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Neuruppin Ärger über Knöllchen für Ärzte
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Ärger über Knöllchen für Ärzte
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19:43 21.12.2018
Auch Ärzte, die im Dienst sind, bekommen in Neuruppin immer mal wieder ein Knöllchen verpasst.
Auch Ärzte, die im Dienst sind, bekommen in Neuruppin immer mal wieder ein Knöllchen verpasst. Quelle: DPA
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Neuruppin

Heftige Diskussionen unter Neuruppins Stadtverordneten gibt es derzeit, weil es immer wieder vorkommt, dass Politessen „Knöllchen“ an Autos von Ärzten verteilen, obwohl diese mit einem Schild „Arzt im Einsatz“ ausgewiesen sind. „Wenn ein Arzt gerufen wird, dann ist das ein Notfall“, sagt SPD-Frau Hannelore Gußmann.

Die langjährige Betriebsrätin in den Ruppiner Kliniken, die seit fast 20 Jahren ehrenamtlich als Schiedsfrau Streitfälle schlichtet, hat keinerlei Verständnis für die „bürokratischen Hürden“ des Neuruppiner Ordnungsamtes. Demnach müssen die Mediziner nachweisen, dass es sich bei ihrem Falschparken um Notfälle gehandelt hat. Dann müsste der Strafzettel nicht beglichen werden.

Kritik an zu wenig Parkflächen

Auch Siegfried Wittkopf (Linke) findet das Vorgehen des Ordnungsamtes „schlimm“ – zumal es in der Kreisstadt generell zu wenig Parkflächen gebe, kritisiert Wittkopf. Gleichwohl führe bislang kein Weg dahin, mehr Parkplätze auszuweisen. Der Abgeordnete weiß, wovon er spricht. Er bezahlt jeden Monat 30 Euro, damit er einen Anwohnerparkplatz nutzen kann. Doch von diesen Plätzen gebe es viel zu wenig, findet Wittkopf.

„Ich habe eine Pflicht zum Helfen, wenn mich ein Patient ruft“, betont Hartmut Wiegank. Der Allgemeinmediziner, der auch im Palliativdienst für sterbenskranke Menschen tätig ist, sieht in dem Vorgehen des Ordnungsamtes ebenfalls ein Problem. „Der Patient, der mich ruft, weiß nicht, ob seine Beschwerden lebensgefährlich sind.“ Selbst ein Arzt könne das erst bei der Untersuchung des Patienten vor Ort feststellen, so Wiegank.

Schilder „Arzt im Dienst“ gibt es auch im Internet

Der Neuruppiner hat ein Schild „Arzt im Dienst“ von der Brandenburger Ärztekammer im Auto. Die Kammer prüft, wer so ein Schild bekommen darf. Das Problem: Inzwischen kann sich jeder so ein ähnliches Schild auch über das Internet bestellen und damit sein Falschparken kaschieren. Für Politessen ist kaum ein Unterschied erkennbar.

Auch deshalb gelte, dass die Schilder nur bei Noteinsätzen genutzt werden dürfen, sagt Katrin Menz aus der Rechtsabteilung der Landesärztekammer Brandenburg. Soll heißen: Die Ärzte müssen das „Knöllchen“ bezahlen, wenn es sich lediglich um den Hausbesuch eines Patienten gehandelt hat, der nicht ernstlich erkrankt ist.

Berlin scheint kulanter zu sein

In Berlin dürfte die Parkplatzsituation keinesfalls besser als in Neuruppin sein, dennoch sei das „Knöllchen-Thema für Ärzte“ in der Hauptstadt als Problem nicht bekannt, sagt Sascha Rudat von der Berliner Ärztekammer. „Hier scheint das etwas kulanter zu sein.“ Demnach gebe es normalerweise keine Knöllchen für Arzt-Autos – selbst wenn diese in der zweiten Reihe parken.

„Ich bin nicht zum Vergnügen unterwegs, sondern weil Patienten auch schnell mal abkippen können“, sagt Hausarzt Wiegank. Er hatte erst vor Kurzem ein Knöllchen an seinem Auto. Der Arzt war gerufen worden, weil ein Patient drohte, sich aus dem Fenster zu stürzen.

Von Andreas Vogel