Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Letztes Weihnachtsoratorium mit Hans-Peter Schurz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Letztes Weihnachtsoratorium mit Hans-Peter Schurz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:11 23.12.2019
Nach dem 20. Weihnachtsoratorium – dem letzten unter Leitung von Hans-Peter Schurz – überreicht Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde die Ehrenmedaille der Stadt für Schurz' langjähriges Engagement um die Chorkultur der Stadt. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

„Jauchzet frohlocket“ – alle Jahre wieder erklingt Bachs Weihnachtsoratorium in der Neuruppiner Kulturkirche – für viele Menschen aus der Region ist es ein unverzichtbarer Einstieg in das kommende Fest. Auch für viele aktive und ehemalige Mitglieder des Neuruppiner A-cappella-Chors, des Märkischen Jugendchores und des Landesjugendchores – allesamt Chöre, die von Hans-Peter Schurz gegründet wurden, ist es Ehrensache und Herzensangelegenheit, an diesem wunderbaren Werk mitzuwirken.

Seit Jahrzehnten ist Hans-Peter Schurz maßgeblich an der Chorlandschaft der Region und darüber hinaus beteiligt. Für sein Engagement wurde er mit der Ehrenmedaille Neuruppins ausgezeichnet. Schurz gibt nach 48 Jahren die musikalische Leitung des von ihm gegründeten A-cappella-Chores ab.

Viele reisen dafür von weither an, um Weihnachten wieder in der Heimat zu feiern – und mit den alten Freunden und Mitstreitern als Chor die Kantaten 1 bis 3 zu gestalten. 84 Sängerinnen und Sänger stehen am Sonntag auf der Bühne, das altbewährte Schaffrath-Orchester Berlin hat seinen Platz eingenommen. Auch die Solisten sind bekannt – manche länger, manche kürzer: Sopranistin Georgia Tryfona, Altistin Irene Schneider, Tenor Christian Pohlers und Bass Sebastian Bluth.

Grandioses 20. Weihnachtsoratorium

Hans-Peter Schurz dirigiert – die Solisten sind Christian Pohlers, Irene Schneider, Georgia Tryfona und Sebastian Bluth (v.l.) Quelle: Regine Buddeke

Aber etwas ist anders bei diesem nunmehr 20. Weihnachtsoratorium: Der langjährige Dirigent und Leiter des A-cappella-Chores Hans-Peter Schurz nimmt den Taktstock für diesen Anlass letztmalig zur Hand. Er übergibt die Leitung des Chores und damit auch des Weihnachtsoratoriums an seinen Nachfolger Nils Jensen.

Fast ist das Konzert noch um einiges festlicher als in den vergangenen Jahren. Der Chor jubelt, die Solisten singen ihre Arien und Duette, auch im Orchester wird gelächelt. Hans-Peter Schurz strahlt – er feiert seinen Abschied.

Am Ende gibt es stehende Ovationen. Quelle: Regine Buddeke

Im Anschluss gibt es stehende Ovationen, dann wird – das ist neu – ein Rednerpult aufgebaut. Manfred Raabe, Vereinsvorstand des A-cappella-Chores, ergreift das Wort, um sich im Namen aller Sänger bei Hans-Peter Schurz als langjährigem Leiter zu bedanken. Schurz habe nicht nur 1967 den Märkischen Jugendchor gegründet, sondern 1971 auch den A-cappella-Chor – damals noch Chor der Gewerkschaft für Unterricht und Erziehung – inspiriert vom Wunsch einiger Lehrerehepaare, die auch nach dem Jugendchor weiter gemeinsam singen wollten.

Schurz gründete und leitete etliche Chöre

1991 folgte die Gründung des Landesjugendchores – auch hier wollten viele Sänger des Märkischen Jugendchores die gemeinsame Chorzeit verlängern. Und auch für weitere Chöre zeichnet Schurz verantwortlich. „Er hat es geschafft, aus einer Gruppe Individualisten eine Chorgemeinschaft zu schmieden. Wir haben von ihm gelernt, als Gruppe stimmig gemeinsam zu singen“, sagt Raabe gerührt und zitiert ein paar typische Schurz-Sprüche, die Generationen von Sängern auf ihren Wegen begleiten haben.

Die Chorsänger – die meisten aus Schurz-Chören – sind oft seit Jahren dabei. Quelle: Regine Buddeke

Man lasse ihn ungern gehen, fährt Raabe fort. „Du warst nie Mitglied in unserem Verein – das ändern wir heute“, sagt Raabe und drückte Hans-Peter Schurz eine Urkunde in die Hand, die ihn zum Ehrenmitglied ernennt und freien Eintritt für alle A-cappella-Chor-Konzerte verspricht.

Der A-cappella-Chor ernennt Hans-Peter Schurz zum Ehrenmitglied. Quelle: Regine Buddeke

Was dann kommt, sollte eigentlich eine Überraschung werden: Hans-Peter Schurz, so haben es die Stadtverordneten am 16. Dezember einstimmig beschlossen, soll für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement um die Chorlandschaft Neuruppins die Ehrenmedaille der Fontanestadt verliehen bekommen.

Eklat um Ehrenmedaille – Ehrung verlief jedoch ohne Zwischenfälle

Die Überraschung platzte indes, weil es Einwände gegen die Ehrung gab: Der Kreistagsabgeordnete Kay Noeske-Heisinger hatte angekündigt, Vorsitz und Mitarbeit im Aufsichtsrat der städtischen Mehrheitsgesellschaft Tourismusforum Neuruppin niederzulegen, sollte Schurz die Medaille erhalten.

Die Ehrung am Sonntag fand dennoch statt – viele Neuruppiner waren gekommen, um Schurz die Ehre zu erweisen. Gerrit Große, Vorsitzende des Verbandes der Musik- und Kunstschulen Brandenburgs und Präsidiumsmitglied im Landesmusikrat, saß ebenfalls im Publikum.

Im Anschluss überreicht Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (r.) die Ehrenmedaille der Stadt für Hans-Peter Schurz' langjähriges Engagement um die Chorkultur der Stadt. Quelle: Regine Buddeke

Bürgermeister Jens-Peter Golde dankte Hans-Peter Schurz: „Chöre tragen zur Gemeinschaftsbildung ihrer Einwohner bei und sind ein Aushängeschild für eine Kulturstadt“, begründet er. Schurz habe durch viele Chorreisen den Namen Neuruppins in die Welt getragen. „Mit der Ehrenmedaille möchte sich die Fontanestadt beim Träger des Bundesverdienstkreuzes bedanken“, so Golde.

Ein persönliches Wort möchte er noch loswerden – an den Kritiker der Entscheidung: „Die Demokratie, die wir seit 30 Jahren haben, ist nicht immer perfekt. Aber sie sorgt dafür, dass nicht der Lauteste Recht hat, sondern die Mehrheit die Entscheidungen trifft.“

Schurz muss am Ende viele Hände schütteln

Schurz selbst sagt später dazu, den Trubel um seine Person mehr oder weniger ausgeblendet zu haben. „Für mich waren die Proben zum Weihnachtsoratorium in der vergangenen Woche das Wichtigste.“ Die Entscheidung, die Leitung des Chors abzugeben, habe er sich nicht leicht gemacht. „Es war wie ein Wall, über den ich springen musste.“

Es brauche Kraft und Mut, aufzuhören. Er muss am Ende des Abends sehr viele Hände schütteln, Blumen, Umarmungen und gute Worte empfangen. Die Chorsänger des Oratoriums und auch viele Ehemalige sitzen später noch bei einem Empfang zusammen – um Erinnerungen auszutauschen und das Ende einer Ära zu feiern.

Von Regine Buddeke

Kartoffelsalat mit Würstchen zu Hause? Oder wegfahren und es anderswo so richtig krachen lassen? Wie feiern Prominente aus der Prignitz und Ostprignitz-Ruppin das Weihnachtsfest?

23.12.2019

Von wegen besinnliche Adventszeit: In einem Lokal an der Neuruppiner Seepromenade kam es am Samstag gegen 2 Uhr morgens zu einer Kneipenschlägerei, an der zehn Leute beteiligt waren. Drei wurden verletzt, darunter die Bardame.

22.12.2019

Ein 53-Jähriger in Neuruppin war am Samstag so betrunken, dass er ins Krankenhaus musste. Unterwegs drohte er den Rettungskräften, sie abzustechen.

22.12.2019