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Neuruppin Das sind die fahrradfreundlichen Kommunen in der Region
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Das sind die fahrradfreundlichen Kommunen in der Region
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10:02 30.03.2019
Neuruppin bietet vielerorts schon ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz, um die wichtigsten Ziele in der Stadt zu verbinden. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin/Perleberg

Allein schon fünf Kilometer Radfahren spart 0,92 Kilogramm Kohlenstoffdioxid ein und 1,80 Euro Fahrtkosten. Errechnet bei einem Verbrauch von 7,9 Liter Benzin je 100 Kilometer, was der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch in Deutschland ist. Das Beispiel passt auf einen Neuruppiner ziemlich gut. Über 80 Prozent der Einwohner leben in einem Fünf-Kilometer-Radius, den Schulplatz als Mittelpunkt genommen, sagt Jan Juraschek.

„Die Förderung dieser Nahmobilität bietet also gute Potenziale für eine nachhaltige und ökologische Stadtentwicklung“, sagt der Neuruppiner Sachgebietsleiter für Stadtplanung im Amt für Stadtentwicklung. „Eine kompakte Stadtstruktur, die flache Topographie und eine gute Fahrradinfrastruktur bieten ideale Voraussetzungen, sich in Neuruppin per Rad fortzubewegen.“

Zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen

Juraschek ist zugleich in Neuruppin auch Ansprechpartner für die brandenburgische Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen, kurz AGFK. Vor vier Jahren schlossen sich Städte und Landkreise im Bundesland zu dieser zusammen. 18 Mitglieder, Kommunen wie Landkreise, zählt die Institution im Moment, darunter Neuruppin auch Perleberg.

Ihr gemeinsames Ziel erklärt Brandenburgs Staatssekretärin Ines Jesse: „Unsere Radverkehrsstrategie soll die umweltfreundliche Nahmobilität fördern und mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen.“ Engagierte Kommunen vernetzen sich und tauschen sich über Erfahrungen und Defizite aus, um den Radverkehr in ganz Brandenburg zu fördern und gemeinsame Aktionen umzusetzen.

Immerhin wurden in den vergangenen fünf Jahren 45 Millionen Euro brandenburgweit für Fortbestand und Neubau von Radwegen ausgegeben. „Zusätzlich hat das Ministerium für Wirtschaft und Energie 27 Millionen Euro seit 2015 in den Erhalt von 25 touristischen Radwegen investiert“, so Jesse. Die Wege gilt es, zu nutzen und allgemein für das Radfahren zu werben. Damit sich der Anteil des Fahrradverkehrs am Gesamtaufkommen erhöht.

Mit gutem Beispiel voran und 18 Kilometer per Rad

Mit gutem Beispiel gehen die AGFK-Mitglieder dabei selber voran, erzählt Robert Kazmierczak, der bei der Stadt Perleberg für Verkehrsangelegenheiten zuständig ist. „Letztes Jahr haben wir als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen beim Stadtradeln mitgemacht.“ Natürlich sei er auch selber geradelt. „18 Kilometer brauche ich zur Arbeit. In der ersten Woche hat das weh getan, aber dann ging es. Ich habe mich gefragt, warum machst du das im Sommer nicht einfach immer?“

Insgesamt 300 000 Radelnde in 886 Kommunen hatten 2018 an 21 Tagen fast 60 Millionen Kilometer in die Pedale getreten für ein gutes Klima. „Wir als kleine Stadt Perleberg haben dabei gut abgeschnitten“, freut sich Kazmierczak noch immer und findet: „Wir müssen der Umwelt zuliebe einfach umdenken. Daher fördern wir, dass das Rad mehr genutzt wird.“

Zugleich kritisiert er noch die Akzeptanz für Radfahrer und die unter allen Verkehrsteilnehmern. Autofahrer hätten noch Probleme mit Radlern. „Aber auch zwischen diesen und Passanten beobachte ich Unstimmigkeiten. Immer das schwächere Glied in der Kette wird nicht akzeptiert.“ Was wiederum die Sicherheit auf den Straßen gefährden könnte.

Verkehrssicherheit mit wichtigstes Thema

„Die Verkehrssicherheit sind neben dem Ausbau der Radverkehrsanlagen unser wichtigstes Thema“, sagt Annett Jura, Bürgermeisterin von Perleberg und Vorsitzende der AGFK. Und ihr Kollege Robert Kazmierczak erklärt: „Auf Veranstaltungen machen wir uns für Verkehrssicherheit stark. Daher sind wir wieder bei der Tour de Prignitz vom 16. bis 19. Mai vertreten und auch mit einem Stand bei den Tagen der Sichtbarkeit vom 22. bis 24. Oktober.“

Das Rad zur Arbeit zu nehmen anstelle das Auto, zahlt sich in der Stadt aus. Quelle: dpa

Als ein großes Problem für den Radverkehr sieht wiederum Arne Krohn das historische Pflaster in vielen Städten Brandenburgs. Der Neuruppiner Baudezernent legt selbst viele Strecken in der Fontanestadt mit seinem Fahrrad zurück. „Wir haben in der Kernstadt mit Seeviertel und Wallviertel zwei verschiedene Arten von Straßengestaltungen. Einmal haben wir auf Bordsteine verzichtet, um mittelalterlichen Charakter zu simulieren wie in der Fischbänkenstraße oder Siechenstraße. Mein Arbeitsweg führt über diese.“

Es seien verkehrsberuhigte Bereiche, Wohngebiete mit Tempo-30-Zonen, aber dafür hätte man mit Pflastersteinen und Holperstellen zu kämpfen. „In anderen Straßen gibt es Granitband, auf dem man relativ gut fährt. Allerdings sind manche Bereiche eng. Das wird zum Problem, wenn einem andere Radfahrer begegnen oder aber Fußgänger.“

Problem: Enge Straße und Kopfsteinpflaster

Auch Perleberg hat eine historische Innenstadt mit engen Straßen und holprigem Kopfsteinpflaster, das nicht unbedingt komfortabel zu fahren ist. „Manche Gehwege dürfen Radfahrer daher offiziell nutzen“, sagt Robert Kazmierczak von der Stadtverwaltung, „das haben wir bei der Verkehrsbehörde des Landkreises Prignitz beantragt. Aber Radfahrer müssen sich untergeordnet verhalten. Sprich wenn Fußgänger entgegenkommen, müssen sie absteigen und schieben.“

In den Neubaugebieten von Neuruppin wiederum hätte die Stadt in den letzten Jahren schon viel getan, sagt Jan Juraschek, Sachgebietsleiter für Stadtplanung: „Mit der Einrichtung von Radfahrstreifen in der Heinrich-Rau-Straße sowie der überwiegenden Freigabe von Einbahnstraßen für den Radverkehr sind weitere Verbesserungen geschaffen worden.“

Und es wird in und um Neuruppin noch mehr passieren. „Mit dem Stadtentwicklungskonzept „Neuruppin-Strategie 2030“ hat sich die Fontanestadt das Ziel gesetzt, die umweltfreundlichen Verkehre zu fördern“, so Juraschek. Ein Schwerpunkt sei der Radverkehr.

Geplante Vorhaben in 2019

Allein dieses Jahr soll die Radweglücke in Wuthenow zwischen Ortseingang (aus Gnewikow kommend) und Landesstraße L167 geschlossen, in Molchow die Rad- und Fußgängerbrücke fertiggestellt und zwischen Neumühle und der Molchowbrücke der Radweg saniert werden. Aktuell würde eine Studie zur Förderung der umweltfreundlichen Verkehre für die Karl-Marx-Straße erarbeitet, berichtet Juraschek: „Neben der Förderung des Fuß- und Busverkehrs werden auch Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen für den Radverkehr entwickelt.“

Baudezernent Arne Krohn befürwortet das, kritisiert er doch selber die Gegebenheiten in der Karl-Marx-Straße: „Wenn auf dem angebotenen Streifen Autos draufstehen, nutzt er einem gar nichts.“ Eine attraktive Alternative für Radfahrer sei allerdings der Weg an der Stadtmauer entlang. „Dieser ist jetzt komplett fertig.“

Kürzlich tagte in Potsdam der Beirat der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen, zu dem unter anderem der ADAC und Tourismus-Marketing Brandenburg (TMB) gehören, erzählt Juraschek: „Wir haben uns darauf verständigt, das Thema Verkehrssicherheit stärker in den Fokus zu setzen.“

Beim siebten Ruppiner Fahrradtag dabei

Perleberg in der Prignitz nimmt dafür im Oktober wie gesagt wieder an den „Tagen der Sichtbarkeit“ teil. Neuruppin in Ostprignitz-Ruppin ist am 18. Mai beim siebten Ruppiner Fahrradtag mit einem Informationsstand zur städtischen Radverkehrsförderung vertreten und bietet zwei „Bike-Safaris“ an. Um noch mehr Bewohner zu animieren, künftig das Auto stehen zu lassen und der Umwelt und dem Geldbeutel zuliebe, aufs Rad umzusteigen.

Mehr Infos zur AGFK und den geplanten Aktionen unter www.agfk-brandenburg.de.

Von Anja Reinbothe

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