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Neuruppin Zu viele Streubomben in Kyritz-Ruppiner Heide – Entsorgung dauert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Zu viele Streubomben in Kyritz-Ruppiner Heide – Entsorgung dauert
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08:12 13.07.2019
In der Kyritz-Ruppiner Heide finden Munitionsbergungsfirmen tonnenweise Granaten, Bomben und andere Sprengkörper. Es kommen solche Mengen zusammen, dass die Funde fast wöchentlich gesprengt werden müssen. Bei größeren Abständen würde sich viel ansammeln, dass die Lagerung zu gefährlich wird. Quelle: Daniel Baumeister
Neuruppin

Die Munitionssuche in der Kyritz-Ruppiner Heide gestaltet sich weit schwieriger als noch vor einiger Zeit angenommen. Und sie wird länger dauern. Das gilt vor allem für die Suche nach sogenannten Streubomben.

„Die Streuwaffensanierung geht nicht schnell genug voran“, räumt Rainer Entrup von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) jetzt ein.

Deutschland kann seine Verpflichtung aus dem sogenannten Oslo-Übereinkommend deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach nicht einhalten. Die Bundesrepublik Deutschland hat mit 98 anderen Staaten weltweit diese Vereinbarung über die Vernichtung sämtlicher Streumunition geschlossen.

So sehen die tennisballgroßen Kugelbomben aus, die mit Stahlkugeln und Sprengstoff gefüllt im Boden liegen. Dutzende oder Hunderte davon stecken in einer Hülle und verteilen sich beim Abwurf aus einem Flugzeug über große Flächen. Quelle: Peter Geisler

Darin ist geregelt, dass alle Länder innerhalb von zehn Jahren sämtlich Streubomben auf ihrem Territorium unschädlich machen – egal, wer sie dort wie hingebracht hat.

Diese Frist dafür endet 2020. Für Rainer Entrup steht aber fest, dass es unmöglich ist, sämtliche Streumunition, die auf dem 12.000 Quadratkilometer weiten ehemaligen Truppenübungsplatz zwischen Mecklenburg und Neuruppin abgeworfen wurde, bis dahin zu zerstören.

„Das liegt vor allem daran, dass es viel mehr Funde gibt, als wir anfangs vermutet haben“, sagt der Fachmann, der das Areal im Auftrag des Bundes verwaltet.

Seit 2011 wird in der Heide nach den Bomben gesucht

Im Jahr 2011 hatten Experten begonnen, in der Kyritz-Ruppiner Heide nach Streumunition zu suchen. Vorher waren eher zufällig an verschiedenen Stellen 18 der kleinen runden Bomben entdeckt worden, die alle mit Hunderten Stahlkugeln und Sprengstoff gefüllt sind. Ihre Wirkung bei einer Detonation ist verheerend.

Lange gingen die Fachleute davon aus, dass eine Fläche von rund 1100 Hektar mit diesen hochgefährliche Bomben verseucht ist, etwa ein Zehntel des gesamten Übungsgeländes. Inzwischen deutet alles darauf hin, dass die Fläche viel doch sein könnte.

Statt einiger Dutzend Kugelbomben haben die Munitionspezialisten bis jetzt schon 2500 bis 3000 davon ausfindig gemacht, Ende offen.

Neben der Munition steckt jede Menge Schrott in der Erde

Die Suche ist sehr aufwändig. Auch, weil sich auf dem Übungsplatz neben Munition und Blindgängern aller Art und Größe jede Menge Schrott findet.

Jede verdächtige Fläche wird mit Sonden untersucht. Zuerst lässt die Bima die Vegetation auf dem Areal abbrennen, dann kommen die Metalldetektoren zum Einsatz. Sie schlagen allerdings nicht nur bei Bomben und Granaten an, sondern bei jedem Metallteil im Boden.

Rainer Entrup kümmert sich für die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben um das Areal der Kyritz-Ruppiner Heide. Quelle: Peter Geisler

Den Munitionsuchern fällt es von außen schwer zu unterscheiden, ob das Metall in der Erde wahrscheinlich harmlos oder gefährlich ist; sie müssen fast alles ausgraben. Was wäre, wenn sie eine Bombe übersehen und eine Fläche als ungefährlich freigeben?

Als vor Kurzem der alte Übungsplatz bei Lübtheen in Mecklenburg brannte, hieß es, dort würden noch 45 Tonnen Munition in der Erde vermutet. Solche Zahlen kann Entrup für die Kyritz-Ruppiner Heide nicht nennen. „Seriös kann man das unmöglich sagen“, meint er.

Keiner weiß, wie viel Munition noch in der Heide liegt

Als die Bundeswehr das Areal vor gut zehn Jahren noch in Beschlag hatte, sei sie von etwa 1,5 Millionen Sprengkörpern auf der gesamten Fläche ausgegangen. Gemeint sind Bomben, Granaten, aber auch einzelne Patronen.

Entrup glaubt inzwischen, dass die Zahl weit darüber hinausgeht, bleibt aber vorsichtig. „Die Heide wurde 40 Jahre lang als Übungsplatz genutzt“, sagt er. „Wir wissen nicht, was hier in dieser Zeit alles gemacht wurde.“

Zurzeit finden die Fachleute so viel Munition, dass der Kampfmittelbeseitigungsdienst fast wöchentlich anrücken muss, um die Funde zu sprengen.

Von Reyk Grunow

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