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Neuruppin „Das sind bestimmt dreimal so viele Wölfe“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin „Das sind bestimmt dreimal so viele Wölfe“
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18:50 09.01.2020
Junge Wölfe im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Die Paarungszeit der geschützten Tiere beginnt meist Ende Januar. Quelle: Robert Franck
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Neuruppin

Trotz einer Neuregelung des Bundesnaturschutzgesetzes im Dezember, wonach nun nach Rissen von Rindern, Schafen und anderen Nutztieren nicht nur einzelne Wölfe, sondern auch Rudel gejagt werden dürfen, will das Land Brandenburg seine Wolfsverordnung nicht ändern.

„Es ist weiterhin eine Einzelfallentscheidung zum Schießen von Wölfen“, sagte am Donnerstag Frauke Zelt, Sprecherin des Potsdamer Umweltministeriums. Generell gelte, dass der Wolf nicht gejagt werden dürfe, weil es sich um eine streng geschützte Tierart handele.

Regelung soll geprüft werden

Man werde aber die neuen gesetzlichen Regelungen „sorgfältig prüfen“, ob die Brandenburgische Wolfsverordnung angepasst werden müsse, so die Sprecherin.

Sven Deter würde einen besseren Schutz seiner Tiere begrüßen. Der Landwirt aus Wulkow ist Chef des Kreisbauernverbandes in Ostprignitz-Ruppin – der Landkreis hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der Regionen entwickelt, wo sich Wölfe offenbar wohl fühlen.

Wölfe – hier in der Kyritz-Ruppiner Heide. Quelle: Robert Franck

Laut dem Rheinsberger Wolfsbeauftragten Robert Franck leben aktuell in der Region etwa 20 Wölfe, davon ein Rudel mit zehn Tieren allein in der Kyritz-Ruppiner Heide sowie sechs in der Rüthnicker Heide, drei in der Wittstocker Heide und zwei bei Fristow zwischen Neuruppin und Rheinsberg.

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Deter traut weder den Wölfen noch den Zahlen. „Das sind bestimmt dreimal so viele Wölfe.“ Der Kreisbauernchef, der in Wulkow einen Landwirtschaftsbetrieb mit 80 Muttertieren samt Nachzucht betreibt, das sind insgesamt etwa 200 Tiere, lässt deshalb bereits seit Jahren seine Kühe nicht mehr auf der Weide abkalben.

Rinder bleiben im Stall

Vielmehr bleiben die Rinder solange im Stall, bis sie ihren Nachwuchs geboren haben, „um den Wolf gar nicht erst anzulocken“. Vermutlich deshalb habe er noch kein Rind durch einen Wolfsriss verloren, sagte Deter. „Die Wölfe sind eine permanente Gefahr.“

Wolfsspur im Schnee. Quelle: Robert Franck

Den Landwirt ärgert, dass dies von vielen offenbar nicht erkannt wird. „Wir leben in täglicher Angst um unsere Tiere.“ Dabei werde schon jetzt von den Betrieben, die Tiere halten, nur ein Bruchteil dessen produziert, was im Land eigentlich gebraucht werde. Der Rest werde importiert, so Deter. Die Tierhaltung verteuere sich allein dadurch, weil der Wolf inzwischen in Brandenburg wieder lebe. Die Versicherungen steigen, spezielle Schutzzäune müssten angeschafft werden, so der Kreisbauernchef. „Aber diese Kosten sieht kaum einer.“

Landwirt plädiert für Abschüsse

Deter hat sich deshalb mehrfach dafür ausgesprochen, dass Wölfe regelmäßig bejagt werden dürfen. Doch das lässt selbst das überarbeitete Bundesnaturschutzgesetz nicht zu. Demnach können in der heimgesuchten Gegend lediglich so lange Wölfe geschossen werden, bis es keine Attacken mehr auf Nutztiere gibt. Ansonsten steht der Wolf unter Schutz.

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Das Landesumweltamt hat 2018 in Ostprignitz-Ruppin neun Übergriffe mit 20 toten Nutztieren registriert, bei denen nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Wolf oder mehrere Wölfe aktiv waren. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl. Da wurden 13 Übergriffe mit 33 getöteten Nutztieren gezählt.

Von Andreas Vogel

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