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Neuruppin Instagram-Posts statt Partei-Gebrabbel: 19-Jähriger ist jüngster Abgeordneter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Instagram-Posts statt Partei-Gebrabbel: 19-Jähriger ist jüngster Abgeordneter
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01:16 29.06.2019
Der 19-jährige Maximilian Kowols bei seiner ersten Kreistagssitzung. Quelle: Malina Aniol
Neuruppin

Vor ihm liegt das Grundgesetz. Immer mehr Menschen trudeln in der Aula des Neuruppiner Oberstufenzentrums ein. Viele seiner neuen Kollegen kommen auf ihn zu, schütteln ihm die Hand, stellen sich vor, gratulieren ihm. Noch kennt er nur die wenigsten von den Abgeordneten, mit denen er in den nächsten fünf Jahren den Landkreis gestalten und Politik machen möchte.

Maximilian Kowol, Bündnis 90/ Die Grünen“, steht auf dem silbermetallenen Schild vor ihm. Er hat einen der besten Plätze bei der konstituierenden Kreistagssitzung am Dienstagabend ergattert. Mit seiner Fraktion sitzt er den Vorsitzenden des Gremiums direkt gegenüber und hat damit den perfekten Überblick über das Geschehen.

Jüngstes Mitglied des Kreistags

In der sechsten Legislaturperiode des Ostprignitz-Ruppiner Kreistags sind viele neue Gesichter hinzugekommen. Das Durchschnittsalter ist auf 53 Jahre gesunken. Von diesem Mittelwert ist Maximilian Kowol genau 34 Jahre entfernt.

Am 26. Mai, dem Tag der Wahl, feierte der Neuruppiner Schinkelschüler nicht nur seinen Einzug in das Stadt- und Kreisparlament, sondern auch seinen 19. Geburtstag. Damit ist er der mit Abstand jüngste Abgeordnete. Nur Justin König, der Fraktionsmitglied der Linken, ist mit 21 Jahren nicht wesentlich älter als er.

Erste Bewährungsprobe: Stadtverordnetenversammlung

Seinen Einstieg in das lokale Politikbusiness hatte Kowol bereits vorige Woche in der Stadtverordnetenversammlung von Neuruppin. „Eigentlich wollten wir da schon zur Ostsee fahren“, gesteht Kowol, dessen Sommerferien vor einer Woche begonnen haben. „Aber die erste Sitzung wollte ich nicht schwänzen.“

Am Abend der Stadtverordnetenversammlung ist er als erster da. So kann er gleich alle anderen Abgeordneten kennenlernen. Viele, erzählt der Schüler, seien froh darüber, dass auch mal junge Leute sich in der Stadtpolitik engagieren. Ein guter Einstieg für ihn.

Stimme für die Jugend

Am Tag nach der Kreistagssitzung will Maximilian Kowol sich schon früh auf den Weg in seine Heimat Bayern machen. Denn er ist erst vor einem Jahr nach Neuruppin gezogen, ist seitdem Mitglied bei den Grünen und im Jugendbeirat der Stadt aktiv. Umso erstaunlicher ist, dass er gleich für beide Posten gewählt wurde: Mit 767 Stimmen zieht der zukünftige Zwölftklässler in die Stadtverordnetenversammlung ein, mit 693 wird er Kreistagsabgeordneter.

„Junge Menschen fehlen in den Parlamenten“, sagt Kowol ganz klar. Damit die Jugendlichen eine Stimme bekommen oder zumindest eine junge Stimme in der lokalen Politik zu hören ist, hat er Wahlkampf geführt. Andere Abgeordnete könnten zwar aus ihren Erfahrungen beispielsweise als Lehrer versuchen, Entscheidungen zu treffen. Aber Maximilian Kowol kommt direkt aus der Mitte der Jugendlichen – und er will das nutzen.

Nachtschichten für die Politik

Dass Politik zu machen ganz schön zeitaufwendig sein kann, ist ihm klar. „Dann wird halt die ein oder andere Nacht noch länger“, sagt er lachend. Er hofft, dass alles so klappt, wie er sich das vorgestellt hat. Aber er hat sich seine Ausschüsse auch so ausgewählt, dass sie sich thematisch überschneiden. Dadurch will er den Arbeitsaufwand etwas verringern.

Auto neben Auto steht in der brennenden Sonne am Oberstufenzentrum. Maximilian Kowol hingegen kommt zu der Sitzung mit einem leicht klapprigen Drahtesel an. „Ich bin wahrscheinlich einer der wenigen Abgeordneten heute, der mit dem Fahrrad kommt“, mutmaßt er schmunzelnd.

Leidenschaft für Klimaschutz

Er ist einer der Initiatoren der Fridays-for-Future-Demonstrationen in Neuruppin. Der Kampf gegen den Klimawandel liegt ihm sehr am Herzen.

„Meine persönlichen Ziele für den Kreis wären: ein besserer Personennahverkehr und mehr Radwege.“ Aber auch die Idee, den Klimanotstand auf Kreisebene auszurufen oder den Kreis im Rahmen des Projektes „Seebrücke“ zu einem sicheren Hafen für Geflüchtete zu machen, will er voranbringen. „Was dann konkret kommt, dass ergibt sich durch den direkten politischen Diskurs“, sagt er, als hätte er noch nie etwas anderes als Politik gemacht.

„Ich bin super nervös“

Um 5.41 Uhr morgens wacht Maximilian Kowol am Dienstag das erste Mal auf. „Ich bin super nervös“, gibt er vor seiner ersten Kreistagssitzung zu. Aber der junge Politiker hofft, dass diese Versammlung genauso viel Spaß macht wie die des Stadtparlaments. „Und dass es kein Partei-Gebrabbel gibt, sondern zusammengearbeitet wird.“

Ungefähr fünf Stunden dauert seine erste Sitzung im Kreistag. Zum ersten Mal werden drei Frauen zu den Vorsitzenden des Gremiums gewählt. Kowol ist im Wahlausschuss und überreicht jedem der anwesenden Abgeordneten den Wahlzettel. „Dadurch konnte ich mir schon mal ein paar Gesichter einprägen.“ Und auch die ersten Kontakte zu anderen lokalen Politikern konnte er schon knüpfen.

Kowol bringt Instagram in den Kreistag

Um 20 Uhr gibt es eine halbstündige Pause. Die nutzt Maximilian Kowol nicht nur, um sich mit seinen Fraktionsmitgliedern auszutauschen, sondern auch um auf seinem Instagram-Account über die Kreistagssitzung zu schreiben. „Ich glaube so kann man einfach die jüngeren Leute erreichen“, erzählt er.

Sein Fazit am nächsten Tag: „Manche Sachen haben sich echt gezogen – aber es war trotzdem cool und hat Spaß gemacht.“ Denn mit Verzögerungen hatte der Politikneuling Kowol gerechnet – so wie ein ganzer Politiker.

Von Malina Aniol

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