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Neuruppin Mark Benecke fasziniert mit „Bakterien auf Leichen“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Mark Benecke fasziniert mit „Bakterien auf Leichen“
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00:20 02.04.2019
Mark Benecke und seine Fans in Neuruppin.. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

„Heute ist Bakterien auf Leichen, oder?“ Kein Wunder, dass er fragen muss – Mark Beneckes Terminkalender ist proppenvoll. Es gibt Monate, wo er fast zwanzig seiner Vorträge hält, die – mit mehr oder weniger ekligen Fotos bestückt – unterhaltsam und zugleich spannend-informativ seinen Alltag als Kriminalbiologe beschreiben.

Und – das darf man nicht vergessen: Es ist nicht jeden Abend derselbe Vortrag. Benecke hat derer 18 im Repertoire – über Serienmörder, Vampire, Leichen in der Biotonne, Hitlers Schädel und Zähne, Blutspuren, plötzliche Selbstentzündung und Insekten auf Leichen – letzteres sein Spezialgebiet.

Nicht umsonst nennt man Benecke Doktor Made: Anhand von Insekten und deren Larven hat er – auch fürs FBI – schon so manchen scheinbar aussichtslosen Fall gelöst, indem er Zeitpunkt oder Ort des Todes spezifizieren konnte und so den Täter überführte.

Jedes Jahr in Neuruppin – und immer anderes Programm

In Neuruppin ist Mark Benecke seit vielen Jahren zu Gast – sein Stammpublikum ist mit etlichen der 18 Themen bereits vertraut. Dennoch – der Stadtgarten war am Freitagabend wieder berstend voll – so unterhaltsam ist die locker-leichte Plauderei, mit der der Kriminalbiologe die Leute drei Stunden lang förmlich in den Boden quatscht.

Während seiner Laufbahn – er ist auch Ausbilder an Polizeischulen, Autor, gefragter Interviewpartner in Funk und Fernsehen sowie vereidigter Sachverständiger für biologische Spuren an Leichen – hat er einen quasi unerschöpflichen Fundus an Wissen und Erfahrung gesammelt, an denen er das Publikum auf gut verständliche Weise teilhaben lässt.

Mark Benecke spricht im Stadtgarten Neuruppin über Bakterien auf Leichen Quelle: Regine Buddeke

Auch an den unappetitlichen Details. Aber wer zu Mark Benecke geht, goutiert dies zumeist – da schwingt die Lust am wohligen Schaudern und der Sensation mit. Zarte Nerven sind fehl am Platz.

„Nehmen Sie sich ein Tatortkärtchen mit – Sie könnten es brauchen, wenn Sie zuhause ankommen“, wirbt-witzelt Benecke wie jedes Jahr. Neu ist der Madenstempel, den man sich verpassen lassen kann: „Nicht schön aber mit Liebe gezeichnet“, sagt der 48-Jährige, der so gar nicht wie der Prototyp eines Wissenschaftlers aussieht.

Benecke ist Gutachter, Autor, Ausbilder, Sachverständiger und Referent

Das passt zu ihm – er ist ein entschiedener Gegner von Grundannahmen aus traditionellen Denkweisen. „Vernunft und Logik schön und gut. Ist aber nicht immer zielführend“, sagt er. Genauso wenig wie schlüssige Indizienketten. Auch das kann in die Hose gehen. Seine Devise und sein Mantra: Schauen, wie ein Kind es tut. Mit Neugier und Ausprobieren.

Benecke redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Keine Einleitung über all die Jahre, die der anderen gleicht. Er kommt vom Thema ab – aber nur scheinbar. Kommt vom hundertsten ins tausendste und fängt den Faden wieder. Bezieht sich auf Neuruppin und die Fontanefestspiele. Sorgt immer wieder für Gelächter.

Er redet über seine Fauchschaben, die man in der Pause streicheln darf: „Sie denken, Sie sind cooler als die? Vergessen sie es! In den sechs großen Auslöschungswellen der Erdgeschichte hat es immer die an der Spitze der Nahrungskette erwischt. Und dieses Mal wird es uns treffen“, prophezeit er angesichts des Klimawandels. Den Schaben sei das egal – Insekten sind extrem anpassungsfähig.

Insekten sind sein Spezialgebiet – sein Spitzname Doktor Made

Er plaudert weiter: Über dies und das und natürlich über Bakterien auf Leichen. Erklärt, warum manche Leichen sich grün verfärben, andere blau, braun oder schwarz. Dem ein oder anderem im Saal wirds angesichts der Fotos blümerant. Rausgehen indes gestaltet sich zum Spießrutenlauf, denn Benecke unterbricht dann seinen Vortrag.

Aus Rücksicht, sagt er. Es wirkt aber dünnhäutig – zumal er auch jedes Getuschel im Saal abwürgt: „Sagen sie es laut, dann beantworte ich es gern“, fordert er mehrfach freundlich auf. Andererseits ist sein Wunsch nach Aufmerksamkeit nachvollziehbar. Es ist mit Sicherheit ein Kraftakt, den er in jedem Vortrag leistet – mit viel Herzblut. Und das Gros im Saal hängt ihm förmlich an den Lippen.

18 verschiedene Themenabende hat der begnadete Plauderer im Repertoire

Zunehmend geht es um Fäulnis und Zersetzung. Gase blähen Leichen auf – anhand einer Bilderserie beleuchtet er die einzelnen Verwesungsstadien. Samt Madenteppichen und mehr. Immer wieder zieht das Publikum scharf die Luft ein. Er streift die Welt der Gerüche – Käsefotos untermalen das. Benecke ist übrigens Veganer.

Angesichts ekliger Fußnägel-Fotos rollen sich vielen im Saal selbige hoch. Drei Stunden lang unterhält Benecke seine Fans, beantwortet Fragen, posiert für Fotos in der Pause. Am Ende gibt es viel Applaus – wie jedes Jahr.

Von Regine Buddeke

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