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Neuruppin Neue Schau: Fontane zum Anfassen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Neue Schau: Fontane zum Anfassen
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00:22 31.05.2019
Die Macher: Peter Pusch, Marco Leppin, Gerd-Uwe Masberg und Ulrich Gaebler (v.l.) in der historischen Apotheke.
Die Macher: Peter Pusch, Marco Leppin, Gerd-Uwe Masberg und Ulrich Gaebler (v.l.) in der historischen Apotheke. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Fontane zum Anfassen. Das war der Anspruch von Marco Leppin. Nichts gegen die zentrale Leitausstellung im Fontanejahr – aber er wollte gern noch eine andere Sicht auf den großen Sohn der Stadt zeigen. „Als Ergänzung“, sagt er. „Ich weiß ja inzwischen ganz gut, wie die Touristen ticken und was sie gern sehen.“ Als langjähriger Gastwirt des Klosterhofes ist der rührige Leppin ganz dicht dran an seinen Gästen.

Neben der Leitausstellung zum Fontanejahr im Museum Neuruppin gibt es jetzt auch „Fontane zum Anfassen“ in der Gaststätte Klosterhof. Neben Informationen zu Leben und Werk Fontanes ist dort auch Fontanes Arbeitszimmer neu entstanden.

Obschon die Idee einer Fontaneausstellung bereits 2017 durch seinen Kopf irrlichterte. „Das scheiterte an Nichtinteresse der Stadt“, erinnert er sich. Nichtsdestotrotz stand die Frage ein paar Monate später wieder im Raum, als sich erste Akteure auf Fontane.200 vorzubereiten begannen. Und als der bei Leppin seit sechs Jahren regelmäßig tagende Stammtisch Ruppiner Geschichte im Januar 2017 laut debattierte, was man denn im Fontanejahr machen könnte, rückte der Gastwirt mit seiner Idee heraus.

Der Stammtisch war von der Idee begeistert. „Peter Pusch hat ja einen Riesenfundus“, freut sich Marco Leppin. Der Stammtisch ist seinerseits erfreut, sein Wissen einbringen zu können. Und im Klosterhof mitten in der historischen Altstadt Neuruppins ein nicht nur großes und hübsch verwinkeltes sondern auch historisches Flair versprühendes Areal vorzufinden. „Ich Hardware – ihr Software“, hat Leppin den Hobbyhistorikern versprochen und sich daran gehalten.

Elf große Schautafeln im Klosterhof-Garten

September 2018 ging es ins Detail. Peter Pusch, Ulrich Gaebler, Gerd-Uwe Masberg und Ulrich Bredow haben elf großformatige Schautafeln geschaffen, die Leben, Werk, Orte und Zeit Fontanes beleuchten. Gespickt mit vielen Zitaten, reich illustriert mit Karten und historischen Ansichten stehen sie malerisch in die Botanik des Klosterhofgartens integriert: Über das Gymnasium und Fontanes Zeitgenossen, über Radensleben und derer zu Quast, über Karwe und Wustrau.

Eine zeigt die ganze Grafschaft Ruppin, über die Wanderungen und den Kriegsberichterstatter, über das Militär und eine mit seinen Lebensdaten. „Die wird am häufigsten fotografiert“, sagt Marco Leppin, der für Druck und Aufsteller sorgte. Im Mai wurde die Schau eröffnet und ist bereits auf reges Interesse gestoßen. „Einblicke in Fontanes kleine Welt“ steht auf dem Plakat vor dem Klosterhof.

Fontanes Arbeitszimmer als Kernstück

„Es soll eine Ergänzung zur Leitausstellung sein – keine Konkurrenz“, erklärt Marco Leppin. „Wir wussten ja, dass im Museum eher eine literaturwissenschaftliche Seite Fontanes gezeigt wird. Wir wollten die anderen Facetten beleuchten.“ Immerhin würde man im Museum auf seine Schau hinweisen, freut er sich.

Mit den Tafeln ist es indes nicht getan. Das Kernstück der Ausstellung ist Fontanes Arbeitszimmer – so wie es in seiner Berliner Wohnung eingerichtet war. Marco Leppin hat dafür gemeinsam mit einem Tischler und Helfern den Schreibtisch Fontanes nachgebaut: So wie er in historischen Quellen, etwa in einem Text von Fontanes Sohn Friedrich beschrieben ist. 32 Schubladen hat das prächtige Möbel – vorn 12, hinten 20. „Ein Apotheker-Schreibtisch halt“, so Leppin. Daneben ein Teetisch mit altem Kaffeeservice, als wäre der Dichter nur grade mal kurz aus dem Raum gegangen.

Aufwändiger Schreibtisch-Nachbau

Ein alter Vitrinenschrank mit Büchern, eine historische Lampe, Biedermeierstühle, ein gefältelter schwerer Vorhang am Fenster, ein Kleiderständer mit Mantel, Hut, Stock in schwarz – die Illusion ist perfekt. „Nur die Stehuhr passt nicht ganz“, sagt Leppin. Das hätten auch einige Besucher gemerkt. Denn an einer Wand hängt ein Bild, auf dem das Interieur den Originalzustand verrät.

Leppin hat auch eine originale Stifterplakette als Leihgabe erhalten, wie sie einst für 30 Reichsmark gekauft werden konnten, um den Bau des Fontanedenkmals zu finanzieren. Auch ein Fontanebild hängt an der Wand. „Das habe ich vom Polenmarkt – als ich gerade eine Figur für meinen Märchenwald abholen wollte“, erzählt der Sammler Leppin, der Jahr für Jahr im Advent einen Märchengarten für die Neuruppiner aufbaut und stetig erweitert.

Apotheke aus dem Jahr 1850

Er sei fasziniert gewesen vom Talent der Marktzeichnerin und habe ihr ein Fontane-Bildchen als Vorlage gegeben. „14 Tage später konnte ich das fertige Bild abholen“, sagt er schmunzelnd. 50 Euro habe der Spaß gekostet – Marco Leppin tut, was er tut, aus Spaß und Freude. Die komplette Ausstellung hat er aus eigener Tasche bezahlt. Refinanzierung über Tickets gibt es nicht – der Eintritt in die Ausstellung ist kostenlos. „Wir sammeln aber Spenden: Für den Neuruppiner Verschönerungsverein“, sagt Marco Leppin.

Zur Schau gehört auch eine nachgebildete Apotheke aus dem Jahr 1850 – immerhin war Fontane Apotheker. Für die Konzeption und die Exponate hat sich der Apotheker Helmut Behrendt engagiert, Zahnarzt Peter Birke hat die Gestaltung übernommen – eine filigrane, kunstfertige Zeichnung aus seiner Feder ist nur ein Beispiel.

Besuch der Ausstellung ist kostenlos

Schränke voller Glasphiolen, alte Waagen, ein Infundiergerät, die Kräuterpresse, Korkenzange, Pillenbrett. Alles wie damals – man kann sich gut vorstellen, wie Fontane einst gelebt und gearbeitet hat. „Der Irrigator sieht aus wie ein Folterwerkzeug“, sagt Peter Pusch und äugt irritiert.

Was den Ausstellungsmachern auch wichtig ist: Die Ausstellung in die alljährlichen Events des Klosterhofes zu integrieren. So wird es zu den Lichternächten und auch bei den Dixietagen kurze Fontane-Einblicke der Stammtischakteure geben: Peter Puschs Präsentation seines Fontane-Buches, ein Fontanevortrag von Ulrich Gaebler, einen Fontanefilm von Ulrich Bredow. Und wie versprochen: Eintritt frei.

Termine der Veranstaltungen im Klosterhof

Samstag, 29. Juni: Nacht der 1000 Lichter mit der Band Fifty up und der Buchpräsentation „Neuruppin und Fontane“

Freitag/Samstag, 19./20. Juli: Dixietage – und in der Pause spricht Ulrich Gaebler über Fontanes Aufenthalte in Neuruppin

Samstag, 31. August: Nacht der 1000 Lichter mit Filmpremiere – Ulrich Bredow zeigt „Ruppin und Fontane“

Samstag, 21. September: Nacht der 1000 Lichter und Finissage der Ausstellung „Fontane zum Anfassen“

Der Klosterhof ist in der Neuruppiner Poststraße 31. Die Ausstellung kann während der regulären Öffnungszeiten besichtigt werden: täglich außer Mittwoch von 11 bis 21 Uhr, Freitag und Samstag bis 23 Uhr

Der Eintritt für die Ausstellung und zur Nacht der 1000 Lichter ist frei. Für die Dixietage gibt es Tickets.

Von Regine Buddeke