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Neuruppin Landtagskandidaten bekennen Farbe, Teil 4
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Landtagskandidaten bekennen Farbe, Teil 4
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14:48 26.08.2019
Auch im Ruppiner Land ist es keine Seltenheit, das an den Schulen Unterrichtsstunden ausfallen. Quelle: DPA
Neuruppin

Knapp 50.000 Wahlberechtigte entscheiden, wer am 1. September im Altkreis Neuruppin als Direktkandidat in den Potsdamer Landtag einziehen wird. Neun Kandidaten bewerben sich, so viele waren es noch nie in diesem Wahlkreis.

Wir haben den Kandidaten fünf Fragen gestellt und gebeten, dass die Antworten nicht mehr als 750 Zeichen umfassen sollen. Die Antwort auf die vierte Frage – Was hilft gegen den Lehrermangel? – gibt es heute. Morgen folgt dann die Antwort auf die letze Frage. Dabei geht es um die freiwilligen Feuerwehren.

Damit es keine Irritationen gibt, haben wir uns bei der Reihenfolge der Antworten an das Alphabet der Namen der Kandidaten gehalten.

Sven Deter, CDU: Brandenburg belegt im Bildungsvergleich der deutschen Bundesländer den bedauerlichen vorletzten Platz. Die Aussage von Ministerpräsident Woidke vor einigen Tagen, er wünsche sich Kontinuität, was die Bildung anbelangt, trifft wohl nicht nur mich wie ein Schlag. Lehrer und Eltern dürften das als äußerst bedenklich einordnen. Ich schlage vor, den Lehrern zuzuhören, ihnen angemessen Lohn, Entlastung von Bürokratie und vor allem wieder mehr Autorität zu verschaffen! Dazu ist ein Kurswechsel in der Bildungspolitik erforderlich. Alle Lehrer verdienen endlich Rückhalt von der künftigen Landesregierung. Mit großer Kraft und Anstrengung muss es gelingen, im Wettbewerb der Bundesländer den Kampf um die besten Lehrer und somit um die besten Bildungsergebnisse anzunehmen.

Corvin Drößler, Die Partei: Indem das Land die Lehrer in Brandenburg besser bezahlt, als es die Berliner tun. Schon kämen die Hauptstädter zum Arbeiten aufs Land. In Brandenburg wird im Gegensatz zu Berlin auch noch verbeamtet. Das sollte so bleiben und schafft einen Anreiz. Zusätzlich kann ja über eine „Buschprämie“ nachgedacht werden – als Entschädigung für das Umziehen nach Brandenburg. So würden die Potsdamer Lehramtsstudierenden auch vor Ort bleiben. Weitere Lehrerbildungsstandorte in Neuruppin und Cottbus würden Potsdam auch entlasten und die Dörfer stärken. Dies würde die Qualität der Lehre wahren, da der Fokus in den Unis nicht mehr auf der Quantität liegt. Die Dozierenden hätten mehr Zeit für eine individuell-pädagogische Ausbildung der Lehrkräfte.

Wolfgang Freese, Bündnisgrüne: Für den Lehrermangel sehe ich sowohl lang- als auch kurzfristige Lösungen. Die Erweiterung der Ausbildungskapazitäten an der Uni Potsdam, die Einrichtung einer Lehrerausbildung in der Lausitz und die Einführung eines dualen Studiums greifen erst in einigen Jahren. Zu den schnellen Lösungen gehören auf jeden Fall Quereinsteiger aus anderen Hochschulberufen. Diese können mit ihren vielfältigen Erfahrungen Schule bereichern, wenn sie umfassend qualifiziert werden. Darüber hinaus können Vorverträge, dezentral Seminarstandorte der Lehramtsausbildung und Stipendien mit Lehrverpflichtung garantieren, dass Lehrkräfte auch für ländlich geprägte Regionen geworben werden. Grundsätzlich muss die Attraktivität des Berufes erhöht werden.

Dirk Harder, Piratenpartei: Ungeachtet des bestehenden Lehrermangels bildet das Land Brandenburg noch immer zu wenige Lehrkräfte aus. Wir setzen uns daher für eine Verdopplung der Studienanfängerzahl in der Lehrerausbildung ein. Zudem wollen wir den Praxisbezug im Studium von Beginn an steigern. Fachwissenschaftliche Anteile müssen hierfür zugunsten der Erziehungswissenschaft, Schulpsychologie und Fachdidaktik auf das notwendige Maß reduziert werden. Dies scheitert derzeit noch häufig an universitären Abläufen, die einseitig auf fachwissenschaftliche Studien ausgerichtet sind. Daher werden wir die Einrichtung einer Pädagogischen Hochschule prüfen.

Gabriele Köhler, AfD: Lehrer und Schulleiter, Referenten und Pädagogikstudenten zur Arbeit in Brandenburg motivieren sollen, müssen selbst motiviert sein. Schluss mit ideologischen Experimenten und politischer Bevormundung in der Schule! Ohne massenweisen Zuzug nicht integrierbarer Fremder wäre der Lehrermangel vielleicht nicht so gravierend? Kinder ohne Sprachkenntnisse sollten bis zum Erreichen des notwendigen Niveaus extra beschult werden. Zensuren sind ein Maß für erreichte Fähigkeiten und sollten nicht als Lob oder einklagbar sein. Bei Gewalt an der Schule muss die Schulpflicht der Täter im Interesse der Opfer ausgesetzt werden können.

Ronny Kretschmer, Linke: Mit den Kommunen soll ein Anreizsystem entwickelt werden, um junge Lehrkräfte beziehungsweise Studierende für die Ansiedlung im ländlichen Raum zu gewinnen. Es bedarf einer besseren Abstimmung von Studium, Vorbereitungsdienst und Berufseinstieg! Die Aus- und Fortbildung muss besser verzahnt werden! Das Angebot berufsbegleitender Qualifizierungs- und Fortbildungsmöglichkeiten muss deutlich ausgeweitet werden. Zukünftige Lehrkräfte müssen im Studium besser auf die Praxis vorbereitet werden, z.B. durch die verstärkte Vermittlung von Inhalten aus den Bereichen Inklusion, interkulturelle Kompetenzen, Didaktik und Methodik, Lernpsychologie sowie Digitalisierung. Seiteneinsteiger müssen besser auf die Herausforderung Schule vorbereitet werden.

Ulrike Liedtke, SPD: Bildung ist mein Thema Nr. 1. Die SPD wird in den nächsten Jahren alle ausscheidenden Lehrkräfte ersetzen und zusätzlich 400 neue Lehrkräfte einstellen. Dazu haben wir die Ausbildungskapazitäten an der Uni Potsdam von 650 auf 1000 Studienplätze erhöht und bauen das Zentrum für Lehrerbildung aus. Alle Lehrkräfte werden nach der Entgeltgruppe 13 entlohnt. Wir haben die Unterrichtsverpflichtung reduziert, die Gesundheitsprävention verbessert und setzen konsequent die Verbeamtung fort. Um Lehrkräfte stärker regional zu verwurzeln, richten wir zusätzliche Studienseminare ein und legen ein „Landlehrerstipendium“ auf. Zur Wahrheit gehört: Wir sind auf Seiteneinsteiger im Schuldienst angewiesen, die vor dem Unterrichtseinsatz qualifiziert werden.

Gabriele Schare-Ruf, FDP: Brandenburg, Berlin und Bremen belegen die hintersten Plätze beim aktuellen Bildungsmonitor. Die Bildungspolitik in Brandenburg muss sich grundlegend ändern! Wir wollen mehr Leistungsorientierung und mehr Wettbewerb: Zwischen den einzelnen Schultypen und zwischen staatlichen und privaten Trägern sowie mehr Freiheiten für Schulen, um sich thematisch zu profilieren – speziell in den MINT-Fächern. All das macht Schulen für Lehrkräfte und Schüler attraktiver. Weitere Maßnahmen: Kapazitäten für Lehramtsstudium erhöhen, z.B. durch Aufbau neuer Studiengänge an der MHB Neuruppin und Einführung des dualen Lehramtsstudiums. Für mich sind Master und Meister gleichberechtigt! Deshalb verdienen Handwerks- und Ausbildungsberufe mehr Raum im Unterricht!

Siegfried Wittkopf, BVB-Freie Wähler: Bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen wurden von der Landesregierung mindestens ein Jahrzehnt verschlafen. Fehlende Fachärzte oder der Lehrermangel entstanden über Jahre. Die Zahl der Lehramtsstudenten sank und auch im Handwerk fehlen die Facharbeiter. Nun wird gegengesteuert und das mit Seiten- oder Quereinsteigern, die lediglich entlasten, aber die Qualität des Lernens wird leiden. Längerfristig muss für den Beruf geworben werden und der Lehrer muss von zusätzlichen Pflichten entlastet werden. Den Eltern obliegt die Erziehung, ob in weltanschaulichen Dingen oder was das Verhältnis gegenüber Mitmenschen betrifft. Die Schule ist zum Lernen da und die Verantwortung tragen die Elternhäuser, die Familien bis hin zu den Großeltern.

 

Von Andreas Vogel

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