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Neuruppin Landwirte bekommen immer weniger für ihr Rinderfleisch
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Landwirte bekommen immer weniger für ihr Rinderfleisch
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13:57 31.08.2019
Landwirt Guido Leinitz aus Bechlin hält Mutterkühe in seinem Familienbetrieb. Aufgrund der niedrigen Rinderfleischpreise möchte er sich auf Wagyu-Rinder spezialisieren. Deren Gourmetfleisch ist sehr gefragt bei Köchen. Quelle: Anja Reinbothe
Neuruppin/Radensleben

„Muhuuu!“, blökt es aus dem Stall. Sechs, nur ein paar Wochen alte Kälber springen aufgeregt übers Stroh und warten auf ihre Ration Milch. Es sind Wagyu-Rinder, die Guido Leinitz gerade aus Niedersachsen geholt hat. Dort hat er die Embryonen bei einem Züchter von Leihmutterkühen austragen lassen.

Ein halbes Jahr alte Wagyu-Kälber, die bei Landwirt Guido Leinitz auf den Weiden am Ortsrand von Bechlin stehen. Quelle: Anja Reinbothe

Der Landwirt aus Bechlin möchte sich auf die japanische Rasse spezialisieren, die Edelfleisch hervorbringe, und einen eigenen Bestand aufbauen, um sich abzuheben und um Geld zu verdienen. Die Kosten des Familienbetriebs zu decken wird immer schwieriger und bereitet Guido Leinitz Sorgen.

„Die Fleischpreise haben sich in den letzten Jahrzehnten mehr oder weniger nicht verändert, aber die Produktionskosten sind gestiegen“, erklärt der 44-Jährige. „Früher gab es acht Mark pro Kilo Schlachtgewicht, heute, wenn alles gut geht, um die vier Euro. Derzeit sind es nur 3,60 Euro.“ Er wisse nie, was er vom Absetzer bekomme. „Es ist schon so schwer, weil wir immer in Vorleistung gehen.“

Einzelhandel drückt die Preise

Der Einzelhandel mache ihnen das Leben schwer, drücke die Preise. „Geiz ist geil“, sagt der Bechliner Landwirt. „Die Verbraucher wollen Qualität, aber nichts zahlen. Müssten auf Klasse, nicht auf Masse achten.“

Zusätzliches Kopfzerbrechen bereitet dem Familienvater zudem das neue Handelsabkommen mit den USA. Dieses besagt, dass künftig mehr amerikanisches Rindfleisch eingeführt werden darf nach Europa.

Laut Trump sei es das beste der Welt. Das mag nach Ansicht des US-Präsidenten so sein. Das Fleisch der deutschen Bauern ist jedoch auch gut und kommt direkt aus der Region – ohne lange Lieferkette und gereift durch hohe gesetzliche Auflagen.

Guido Leinitz reagiert auf die Preisentwicklung und setzt deshalb auf Wagyu-Rinder als Alleinstellungsmerkmal. „Ein Markt dafür existiert noch nicht. Aber das marmorierte Gourmetfleisch ist sehr gefragt. Es schmilzt am Gaumen.“

Kommt Chef Leinitz mit Eimer voller Leckereien trabt die Mutterkuh-Herde mit ihrem Nachwuchs gerne an. Quelle: Anja Reinbothe

Produzenten für Vollblut-Wagyus gäbe es derzeit nur fünf in Brandenburg, in Ostprignitz-Ruppin sei Guido Leinitz der einzige, bestätigt Maria Mundry, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands OPR. Auf seinen Weiden am Ortsrand grasen weitere Wagyu-Kälber neben Muttertieren. Den dunkelbraunem Nachwuchs will Leinitz mästen und das Fleisch letztendlich an Köche verkaufen.

Familienbetrieb mit 500 Rindern

Er wirtschaftet zusammen mit seinem Vater, dessen Betrieb sich einmal über die Straße rüber in Bechlin befindet. Zusammen kümmern sie sich in ihren Familienbetrieben mit sieben Angestellten um 650 Hektar Acker und 500 Rinder. Darunter sind 150 Milchkühe, 70 Mutterkühe (Kreuzungsrinder aus verschiedenen Fleischrinderrassen) und deren Nachwuchs.

„Wir haben eine nachhaltige Landwirtschaft“, sagt Guido Leinitz. „Es ist ein Kreislauf. Alles, was vom Feld kommt, kommt auch wieder zurück. Wir düngen nur, was die Pflanze entnimmt, und alles, was wir ernten, kommt in den Stall.“ Sie machen ihr eigenes Futter, haben einen Futtermittelberater.

Die Kühe liegen im Stall auf Stroh, aalten sich darin. „Das ist besser als Bürsten, die Parasiten übertragen.“ Die Mutterkühe, ihr Nachwuchs und die Färsen, weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben, seien aber meist auf den Koppeln.

Bitte an Verbraucher

Mit fünf bis sechs Monaten verkauft Leinitz Kälber an Viehhändler und die wiederum an Mastbetriebe. Er mästet aber auch selbst, dann kommen sie mit gut 20 Monaten zum Schlachter nach Perleberg.

Köche und Fleischerei Dülfer in Neuruppin sind die Abnehmer von Guido Leinitz. „Bei Dülfer steht dann auch, dass es heute Fleisch von uns gibt.“ Das sei wichtig, meint Maria Mundry vom Kreisbauernverband OPR: „Ich würde mir wünschen, dass der Verbraucher bereit ist, mehr zu zahlen, wenn er weiß, woher die Ware ist.“

Die Landwirtschafts GmbH Neukammer in Radensleben hält 2100 Rinder. Davon 800 Mutterkühe mit Nachzucht. Auch Betriebsleiter Marc Landorff beobachtet einen Abwärtstrend bei den Rinderfleischpreisen. Quelle: Anja Reinbothe

So sieht es auch Marc Landorff. „Sie müssen nachdenken, was sie wirklich wollen. Bio ist toll, sagen viele, gehen aber dann doch zu Aldi und kaufen abgepackte Ware“, erklärt der Betriebsleiter des Agrarbetrieb Neukammer in Radensleben. „Und wenn sie zum Metzger gehen, sollten sie fragen, ob das Fleisch vom Bauern kommt und auch mal nach anderen Stücken fragen als nur nach Rumpsteak oder Filet.“

Geringe Erlösspanne

Die Erlösspanne bei Mutterkuhhaltung sei grundsätzlich gering, gesteht Landorff. Bisher seien die Preise relativ stabil gewesen, aber auf niedrigem Niveau. „Jetzt haben sie eine leicht fallende Tendenz. Aufgrund des neuen Abkommens mit den USA können Viehhändler künftig weniger zahlen für Fleisch, sagen sie jetzt schon. Sie sind vorsichtig.“

Der Radenslebener Agrarbetrieb hat 2100 Rinder, Bullen, 800 Mutterkühe und deren Nachzucht. „Wir verkaufen ausschließlich an Händler, die unsere Tiere an Schlachthöfe weitergeben“, so der 43-Jährige.

Generell aufgestellte Preisregeln gelten da aber nicht mehr, meint der Betriebsleiter, der für 26 Mitarbeiter verantwortlich ist. Zum Jahresende hätten die Preise immer noch mal angezogen. „Anfang November gab es stets eine große Nachfrage für Tiefkühlware, drei bis vier Wochen später für Frischfleisch. Das waren die Hochpreisphasen.“

Endjahreshochphase bleibt aus

In den letzten beiden Jahre hätte es das nicht mehr gegeben, sagt Landorff, während er mit seinem Geländewagen an den Ställen vorbeifährt. Diese sind fast leer. Nur die Bullen stehen drin. Etwa 250 in einer Halle mit Betonspalten. „Bei uns wird ständig kontrolliert. Die gesetzlichen Auflagen sind hoch.“

Mindestens sechs Monate im Jahr weiden die Mutterkühe mit ihren Kälbern auf den Grünlandflächen des Agrarbetriebs Neukammer außerhalb von Radensleben. Quelle: Anja Reinbothe

Der Radenslebener Agrarbetrieb Neukammer nutzt verschiedene Halteverfahren. Auf 1200 Hektar Grünland stehen verteilt die Herden mit Mutterkühen, vorrangig französische Salers-Rinder, und deren Nachzucht.

„Die Mutterkühe kalben lieber draußen. Ein Kalb im Jahr kriegen sie. Ein halbes Jahr sind sie auf Grünland, dann auf Winterflächen oder im Stall. Sie veredeln das Grünland“, sagt Marc Landorff und Maria Mundry ergänzt: „Mutterkuhhaltung ist auch Landschaftspflege.“ Noch ein Punkt mehr, der es umso wichtiger macht, den Landwirtschaftszweig regional zu erhalten und als Verbraucher Rindfleisch vom Bauern nebenan zu kaufen. Damit es weiterhin aus den Ställen und auf den Weiden muht.

Von Anja Reinbothe

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