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Neuruppin Jetzt gibt es schon sechs Coronafälle in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Jetzt gibt es schon sechs Coronafälle in Neuruppin
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18:27 19.03.2020
Nach sechs Coronafällen schränkt der Landkreis das öffentliche Leben weiter ein, auch Spielplätze sind gesperrt. Quelle: Reyk Grunow
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Neuruppin

Die Zahl der Coronafälle in Neuruppin ist innerhalb eines Tages von einem auf sechs gestiegen. Betroffen sind dabei zwei Schulen sowie eine Familie, die sich vermutlich bei einer privaten Feier in Berlin angesteckt hat, informierte Landrat Ralf Reinhardt (SPD) am Donnerstagnachmittag.

Pestalozzischule und Tagesklinik geschlossen

Weil unter den Infizierten auch zwei Lehrer zweier verschiedener Schulen sind, wurden diese geschlossen, für die Lehrer und Schüler gilt vorsorglich häusliche Isolation bis Ende März. Betroffen davon ist die Neuruppiner Pestalozzischule mit 125 Schülern und 26 Lehrkräften sowie die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Denn die zweite Lehrkraft hat nicht allein an einer Klinikschule unterrichtet, sondern auch in der Tagesklinik gearbeitet. Die Kinder und Jugendlichen der Tagesklinik wurden in räumlich abgegrenzten Bereichen isoliert. „Der Tagesbetrieb ist eingestellt“, so Reinhardt.

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Nicht betroffen von der häuslichen Isolation ist die Kita Lila-Sausewind, die sich auf dem Gelände der Pestalozzischule befindet – weil es zwischen den Lehrern und Schülern keinen Kontakt mit den Kitakindern gegeben hat, hieß es. Auch für die Angehörigen der Schüler und Lehrer gilt die Isolation nicht. Sie sollten aber auf räumliche Distanz gehen und sich keinesfalls anhusten oder anniesen lassen, sagte Kreissprecher Alexander von Uleniecki.

Wittstocker Lehrer: negatives Testergebnis

Bei einer weiteren positiv auf das Coronavirus getesteten Person wollte der Landrat am Donnerstag noch keine weiteren Details nennen. „Wir sind noch beim Ermitteln.“ Demnach liegt das positive Testergebnis für diese sechste Person dem Landkreis seit Mittwochabend gegen 21 Uhr vor.

Indes hat sich der Verdachtsfall bei dem Wittstocker Lehrer von der Polthier-Schule nicht bestätigt. Allerdings gelt es da noch, die Inkubationszeit bis 27. März abzuwarten, um auszuschließen, dass das neuartige Coronavirus nicht doch noch ausbreche, sagte Amtsärztin Dagmar Sissolak.

Veranstaltung mit mehr als 15 Personen sind verboten

Weil der Landkreis ungeachtet des Wittstocker Lehrers in den nächsten Tagen mit weiteren Coronafällen rechnet, verschärft Reinhardt die Bemühungen, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu verringern. So sind ab Freitag, 20. März, sämtliche Veranstaltungen mit mehr als 15 Personen verboten. „Die Lage ist sehr ernst.“ Deshalb werde empfohlen, sämtliche Veranstaltungen abzusagen, so Reinhardt.

Wer sich dennoch unbedingt mit einigen Bekannten, Freunden und Familienmitgliedern treffen will, muss Namen, Vorname und Telefonnummern auf einer Anwesenheitsliste vermerken und diese drei Monate aufbewahren – für den Fall, dass sich nach ein paar Tagen jemand meldet, der womöglich schon vorher infiziert war und bei der Feier jemanden angesteckt hat.

Bei Verstößen drohen empfindliche Geldbußen

Verstöße gegen die Einschränkungen sollen mit empfindlichen Geldbußen in vierstelliger Höhe und Strafverfahren geahndet werden. Dazu hat sich der Landkreis sowohl mit den Amtsdirektoren und Bürgermeistern als auch mit der Polizei abgestimmt, sagte Reinhardt.

Die Einschränkungen gelten auch für Hochzeiten und Beerdigungen. Das seien „hohe Bürden für den Alltag“, so der Landrat. Aber wenn sich alle an die Einschränkungen hielten, bestehe die Chance, die Pandemie glimpflich zu überstehen. Das habe Neustadt gezeigt: Bei den 2200 Einwohnern, die zwei Wochen in häuslicher Isolation waren, hat keiner Symptome, am Coronavirus erkrankt zu sein.

Von Andreas Vogel