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Neuruppin So geht die neue Trendsportart Jugger
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin So geht die neue Trendsportart Jugger
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16:43 25.10.2019
Martin Homa (2. v. l.) hat das Jugger-Team 2017 gegründet. Angefangen hat alles als Schulprojekt. Quelle: Feliks Todtmann
Neuruppin

Auge in Auge stehen sich die beiden Teams gegenüber. Sechs Mann auf jeder Seite, bewaffnet mit Schilden und Schaumstoffknüppeln. Am Spielfeldrand schlägt jemand auf einer Trommel einen dumpfen Takt. Eine Stimme ruft „Drei, zwei, eins … Jugger!“ und die beiden Gruppen stürmen aufeinander los.

Was auf den ersten Blick wie eine mittelalterliche Schlacht aussieht, ist eine junge Trendsportart und völlig ungefährlich: Jugger heißt der neue Sport und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Auch das Jugger-Team Fontanes Faust aus Neuruppin hat mittlerweile großen Zulauf.

Jugger sieht martialisch aus, ist aber ungefährlich. Die Pompfen sind gut gepolstert. Wer getroffen wird, muss aussetzen. Quelle: Feliks Todtmann

Fontanes Faust begann als Schulprojekt

„Unsere Mitgliederzahl hat sich in diesem Jahr verdoppelt“, sagt Martin Homa. Der 33-Jährige ist Lehrer an einer Berufsschule in Neuruppin und hat Fontanes Faust vor zweieinhalb Jahren während einer Projektwoche gegründet. Seit dem Sommer ist das Jugger-Team eine offizielle Abteilung des SV Union Neuruppin – mit zwölf festen Mitgliedern. Stolz tragen die Spieler zum ersten Mal ihre schwarzen-grünen Vereinstrikots.

Auf dem Spielfeld kämpfen die Jugger unterdessen um den Jugg – das ist der einem Hundeschädel nachempfundene Ball. Jede Mannschaft versucht, den Jugg ins gegnerische Mal, das Tor, zu bringen, um einen Punkt zu erzielen. Die andere Mannschaft versucht, das zu verhindern – mit dem Einsatz der Pompfen.

Pompfen – die Bewaffnung der Jugger

Die Pompfen sind die Bewaffnung der Jugger. Mit den gepolsterten Schlägern versuchen sie, die gegnerischen Spieler zu berühren. Wer getroffen wird, muss aussetzen. Ein kurzes Antippen genügt dabei: Jugger ist kein gewalttätiges Hau-drauf-Spiel. „Viel entscheidender als Schlagkraft sind taktisches Geschick, Überblick und Schnelligkeit“, erklärt Martin Homa.

Kurzpompfe, Langpompfe, Q-Tip und Kette: Die Pompfen bauen sich die Jugger selbst. Quelle: Feliks Todtmann

Jugger ist etwa um die Jahrtausendwende entstanden“, erzählt er, „ob in Hamburg oder Berlin, darüber wird noch gestritten“. Klar ist: Der Sport wächst – und das weltweit. Seit 2017 gibt es eine deutsche Liga, die Jugger-League, und mittlerweile sogar eine Weltrangliste. Die Neuruppiner belegen dort aktuell Platz 210 von 829. Es gibt Mannschaften in Spanien, Australien und Argentinien. Der Großteil der Teams kommt aber aus Deutschland. Sie heißen Skull Impalers, Untote Reiter und Rigor Mortis – der aktuelle Weltranglistenführer kommt aus Berlin.

Wie bei römischen Gladiatoren gibt es beim Jugger unterschiedliche Spielertypen mit unterschiedlichen Pompfen: Es gibt die Langpompfe, den Q-Tip, den Stab, die Kette, die Kurzpompfe mit Schild und die zweifache Kurzpompfe. Die Spieler können sich ihre Ausrüstung frei wählen, eine vorgegebene Aufstellung gibt es nicht.

Jede Pompfe hat Vor- und Nachteile

Jede Pompfe stelle andere Herausforderungen an die Jugger, sagt Homa. „Die Langpompfe hat eine große Reichweite, dafür muss sie mit zwei Händen geführt werden – das schränkt die Bewegungsfähigkeit des Spielers ein.“ Er selbst bevorzugt Kurzpompfe und Schild als Ausrüstung.

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Wenn Jugger mit Pompfen kämpfen

Ihre Pompfen bauen die Jugger selbst. Der Kern besteht aus einem Kunststoff- oder Karbonrohr, um den eine Schwimmnudel gebastelt wird. „Je leichter, desto besser“, erläutert Martin Homa. Die Eigenbaupompfen müssen stabil genug sein, damit sie im Gefecht nicht kaputt gehen, gleichzeitig aber genügend gepolstert, um den Gegner nicht zu verletzen.

Die Trommel gibt den Takt vor

Die zentrale Rolle beim Jugger spielt der Läufer. Er trägt keine Pompfe. Nur er darf den Jugg aufnehmen, um ihn ins Mal zu stecken. Die gegnerischen Spieler versuchen, den Läufer daran zu hindern, indem sie ihn mit ihrer Pompfe treffen. Sie dürfen den Jugg nicht berühren, dürfen ihn aber mit der Pompfe wegschlagen.

Die Trommel gibt beim Jugger den Takt vor: Ein Spiel besteht aus zwei Halbzeiten, jede dauert 100 Trommelschläge. Wer von einer gegnerischen Pompfe getroffen wird, ruft „Bin ab!“ und kniet sich hin. Nach fünf Trommelschlägen darf er wieder am Spiel teilnehmen. Einen Schiedsrichter gibt es beim Jugger nicht. Es wäre kaum möglich, bei dem Durcheinander auf dem Spielfeld einen Überblick zu behalten. „Fair Play und Ehrlichkeit sind Grundvoraussetzungen“, sagt Martin Homa.

Von Feliks Todtmann

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