Jäger zu sein, bringt auch eine große Verantwortung

Wer jagen will, sollte auch die Pflanzen in seinem Revier kennen und in der Lage sein, seinen Hochstand selbst zu reparieren. „Jagd ist vor allem Praxis, auch wenn der Großteil der Ausbildung in unseren Unterrichtsräumen stattfindet“, sagt der Jagdschulbetreiber. Björn Gürgens sieht sich als Jäger schon etwas privilegiert, aber sein Beruf bringt auch eine große Verantwortung mit sich. „Man braucht nur die Problematik Afrikanische Schweinepest zu nehmen“, sagt er. „Die Probleme sind ja erst durch die Menschen entstanden. Wir sind Schuld an der Zerschneidung der Lebensräume. Wenn es uns nicht gäbe, dann müssten wir auch keine Wildbestände regulieren. Der Wolf alleine wird das nicht schaffen.“

Björn Gürgens mit seiner kleinen Münsterländerin Lotta nach erfolgreicher Jagd. Quelle: privat

Wer in Brandenburg jagen will, muss erst einmal viele Stunden die Schulbank drücken. Die Jagdprüfungen basieren auf dem Länderrecht. 16 verschiedene Bundesländer bedeuten 16 verschiedene Jägerprüfungsverordnungen. Bundesweit gibt es rund 400 000 Jäger und in Brandenburg rund 12 000. Die Bundesländer setzen auch die Ausbildungszeit individuell fest. In Brandenburg heißt das 154 Theoriestunden plus 30 Stunden jagdliches Schießen sowie 40 Stunden jagdliche Praxis.

Mit dem Abschuss allein ist es nicht getan

Als zweites Standbein bietet Björn Gürgens Jagdreisen an. Wer über einen Jagdschein verfügt, kann in seinem Revier Jagderfahrungen sammeln. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt, aber die meisten aus Deutschland. „Wir hatten auch schon Österreicher und Holländer hier. Sie müssen sich allerdings erst einen deutschen Jagdschein bei der Behörde besorgen. Erst dann können sie erste jagdliche Schritte bei uns machen“, sagt der Berufsjäger. „Das Berufsjägerdasein hat mit dem Abschuss erst einmal nur sekundär zu tun“, sagt er.

Der eigentliche Job ist die Lebensraumgestaltung, die Wildschadensvermeidung und Wildbestandsbewirtschaftung, aber auch die Fleischverarbeitung. Das gehört jetzt allerdings nicht mehr zu seinem täglich Brot, denn im Landeswald kümmert sich ein Wildhändler um die Weiterverarbeitung. „Allerdings gehört das bei der Schülerausbildung mit dazu, schließlich muss man als Jäger wissen, wie man ein Stück Wild küchenfertig macht.“ Das passiert dann in der Wildkammer in Zippelsförde.

Ein Jäger kümmert sich auch um sein Revier

Der trockene Sommer verhalf dem Jäger zu weiteren Aufgaben, denn in vielen Gebieten sind die Wasserstellen ausgetrocknet. Diese sind aber besonders für Schwarz- und Rotwild lebenswichtig – zur Abwehr von Parasiten und zur Wärmeregulierung. „Wir haben in unserem Revier zum Glück ausreichend Wasser durch den Rheinsberger Rhin. Im Kiefernheiderevier sah es dagegen schon schlechter aus, dort musste man nachhelfen.“

Ein bis zwei Ansitzjagden veranstaltet die Jagdschule im Jahr. „In der ersten Maiwoche werden Jäger eingeladen, die die Schüler mit auf die Kanzel nehmen. Später werden die Tiere gemeinsam aufgebrochen und auch scheinbar nebensächliche Dinge, wie die Aufbereitung der Trophäen werden hier in Theorie und Praxis vermittelt.

2019 wird es zehn Kurse in der Jagdschule geben

„Die Jagd ist eine verantwortungsvolle Tätigkeit, das wollen wir auch den Leuten vermitteln“, sagt Björn Gürgens, der im kommenden Jahr in seiner Jagdschule zehn Kurse anbieten möchte. Diese werden in Neuruppin stattfinden – in kleinen Gruppen bis maximal 16 Personen.

Wer den Jagdschein erwerben möchte kann unter der Nummer 03391/4 05 43 93 Kontakt mit dem Berufsjäger aufnehmen. Genauere Informationen gibt es im Internet unter www.jagdschule-neuruppin.de. Die Jagdschule bietet Wochenendkurse, 20-tägige Kompaktkurse, Managerkurse in kleinen Gruppen, Abendkurse sowie Individualkurse an.

Von Cornelia Felsch

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