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Neuruppin Bewährungsstrafe für Cannabisplantagenbesitzer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Bewährungsstrafe für Cannabisplantagenbesitzer
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00:25 24.02.2019
Ein 55-Jähriger musste sich wegen Drogenbesitzes vor dem Neuruppiner Amtsgericht verantworten. Quelle: dpa
Neuruppin

Es war wohl im Februar 2015 das beherrschende Thema in einem Fehrbelliner Ortsteil, als ein Grundstück von der Polizei durchsucht wurde und ein Hubschrauber über dem Dorf kreiste. Daran konnte sich der 55-Jährige noch gut erinnern. Die Polizei wurde fündig: Sie entdeckte in seinem Schuppen eine professionelle Cannabisplantage mit 268 Pflanzen in verschiedenen Wachstumsstadien. Die Beamten stellten vier Kilogramm Drogen sicher. Der Wirkstoffgehalt lag weit über dem Grenzwert der geringen Menge.

Bewährung für geständigen Angeklagten

Wegen des Besitzes und des Herstellens von Drogen wurde der 55-Jährige nun vom Neuruppiner Amtsgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das Verfahren gegen seine mitangeklagte Lebensgefährtin wurde gegen Zahlung einer Geldbuße von 180 Euro an die Staatskasse eingestellt.

Der Angeklagte hatte die junge Mutter von Beginn an entlastet. Sie habe von dem Drogenanbau nichts gewusst und nichts damit zu tun gehabt, versicherte er bereits bei der Durchsuchungsmaßnahme der Polizei. Dass sie an jenem Tag noch zu Hause war, sei reiner Zufall gewesen: Sie hatte verschlafen, sonst wäre sie bereits auf dem Weg zu ihrer Arbeitsstelle gewesen.

Drogen angebaut zu medizinischen Zwecken

Wortreich erklärte der Angeklagte vor Gericht, wie es zum Drogenanbau auf dem Grundstück seiner Mutter kam. Demnach leidet er seit Jahren an einer rheumatischen, äußerst schmerzhaften Erkrankung. Nichts half.

Medikamente, die seine Beschwerden linderten, verschlimmerten seine anderen Krankheiten wie Osteoporose. Da habe ihm jemand den Tipp gegeben, es mal mit Cannabis zu versuchen. Der Wirkstoff hätte medizinische Wirkung und würde auch vom Arzt verschrieben werden. Ein Rezept bekäme er sofort, müsste aber pro Gramm 26 Euro zahlen, weil die Krankenkasse die Kosten nicht übernehme, sagte der von Hartz-IV-Bezügen lebende Mann.

Aus diesem Grund habe er angebaut – nur zum Eigenverbrauch. Sein einziges Problem sei, dass er seine Lebenspartnerin da mit rein gezogen habe. „Das tut mir sehr leid.“ Ihr habe er erzählt, er baue Gemüse an. Stattdessen brachte er dann die vermeintliche Ernte vom Supermarkt mit nach Hause.

Umschläge und Salben

Befragt zu der großen Menge an Cannabis sagte er, dass er nicht nur rauchen, sondern auch Umschläge machen und Salben daraus herstellen wollte. „Man muss die Sorte finden, die zu einem passt“, meinte er. Das sei mit viel Vorbereitung verbunden gewesen. Doch „der Erfolg war mir nicht vergönnt“. Er wollte die Zucht nach der ersten Ernte einstellen. Dazu kam es nicht mehr.

Der Angeklagte habe sich falsch entschieden, so das Gericht. Es gebe legale Wege, an Cannabis zu kommen. Er habe die günstigere Variante gewählt, nämlich es selbst herzustellen – und das mit viel Sachverstand. Weil er finanziell nicht auf Rosen gebettet war und ist.

Es sprach mehr für als gegen den Angeklagten

Gegen ihn sprach aus Sicht des Gerichts, dass es sich um eine große Menge an Drogen handelte. „Das ist schon eine Hausnummer.“ Doch was für den Angeklagten sprach, überwog. Das Cannabis gelangte nicht in den Umlauf. Der Angeklagte hat es nicht für sich nutzen können. Er wollte nichts gewinnbringend verkaufen, sondern nur seine Schmerzen lindern. Er ist nicht vorbestraft und weder vor noch nach der Durchsuchung strafrechtlich in Erscheinung getreten. Deshalb ging das Gericht von einem minder schweren Fall aus.

Das Gericht legte ihm noch eine Geldbuße von 180 Euro auf. Das Urteil wurde sofort rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und der Angeklagte verzichteten darauf, gegen das Urteil vorzugehen.

Von Dagmar Simons

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