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Neuruppin Wohnen auf dem alten Flugplatz: Wie gefährlich ist das?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wohnen auf dem alten Flugplatz: Wie gefährlich ist das?
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17:03 11.01.2020
Schilder warnen davor, die Flächen des ehemaligen Flugplatzes zu betreten. Bei einem Großteil des Areals weiß niemand, welche Gefahren dort noch lauern. Der Platz wurde 1945 mehrfach bombardiert. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Die Stadt Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) braucht nach einer neuen Studie in den nächsten Jahren hunderte neue Wohnungen. Doch bisher weiß niemand, ob die Fläche, die dafür vorgesehen ist, überhaupt bebaut werden kann. Die Untersuchung des Areals auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes ist offenbar aufwendiger als zunächst angenommen.

Das Büro ALP aus Hamburg hat im Auftrag der Stadtverwaltung untersucht, wie sich der Wohnungsmarkt in Neuruppin in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die Planer kommen zu dem Schluss, dass in der Fontanestadt bis zum Jahr 2035 bis zu 1300 neue Wohnungen gebraucht werden, Einfamilienhäuser ebenso wie Mietwohnungen.

Demnach müssten deutlich mehr Wohnungen gebaut werden, als bisher vorgesehen war. Die Stadtverwaltung versucht deshalb Flächen, die sie perspektivisch für Wohngebiete vorgesehen hatte, schnell zu entwickeln.

Aus der Luft sieht das Gelände nördlich der Stadt harmlos aus. Die einstige Landebahn und viele Gebäude wurden in den 90er Jahren abgerissen. Was noch im Boden liegt, ist weitgehend unbekannt. Niemand kann sagen, welche Bombenblindgänger aus den Kriegsjahren entschärft wurden. Quelle: Peter Geisler

Am östlichen Rand des alten Flugplatzes hat sich Neuruppin zwischen Hans-Grade-Straße und Bad-Kreuznach-Ring entlang der Wittstocker Allee eine Fläche für ein Wohngebiet reserviert. Laut Bauamt könnten dort bis zu 150 Wohnungen entstehen. Vorausgesetzt, das Areal lässt sich überhaupt bebauen, was bisher noch niemand sicher weiß.

Klar ist: Als die russische Armee Mitte der 90er Jahre abzog und das Areal frei gab, entdeckten Fachleute alle möglichen Altlasten im Boden und im Grundwasser. Von vielen Stoffen nahm man damals an, dass sie im Laufe der Zeit von Bakterien abgebaut werden. Ob das geklappt hat, ist nicht klar.

Wann immer kleinere Flächen untersucht wurden – etwa für das Gewerbegebiet, das dort vor Jahren entstand – wurde jede Menge Munitionsschrott entdeckt. Auch Bomben waren darunter. Quelle: Peter Geisler

Ein Teil der Flugplatzflächen rund um die sogenannte Lilienthalsiedlung gehört der Brandenburgischen Boden-Gesellschaft (BBG), einer Tochterfirma des Landes Brandenburg. Andere Flächen liegen im Eigentum der Stadt. BBG und Stadt haben 2019 eine Studie in Auftrag gegeben, um zu klären, mit welchem Aufwand dort gebaut werden könnte.

Die ersten Ergebnisse klingen zunächst einmal beruhigend. „Die orientierende Untersuchung ist soweit abgeschlossen und hat ergeben, dass von den untersuchten Flächen keine unmittelbare Gefährdung ausgeht“, sagt Neuruppins Stadtsprecherin Michaela Ott.

Überall liegt eine Schicht von Bauschutt

Bei der Prüfung sei festgestellt worden, dass auf der gesamten Fläche Bauschutt liegt. In einem weiteren Schritt soll nun geprüft werden, welche Art von Schutt das ist und ob er zum Beispiel als normaler Abfall entsorgt werden kann oder ob es sich eher um gefährlichen Sondermüll handelt. Bis Februar soll darüber Klarheit herrschen. Erst danach kann abgeschätzt werden, wie teuer es werden könnte, die Flächen so zu sanieren, dass dort Wohngebäude gebaut werden dürfen.

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes will sich zurzeit noch gar nicht äußeren, ob auf der Fläche möglicherweise Bomben, Granaten oder andere Munition aus dem Zweiten Weltkrieg oder den Jahrzehnten danach vermutet werden.

Die Flächen neben der sogenannten Lilienthalsiedlung könnten als Bauland infrage kommen. Quelle: Peter Geisler

Vieles deutet darauf hin, dass dort noch jede Menge gefährlicher Munitionsschrott im Boden liegen könnte. Der Flugplatz der deutschen Luftwaffe in Neuruppin war eine der zentralen Ziele der alliierten Flieger, die 1945 hunderte Bomben über Neuruppin abwarfen. Auf den Flächen entlang der Wittstocker Allee könnten noch heute etliche Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Eine flächendeckende Suche hat es bis heute nicht gegeben. auch, weil sie nicht bezahlbar schien.

Die dicke Schicht aus Bauschutt macht eine Munitionssuche bisher schwer möglich, sagt Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Der Schutt und die darin vergrabenen Metallteile stören die Sensoren, die benutzt werden, um Bomben und andere Metallkörper im Boden aufzuspüren.

Eine verlässliche Aussage, wie stark die Flächen möglicherweise mit Munition belastet sind, wagt der Kampfmittelbeseitigungsdienst derzeit nicht.

Von Reyk Grunow

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