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Neuruppin Das geplante Dorfmuseum steht vor dem Aus
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19:25 21.12.2018
Das alte Feuerwehrhaus von Wulkow dient derzeit als Garage für zwei Rasentraktoren.
Das alte Feuerwehrhaus von Wulkow dient derzeit als Garage für zwei Rasentraktoren. Quelle:  
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Wulkow

Bernd Meyer zu Hücker (72) ist schwer enttäuscht. Schon seit Langem trug der Ortschronist von Wulkow die Idee mit sich herum, im alten Feuerwehrhaus Wulkow ein Dorfmuseum entstehen zu lassen. „Eine Plattform für die Geschichte der Neuruppiner Ortsteile gibt es im städtischen Museum leider nicht“, bedauert zu Hücker. Ein Dorfmuseum könnte diese Lücke füllen.

Ein Container auf eigene Kosten?

Doch aus der Idee des Ortschronisten wird wohl nichts. Die Stadt hat den Antrag zum Kauf oder Pacht des alten Spritzenhauses, den von zu Hücker vor gut einem Jahr gestellt hat, jetzt abgelehnt. Dem Antrag könne nicht entsprochen werden, da in dem Gebäude zwei Rasentraktoren des Heimatvereines untergebracht seien, die dieser für die Grünflächenpflege benötige, heißt es. Und eine andere Unterstellmöglichkeit für die zwei Rasentraktoren sehen weder der Heimatverein noch der Ortsbeirat.

Der Beirat hatte zu Hücker stattdessen vorgeschlagen, auf seine Kosten einen etwa 1000 Euro teuren Schiffscontainer neben das Dorfgemeinschaftshaus zu stellen und die Exponate dort unterzubringen.

Gutshaus mit großer Geschichte

Zu den geplanten Ausstellungsstücken für das Dorfmuseum gehören viele Urkunden und Fotos sowie auch das Modell des alten Gutshauses. Das einst imposante Gebäude war um 1650 errichtet und 2009 von der Berlin-Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) abgerissen worden – obwohl das Haus eine große Geschichte hatte: Ab 1724 wohnte dort Heinrich Anhalt, der Bürgermeister zu Ruppin. Später auch Landrat Friedrich Wilhelm von Schenkendorf sowie Ernst Enno Russell, der stellvertretende Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Doch die russische Armee hatte das Haus fast 50 Jahre in Beschlag genommen und nichts für seinen Erhalt getan.

Statt Geld für einen Container auszugeben, würde zu Hücker dieses lieber in das Dorfmuseum im alten Spritzenhaus stecken. Auch an diesem Gemäuer nagt seit Jahren der Zahn der Zeit. Die Neuruppiner Stadtverwaltung habe für den Erhalt des denkmalgeschützten Hauses keinen Finger krumm gemacht und auch nichts investiert, sagt zu Hücker und verweist auf defekte Dachsteine, die vom Sturm abgerissene Abdeckung des Schlauchturmes und den morschen Schornsteinfegertritt.

Ortschef nicht glücklich über die Situation

„Die Stadt hätte die Gelegenheit gehabt, sich dieser Problematik zu entledigen, wobei zugleich ein Vorzeigeprojekt für die Ortsteile entstanden wäre“, sagt der Ortschronist, der bereits die 460 Seiten umfassende „Chronik der Gemeinde Wulkow“ geschaffen hat. Stattdessen sei angeblich keine andere Möglichkeit gefunden worden, als die Rasentraktoren im alten Feuerwehrgerätehaus unterzubringen.

Auch Wulkows Ortsvorsteher Sven Deter (CDU) ist über diese Situation nicht glücklich. Insgeheim hatte Deter wohl gehofft, dass die zwei Rasentraktoren in der Garage am Dorfgemeinschaftshaus untergebracht werden können. Dort steht derzeit das Auto der Wulkower Feuerwehr. Denn geplant ist, dass die Wulkower Wehr in die neue Feuerwache in Alt Ruppin einzieht, die derzeit gebaut wird. Aber derzeit ist noch völlig offen, wann es so weit ist – auch weil sich die Wulkower Wehr gegen ein Zusammenlegen mit der in Alt Ruppin wehrt.

Doch Bernd Meyer zu Hücker will nicht warten, bis vielleicht in zwei, drei Jahren die Feuerwehr aus dem Dorfgemeinschaftshaus auszieht. „Dann bin ich 75, dann habe ich keine Lust mehr.“ Hinzu komme, dass er jetzt Sponsoren an der Hand habe, die bei der Finanzierung der notwendigen Arbeiten am alten Spritzenhaus Unterstützung zugesagt haben. Ob diese Zusage auch noch in zwei, drei Jahre gelte, das sei völlig unklar.

Von Andreas Vogel