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Neuruppin Kultur hinter Mauern
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16:30 26.09.2019
Die Band Twisted Kanister spielte vor 60 Häftlingen in der Turnhalle der JVA Wulkow. Quelle: Anna Jette Kuhn
Wulkow

Beim Besuch eines Konzertes, eines Theaterstückes oder einer Lesung denken wohl die wenigsten darüber nach, wie es wäre, keinen freien Zugang mehr zu dieser Form der Kultur zu haben. Doch genau so sieht der Alltag für Häftlinge in einem Gefängnis aus. Für sie ist es nicht möglich, beispielsweise ihren Lieblingskünstler bei einem Konzert zu sehen.

Um dennoch etwas Normalität in den Tagesablauf der Häftlinge zu bringen, gibt es das Projekt „Kultur hinter Mauern“. Dieses wurde 2009 vom Kunst- und Literaturverein für Gefangene in Dortmund initiiert – der Verein sorgte dafür, dass am Mittwoch die Berliner Band Twisted Kanister vor 60 Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Wulkow spielen konnte.

Es war für die 2017 gegründete Band das erste Mal, in einem Gefängnis zu spielen. Die Häftlinge brauchten ein paar Lieder, um in Stimmung zu kommen. „Es ist auf jeden Fall mal was anderes“, sagte Vincent Fritz, der Bassist und Sänger der Band.

Aufstehen und Mittanzen ist nicht erlaubt

Schließlich durften die Gefangenen bei dem Konzert, das in der Turnhalle des Gefängnisse stattfand, nicht stehen, sondern mussten auf ihren Stühlen sitzen bleiben.

Es sei wichtig, dass Kultur keinen Halt vor Gefängnismauern macht, sagte Fritz. Das sieht Sängerin Madlen Walther ähnlich, auch weil sicher viele Häftlinge früher selbst Musik gemacht hätten. „Die Dankbarkeit der Gefangenen ist spürbar“, ergänzte Gitarrist Adam Gutyan.

„Bei uns gibt es im Jahr zwei bis vier Veranstaltungen dieser Art“, sagte Jürgen Zimmermann, Koordinator in der JVA Wulkow. Nicht nur Konzerte und Lesungen, vielmehr sei sogar ein Improvisationstheater zu Gast gewesen.

Schach- und Gitarrenkurs für Häftlinge

In der Strafhaft seien viele Menschen, die sonst kaum Kontakt zur Kultur haben, sagte Marcus Melzer von der JVA-Anstaltsleitung. „Es geht darum, die Freizeit so zu gestalten, dass die Häftlinge später, außerhalb des Gefängnisses, einen Ansatz haben, um sich selbst ein Freizeitleben aufzubauen“, so Melzer.

Lesungen in der JVA handeln oft von Themen, mit denen sich die Häftlinge identifizieren können. So waren auch schon der aus dem „Tatort“ bekannte Gefängnisarzt Joe Bausch sowie der Kampfsportler Andreas Marquardt in Wulkow. Ihre Geschichten haben besonders beeindruckt, sagt Zimmermann. „Vielleicht hat es bei manchen sogar Klick gemacht.“

Neben kulturellen Veranstaltungen bietet die JVA Wulkow unter anderem auch einen Schach- sowie einen Gitarrenkurs und Deutsch als Fremdsprache an.

Der letzte Titel von „Twisted Kanister“ war übrigens eine Version von Peter Schillings „Major Tom“. Es schien, als würde sich der Text des Liedes auf die Stimmung der Häftlinge übertragen. Gemeinsam singen sie „Völlig losgelöst“. Man meint zu spüren, dass dies auch ein Stück Flucht aus dem Alltag bedeutet.

Von Anna Jette Kuhn

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