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Neuruppin Krankenpfleger will in den Landtag
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Krankenpfleger will in den Landtag
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18:26 20.08.2019
Ronny Kretschmer (Linke) will am 1. September in den Potsdamer Landtag einziehen. Der gelernte Krankenpfleger ist seit Dezember 2014 Landesschatzmeister seiner Partei. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Er hat den Jugendbeirat in Neuruppin mitgegründet, das Jugendwohnprojekt Mittendrin mit aufgebaut und ist seit 2003 Stadtverordneter. Nun will Ronny Kretschmer (44) am 1. September in den Potsdamer Landtag einziehen.

„Ich will mein Wissen aus der Gesundheitspolitik einbringen und eine starke Stimme für unsere Region in Potsdam sein“, sagt Kretschmer, der verheiratet ist und zwei Kinder hat (sieben und neun Jahre).

Geprägt von der Großmutter

Der examinierte Krankenpfleger ist in Wildberg groß geworden. Dass er schon mit 17 Jahren in die PDS eintrat, der Nachfolgepartei der SED, hat wohl nicht allein mit der sogenannten Wende in der DDR zu tun, sondern auch mit seiner Erziehung. Die Mutter war Gemeindeschwester in Wildberg, der Vater war dort Lehrer.

Geprägt wurde Kretschmer zudem von seiner Großmutter. Diese sei eine überzeugte Kommunistin gewesen und habe in der Nazizeit einiges durchmachen müssen, sagt Kretschmer. Sie habe Krankenschwester gelernt, den Beruf aber aufgeben müssen, weil sie sich geweigert habe, in die NS-Schwesternschaft einzutreten. Jene Krankenschwestern legten einen Eid auf Adolf Hitler und die sogenannte „Neue Deutsche Heilkunde“ ab, die großen Wert auf die Rassenhygiene und Volksgesundheit legte. Kretschmers Oma lehnte diesen Eid ab. Sie habe stattdessen lieber für jüdische Familien in Berlin gearbeitet, so Kretschmer.

„Politik hat mich immer interessiert“

Zwar sei die Oma enttäuscht gewesen, als zur Wende bekannt wurde, dass viele Genossen Wasser gepredigt und Wein getrunken haben. An ihrer Grundüberzeugung für eine soziale Gesellschaft habe das aber nichts geändert, sagt Kretschmer. Das gilt auch für ihn.

„Politik hat mich immer interessiert“, sagt Kretschmer, der 1993 nach Neuruppin gezogen ist. Ein Grund für den Umzug war, dass ein Teil seines Freundeskreises nach der Wende in die rechte Ecke „abgedreht“ sei. „Das waren Hardcore-Nazis, die bei der Nationalistischen Front gelandet sind.“ Die Nationalistische Front (NF) war eine rechtsextreme Partei, die 1982 in Westdeutschland gegründet wurde und versuchte, Kontakte zur Skinhead-Szene in der DDR aufzubauen, um diese im Sinne des Nationalsozialismus zu politisieren. Die NF wurde 1992 verboten.

In der Stichwahl zum Bürgermeister

In Neuruppin stieg Ronny Kretschmer in die Kommunalpolitik ein, als Vertreter des Jugendbeirates saß er als sachkundiger Einwohner im Sozialausschuss sowie wenig später im Jugendhilfeausschuss des Kreistages. Als sachkundiger Einwohner hatte er aber nur eine beratende Stimme und konnte nicht mit entscheiden, was in der Jugendpolitik passieren soll. Deshalb wurde er Stadtverordneter.

2013 wäre Kretschmer beinahe Bürgermeister von Neuruppin geworden. Er war, neben zwei weiteren Bewerbern, gegen Amtsinhaber Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) angetreten und hatte es bis in die Stichwahl geschafft, bei der er unterlag. „Ich wollte eine Alternative bieten und für einen Neuanfang stehen“, sagt Kretschmer. Denn Neuruppin war wegen der Ermittlungen um die sogenannte Stadtwerke-Affäre um unangemessenes Sponsoring des Fußballvereins MSV in die Schlagzeilen geraten.

Zehn Jahre Betriebsrat in den Kliniken

Das ist lange her. Jetzt konzentriert sich Kretschmer, der knapp fünf Jahre in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet hat und zehn Jahre Betriebsrat in den Ruppiner Kliniken war, auf sein Kerngebiet. „Ganz Brandenburg hat ein Problem mit Ärztemangel und dem Pflegenotstand.“ Um bei der immer älter werdenden Bevölkerung für den höheren Pflegebedarf sorgen zu können, sei nicht nur „viel Gehirnschmalz, sondern auch viel Geld notwendig“, sagt Kretschmer, der seit Dezember 2014 Landesschatzmeister der Linken ist und täglich nach Potsdam pendelt.

Als Landtagsabgeordneter will Kretschmer zudem bessere Bedingungen für die Ausbildung von Ärzten schaffen. Auch müsse eine Neuregelung gefunden werden, damit Krankenhäuser ebenfalls für ambulante Patienten Untersuchungen anbieten könnten, ohne dass diese beispielsweise monatelang auf eine Untersuchung mit einem MRT warten müssen .

 

Von Andreas Vogel

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