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Neuruppin Dampfen statt Rauchen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Dampfen statt Rauchen
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14:52 25.10.2018
Daniel Adolph verkauft im Neuruppiner Laden Steam Time elektronische Zigaretten und Zubehör. Sie sind weniger schädlich als normale Zigaretten, aber auch nicht wirklich gesund. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Was sofort positiv auffällt, wenn man den Laden von „Steam Time“ in der Neuruppiner Karl-Marx-Straße 95 betritt: Es riecht gut, nach Erdbeere, Apfelstrudel, Minze, durchsetzt mit einer leichten Tabaknote. Kein stickiger Zigarettenqualm verpestet die Luft.

Steam Time verkauft seit 2014 E-Zigaretten und Zubehör, erst nur online, 2015 dann wurde der erste Laden in Rathenow eröffnet. Weitere Filialen in Brandenburg, Tangermünde, Potsdam und Neuruppin folgten.

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Kunden können bei Steam Time alles haben: Einsteigermodelle für rund 25 Euro bis hochwertige Geräte für etwa 265 Euro, die der Kunde mit Basen, Aromen und Nikotin befüllt. Das Sortiment umfasst Produkte von mehr als 100 Herstellern, darunter die hauseigene Marke „Jokers Cloud“.

Kein Rauch, sondern Dampf

Der Laden läuft, freut sich Filialleiter Daniel Adolph: „Im November 2017 haben wir eröffnet. Das Konzept geht auf, wir sind gefragt.“ Steam Time heißt übersetzt Dampf-Zeit. „Anders als bei der normalen Zigarette rauchen wir nicht, wir dampfen“, erklärt der 36-Jährige.

E-Zigaretten fallen nicht unter das Nichtraucherschutzgesetz

E-Zigaretten fallen nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster nicht unter das Nichtraucherschutzgesetz. Demzufolge darf das Dampfen auch in öffentlichen Gebäuden wie Gaststätte oder am Arbeitsplatz nicht generell untersagt werden.

Die Gefährlichkeit einer E-Zigarette für „Passivdampfer“, also für jene, die sich mit Dampfern in einem Raum aufhalten, ist bisher weder bewiesen noch erforscht.

Dennoch können Arbeitgeber das Dampfen am Arbeitsplatz untersagen, etwa bei Kundenkontakt des Mitarbeiters oder wenn der Beschäftigte – wie zum Beispiel Lehrer – eine besondere Vorbildfunktion inne hat.

Eine elektronische Zigarette besteht aus einem Akkuträger und einem Verdampfer, in dem die Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, mit dem Nikotin in eine Kammer gefüllt wird. Das Liquid wird bei niedrigen Temperaturen durch eine elektrisch beheizte Wendel verdampft und nicht wie bei der herkömmlichen Zigarette verbrannt. Die Nikotinmenge ist frei wählbar.

In den Verdampfer wird das sogenannte Liquid gefüllt. Quelle: Peter Geisler

„Bis zu 4000 Schadstoffe stecken in einem normalen Glimmstängel. Blausäure, Rattengift, Teer“, gibt Adolph zu bedenken. „Eine E-Zigarette enthält pflanzliche Aromen und eine geschmacksneutrale Hauptbasis für den Dampf. Das einzig Schädliche ist das Nikotin. Insgesamt ist Dampfen 95 Prozent weniger gesundheitsgefährdend als Tabakrauchen.“ Für viele ein Grund umzusteigen. Mehr als 3,7 Millionen Deutsche konsumierten 2017 E-Zigaretten. 91,5 Prozent sind ehemalige Tabakraucher.

Nicht ungefährlich für Gesundheit

Studien aus dem Vereinigten Königreich und den USA unterstreichen, dass die Gesundheit durch eine E-Zigarette profitiere. Ungefährlich für die Gesundheit ist das Dampfen von nikotinhaltigen Flüssigkeiten aber nicht, appellieren Wissenschaftler weltweit. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt, dass Folgen für Atemwege, Bronchien und Lunge drohten.

„Ich würde von E-Zigaretten abraten“, sagt auch Allgemeinmediziner Hans-Dieter Bachmann aus Neuruppin ganz klar. „Erst kürzlich habe ich wieder einen Artikel in einer medizinischen Fachzeitschrift gelesen. Sie sind genauso schädlich wie normale Zigaretten.“

Danny Schulze (l.) bietet in seinem Laden über 100 Geschmacksrichtungen für E-Zigaretten an. Quelle: Christian Bark

Dampfen ist für Steam-Time-Filialleiter Daniel Adolph in jedem Fall eine gesündere Alternative zum Rauchen: „Viele, die vom Rauchen weg sind, bleiben bei der E-Zigarette. Der Körper wird vom Nikotin entgiftet, da dieses nach und nach reduziert werden kann.“ Egal wie viel jemand zuvor gequalmt hat.

Vom Kettenraucher zum Dampfer

Der 36-Jährige muss es wissen. Er war selber Kettenraucher, drei bis vier Stangen im Monat waren normal. „Innerhalb einer Woche war ich jedoch komplett rauchfrei“, erzählt Adolph. Seit drei Jahren dampfe er und es ginge ihm besser damit. Die elektronischen Geräte seien sogar eine Aussteigerhilfe, meint Adolph: „Wer aufhören will, reduziert das Nikotin, lässt es dann ganz weg. Viele unserer Stammkunden dampfen ohne.“

Elektronische Zigaretten sind seit rund fünf Jahren angesagt, das Konzept gibt es schon länger. 1963 hatte der US-Amerikaner Herbert A. Gilbert die zündende Idee. Allerdings ging seine Ersatz-Zigarette nie in Produktion. 2003 erfand der Chinese Han Li die heutige Version und brachte sie auf den Markt.

Alles hat sein Für und Wider

Auch herkömmliche Tabakläden passen sich an und nehmen E-Zigaretten ins Sortiment auf. „Wir verkaufen zwei Einsteigergeräte und Liquids“, erklärt Doreen Stegemann vom Spirituosen- und Tabakwarengeschäft Vick in Neuruppin. „Viele Kunden, die es ausprobieren, sagen, es kommt dem Rauchen nicht nahe.“ Auch sie habe es versucht, es sei aber nichts für sie. „Ja, es wird weniger schädlich sein, wenn ich nur Liquids dampfe und die Nikotinmenge drossele. Aber alles hat sein Für und Wider.“ Eine E-Zigarette könne schon mal explodieren, weil der Akku überladen ist.

Geschmacksaromen in Hülle und Fülle bietet Steam Time in seinem geschmackvoll eingerichteten Laden an. Für Neukunden nimmt sich Daniel Adolph bis zu einer Stunde Zeit, um sie zu beraten. Quelle: Peter Geisler

Von solchen Erfahrungen kann Daniel Adolph nicht sprechen. Stattdessen hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. „Als in Neuruppin ein Filialleiter gesucht wurde, habe ich mich beworben“, erzählt er, der zuvor jahrelang im Feuerlöschgerätewerk von Neuruppin gearbeitet hat. „Steam Time konzentriert sich auf die ländliche Umgebung.“

Seit Kurzem bietet auch der „Dampfbunker“ in Wittstock elektronische Zigaretten und Zubehör an. Für ihre Ladenkette keine Konkurrenz, meint Daniel Adolph und sortiert Ware in Vitrinen und Deko-Holzkisten: „Wir haben ein sehr großes Sortiment.“

Von Anja Reinbothe-Occhipinti