Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Neues Medizinstudium: Landrat ist sauer auf das Land
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Neues Medizinstudium: Landrat ist sauer auf das Land
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:24 28.04.2019
Das Medizinstudium an der MHB war von Anfang an sehr praxisnah organisiert. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Diese Nachricht sorgt für Wirbel in Neuruppin und Brandenburg an der Havel: Die kommunale Medizinische Hochschule soll nun doch staatliche Konkurrenz bekommen. Das Land Brandenburg will ein eigenes Medizinstudium aufbauen.

An der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) könnten junge Leute schon bald kostenfrei Medizin studieren – während sie in Neuruppin für ihr Studium weiter teuer bezahlen müssen.

Das Land wollte lange kein eigenes Medizinstudium

Jahrelang hatten die Ruppiner Klinken und das Städtische Klinikum Brandenburg dafür gekämpft, dass auch das Land Brandenburg eigene Ärzte ausbildet, um den großen Bedarf an den Krankenhäusern und vor allem in den ländlichen Orten decken zu können.

Weil die Landesregierung das nicht für nötig hielt, haben Neuruppin, der Kreis Ostprignitz-Ruppin und Brandenburg an der Havel schließlich 2014 eine eigene Hochschule gegründet. Nach wie vor muss die weitestgehend ohne Zuschüsse des Landes auskommen. Fällt die Landesregierung der MHB jetzt in den Rücken?

Die MHB fordert Gleichbehandlung

Eric Hoffmann, der Sprecher der MHB, sieht das gelassen. „Wir finden es toll, was das Land jetzt plant“, sagt er. eric Hoffmann wurde gestern von den Plänen für ein eigenes Medizinstudium in Cottbus überrascht. Konkurrenz für die MHB sieht er nicht: „Im Gegenteil: Wir finden es gut, dass das Land jetzt selbst einräumt, wie dringend ein Medizinstudium in Brandenburg nötig ist.“

Das Land selbst hofft bei der Finanzierung seiner Ärzteausbildung auf etliche Millionen vom Bund. Auch das findet Eric Hoffmann völlig in Ordnung. „Fairerweise“ müsste sich die Landesregierung „im Interesse der Gleichbehandlung“ dann aber auch am Studium der MHB beteiligen, sagt er.

Das Land hilft bisher nur indirekt

Zwar bekommt die MHB aus Potsdam rein formal einen Zuschuss für vier Professorenstellen. Doch dieses Geld fließt an den sogenannten Gesundheitscampus.

Diesen Verbund aus MHB, BTU und Universität Potsdam hatte die Landesregierung ins Leben gerufen. Um das Geld für die Professoren zu bekommen, soll die MHB ein neues Institut für Gesundheitsmanagement schaffen. „Das hat mit dem Medizinstudium gar nichts zu tun“, sagt Eric Hoffmann.

Landrat und Bürgermeister sind verärgert

Dass das Land mehr Geld für die MHB geben muss fordert auch Ostprignitz-Ruppins Landrat Ralf Reinhard. Er sieht nach der gestrigen Ankündigung des Landes „erheblichen Gesprächsbedarf“. Brandenburgs Oberbürgermeister Steffen Scheller wird noch klarer: „Die jetzigen Verlautbarungen erwecken den Eindruck, dass die Landesregierung die jahrelangen erheblichen kommunalen Anstrengungen zur Sicherung der Ärzteversorgung im Land Brandenburg nicht ausreichend würdigt“, sagt er.

Studium an der MHB

Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) bietet ein besonders praxisnahes Studium der Humanmedizin und ein Studium der Psychologe an.

Die Ausbildung der Medizinstudenten findet anfangs in Neuruppin statt, später in Brandenburg an der Havel und in rund 20 anderen Krankenhäusern und 100 Arztpraxen, die mit der MHB zusammenarbeiten.

Zurzeit hat die Hochschule 235 Medizinstudenten und 175 Studenten der Psychologie. Die ersten Mediziner werden 2021 ihr Studium beenden.

„Die jetzige Überlegung erweckt stattdessen den Eindruck eines kurzfristigen politischen Manövers unmittelbar vor der Landtagswahl“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde, Landrat Ralf Reinhardt und Oberbürgermeister Steffen Scheller.

Ministerpräsident Woidke: MHB soll keine Nachteile haben

„Dieses Projekt im Süden des Landes wird nicht zum Nachteil der bestehenden MHB in Neuruppin und Brandenburg an der Havel sein“, versicherte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke am Donnerstag: „Vielmehr soll alles ineinander greifen im Interesse der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Dafür bauen wir eine vernetzte Struktur auf.“

Auch die SPD Ostprignitz-Ruppin erwartet mehr Geld aus Potsdam für die kommunale Hochschule. Nötig sei „eine angemessene öffentliche Finanzierung durch das Land“, heißt es in einem Papier, das Ulrike Liedtke als Chefin der SPD im Landkreis und Ina Muhß als Vorsitzende der Kreistagsfraktion unterschrieben wurde.

CDU sieht Gefahr für die Städte Neuruppin und Brandenburg

CDU-Kreischef Jan Redmann sieht durch die Ankündigung des Landes die weitere Entwicklung der MHB in Gefahr: „Dies ist nicht hinnehmbar und schwächt die Standorte Neuruppin und Brandenburg an der Havel massiv.“

Der Chef der Staatskanzlei, Martin Gorholt, hat sich am Donnerstag in Neuruppin gemeldet, um Ralf Reinhardt zu versichern, dass das Land die MHB damit nicht fallen lasse. Zufrieden ist der Landrat damit aber nicht. „Es reicht nicht, dass die Pläne des Landes nicht zum Nachteil der MHB sein sollen“, sagt er. „Wir erwarten, dass die MHB genauso behandelt wird wie Cottbus.“

Von Reyk Grunow

Eine Gruppe von Graffiti-Schmierern konnte am späten Dienstagabend zwar noch in letzter Minute vor der Polizei fliehen. Einer der vier Tatverdächtigen ging den Beamten kurz darauf aber zufällig ins Netz.

24.04.2019

Eine stark alkoholisierte Frau hat am Dienstagnachmittag eine Radlerin zu Fall gebracht. Die betrunkene Frau verletzte sich und musste im Krankenhaus behandelt werden.

24.04.2019

Ob die Molchowbrücke noch in diesem Sommer fertig wird, scheint ungewiss. Derzeit ruht der Bau in dem Neuruppiner Ortsteil. Die beiden Widerlager aus Beton sind fertig, jetzt gibt es erst einmal eine Unterbrechung.

27.04.2019