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Neuruppin Künstler machen sich ihr Bild von Fontane
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Künstler machen sich ihr Bild von Fontane
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00:20 17.04.2019
Kunstgespräch mit der Installationskünstlerin Annette Voigt (r.) vor einem Bild von Heike Jeschonnek. Quelle: Cornelia elsch
Neuruppin

Die Neuruppiner erleben ihren berühmten Sohn der Stadt, Theodor Fontane, in Bronze, auf der Bank sitzend. Ein netter älterer Herr, der es sich dort gemütlich gemacht hat. Wer mit diesem Bild im Kopf am Freitagabend zur Ausstellungseröffnung in die Galerie am Bollwerk aufbrach, wird sicher überrascht gewesen sein, denn die Ausstellung des Vereins Land(schafft)Kunst, lässt den märkischen Dichter in einem modernen, keineswegs verstaubten Licht erscheinen.

Frische Ideen zum Dichter

Die 23 Künstler, die ihre Werke bereits im Potsdamer Landtag zeigten, warten durchaus mit frischen Ideen auf, die Kunstfreunde sonst eher im Hamburger Bahnhof – dem Berliner Museum für Gegenwartskunst – entdecken.

Die renommierten Brandenburger Künstler haben sich auf eine neue, humorvolle, aber auch herausfordernde Art mit Fontanes Werken auseinander gesetzt. Sie wollen mit ihren Werken zur kritischen Auseinandersetzung anregen und die Aktualität des Dichters vergegenwärtigen. Entstanden sind Bilder, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken, die bis zum 19. Mai in der Galerie am Bollwerk sowie in der Klosterkirche zu sehen sind.

Rauminstallation aus Einweckringen

Artige Landschaftsbilder sucht man vergebens, dafür überrascht eine Installation aus Einweckringen und Nägeln die Besucher der Klosterkirche. Dort, wo die Gläubigen im Gottesdienst ihre Gesangbücher ablegen, hat die Künstlerin Annette Voigt, die sich in ihren Arbeiten mit ungewöhnlichen Raum­installationen beschäftigt, unter Verwendung des Binärcodes 1 und 0, eine Textpassage aus dem neunten Kapitel des „Stechlin“ künstlerisch umgesetzt.

Zahlreiche Besucher kamen zur Vernissage – auch Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (2. v. l.). Quelle: Cornelia Felsch

Jeder Buchstabe wird in acht Zeichen übersetzt, die jeweils in einer bestimmten Reihenfolge auftreten. Mit etwas Geduld und Geschick können die Besucher die Botschaft im Gesamtkunstwerk entschlüsseln. Ihr Konzept hat die Künstlerin nach einem Foto erarbeitet, das sie mit dem Innenraum und dem Mobiliar vertraut machte.

Neue Kunst im historischen Bau

„Ich erstelle immer erst vorher ein Konzept, dass ich dann vor Ort ausführe“, sagt sie. Die Einweckringe, deren Farbe erstaunlich gut mit den roten Backsteinen der Klosterkirche harmoniert, hat sie noch in Erlangen gekauft, weil sie sich nicht sicher war, dass sie in Neuruppin die ausreichende Anzahl bekommt.

„Wir freuen uns, dass auch die Klosterkirche nun einen Teil der Ausstellung beherbergt“, sagte Gemeindepädagoge Thomas Klemm-Wollny zur Eröffnung der Schau am Freitagabend. In der Kirche Sankt Trinitatis sind die raumgreifenderen Exponate zu sehen: Emaille-Malereien von Moritz Götze, Eichenskulpturen von Klaus Hack, Keramikarbeiten von Anna Arnskötter und Holzarbeiten von Ernst Baumeister und Reinhard Osiander.

„Die Klosterkirche hat Fontane in seinen Wanderungen ja explizit erwähnt und viele Besucher erkundigen sich sofort nach der Ratte und der Maus am Gewölbe“, sagt Thomas Klemm-Wollny. „Nun hat sich der Wallach von Hans Scheib dazu gesellt. Es war spannend zu sehen, wie sich die Kunstwerke ihren richtigen Platz suchten.“

Kraftakt für den Kurator

Die Galerie am Bollwerk platzt derzeit aus allen Nähten. Für Kurator und Künstler Lothar Seruset war es keine leichte Aufgabe, alle Werke ansprechend zu präsentieren. Auch die Aufstellung der drei Skulpturen im Außenraum war ein Kraftakt, der einige Genehmigungsverfahren erforderte.

Neben zahlreichen Künstlern wie Johannes Heisig, Rainer Ehrt und Heike Jeschonnek gehören auch Schüler des Neuruppiner Oberstufenzentrums mit ihrem Filmprojekt zu den Ausstellungsbeteiligten. Die bei einem Symposium im Frühsommer 2018 entstandenen Werke zum Thema „Fontane lesen – mach dir ein Bild davon“ werden anschließend in Neuwerder im Havelland sowie in Klein Machnow zu sehen sein.

Die Ausstellung in Neuruppin ist bis zum 19. Mai in der Klosterkirche und in der Galerie am Bollwerk zu sehen. Die Galerie ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 16 Uhr geöffnet, die Klosterkirche dienstags bis sonnabends von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12 bis 16 Uhr.

Von Cornelia Felsch

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