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Neuruppin Islam-Gespräch: Moscheegründerin Ates zu Gast in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Islam-Gespräch: Moscheegründerin Ates zu Gast in Neuruppin
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08:51 19.06.2019
Diskutierten in Neuruppin: Rechtsanwältin Seyran Ates (l.) und FDP-Kreisvorsitzende Gabriele Schare-Ruf Quelle: Frauke Herweg
Neuruppin

Als ihre Mutter 1968 nach Berlin kam, legte sie ihr Kopftuch ab. Kaum eine muslimische Frau habe damals ein Kopftuch getragen, erinnert sich die Rechtsanwältin und Imamin Seyran Ates. „Es war unvorstellbar, dass schon kleine Mädchen ein Kopftuch tragen.“

Inzwischen ist das anders. Seit den 80-er Jahren – mit dem Erstarken eines politisierten und reaktionären Islams – hat sich die muslimische Gemeinschaft in Deutschland verändert. Welche Folgen hat das? Darüber diskutierten die Mitgründerin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee Seyran Ates und die FDP-Kreisvorsitzende Gabriele Schare-Ruf am Dienstagabend in Neuruppin bei dem Gespräch „Frauenbilder im Islam“.

Straftatbestand Zwangsehe

Als Rechtsanwältin hatte Ates schon 2003 einen eigenen Straftatbestand für Zwangsehen gefordert. Zwar gibt es inzwischen ein entsprechendes Gesetz. Doch werden nach wie vor Mädchen und Jungen gegen ihren Willen verheiratet. „Die Zahl der Kinderehen in Deutschland hat signifikant zugenommen“, sagt Ates.

Allerdings vermisst die Juristin eindeutige Reaktionen von Politikern. „Ich sehe 2019 keine aufklärerische Politik“, sagt sie. Über das Erstarken des politischen Islam werde geschwiegen. „Die Menschen sind sehr ängstlich, weil sie Angst haben, in die rechte Ecke gestellt zu werden.“

Muss nach Morddrohungen unter Polizeischutz leben: Seyran Ates Quelle: Frauke Herweg

Eine brandgefährliche Entwicklung nach Einschätzung von Ates. „In Europa wird unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit der politische Islam gefüttert“, sagt sie. Für Ates hat das Erstarken des reaktionären Islam auch persönliche Konsequenzen. Wegen ihres Engagements hat sie so viele Morddrohungen erhalten, dass sie inzwischen seit Jahren unter Polizeischutz lebt.

Vor zwei Jahren hatte Ates gemeinsam mit anderen die liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee gegründet – eine Moschee, in der Frauen und Männer gemeinsam beten. Schon im siebten und achten Jahrhundert seien Frauen im Islam Gelehrte, Kriegerinnen und Imaminnen gewesen, sagt die 56-Jährige. „2019 sollten wir in Vielfalt leben.“

Unterdrückte Frauen

Doch sieht auch die FDP-Kreisvorsitzende Schare-Ruf diese Freiheit bedroht. Als Medizinerin hat sie 30 Jahre lang in einer Düsseldorfer Hausarztpraxis Migrantinnen behandelt. „Ich bin in eine Welt eingetaucht, in der Frauen völlig rechtlos sind“, sagt sie.

Schare-Ruf ist in ihrer politischen Analyse unmissverständlich: Integrationspolitik ist in Deutschland gescheitert. An muslimische Familien stellt die Rheinsbergerin klare Forderungen. „Integration ist eine Bringschuld.“ Schon bei der Einschulung müssten muslimische Familien verpflichtet werden, ihre Töchter ohne Kopftuch in die Schule zu schicken. „Es gibt keinen Kulturrabatt.“

Kopftuchverbot bei Kindern

Die FDP-Kreisvorsitzende fordert verpflichtenden Schwimmunterricht in der Schule, ein Kopftuchverbot bei Kindern und unterschriebene Integrationsvereinbarungen. Einigen Zuhörern erscheint das jedoch wenig hilfreich – Integration braucht Auseinandersetzung, keine populistischen Zuspitzungen. Wie aber lässt sich diese Auseinandersetzung führen, wenn die islamische Gemeinschaft eine Parallelgesellschaft ist?

Die Antwort auf diese Frage bleibt die eineinhalbstündige Diskussion der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit schuldig. „Mir fehlt der Weg von A nach B“, sagt Zuhörer Martin Osinski. Bloße Islam-Schelte werde dem Problem reaktionärer Koran-Interpretationen nicht gerecht. „Wir haben auch 2019 noch eine Weltreligion, die sich nicht dazu durchringen kann, Frauen als Priesterinnen zuzulassen, und die sich schwer tut mit dem Schutz von Kindern.“

Von Frauke Herweg

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