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Neuruppin Ein Mann und sein Garten
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18:41 12.12.2018
Josef Langhans an einem seiner Apfelbäume. Er zeigt auf eine Veredelungsstelle. Mithilfe der Methode kann er an diesem Baum jedes Jahr neun verschiedene Apfelsorten ernten. Quelle: FOTOS (3): Annika Jensen
Neuruppin

Neun Apfelsorten an einem Baum. Und davon zwei. Blattlos und vom Regen nass stehen sie in einer kleinen Gartenparzelle in den Schillergärten. An ihren Ästen hängen kleine bunte Papierschnipsel, die im Wind vor- und zurückschwingen. In jedem Jahr tragen die Bäume zahllose Äpfel an ihren Ästen.

Quelle: Literweise Apfelsaft: Dafür bringt Josef Langhans seine Pfel zur Mosterei. Quelle: Annika Jensen

Die beiden Bäume sind der ganze Stolz von Josef Langhans, 82. Der Neuruppiner hat aber noch eine Menge mehr, auf das er in seinem 220 Quadratmeter großen Garten stolz ist. Ach was, der ganze Garten macht ihn stolz. Der ehemalige Abteilungsleiter in den elektrophysikalischen Werken ist heute leidenschaftlicher Kleingärtner. Im Sommer fährt er fast jeden Tag in seine Parzelle. Vier Kilometer liegt sie von seinem Zuhause entfernt. „Ach, im Sommer fahre ich viel lieber mit dem Fahrrad zum Garten“, sagt er. „Dann bin ich fast genauso schnell da wie mit dem Auto.“

Ein Garten, tief im Winterschlaf

Er steht an einem der Bäume und zeigt auf eine jahrealte Veredelungsnarbe. „Hier, da sieht man, welches Veredelungsverfahren ich verwendet habe“, sagt er. Ansonsten sei nicht so viel zu sehen. Sein Garten liegt in einem tiefen Winterschlaf. Die Gartengeräte stehen geputzt im Schuppen. Die Flächen liegen brach. Der Wein hängt trauben­los an seinen Gestängen. Im Gartenhäuschen stehen noch die letzten prall gefüllten Apfelkisten.

Dass seine beiden Apfelbäume so viele verschiedene Sorten tragen, hat Josef Langhans seinem Wissen über Baumveredelungen zu verdanken. Das und seine Kenntnisse aus der weiten Welt der Gärtnerei hat er sich selbst angelesen und vor allem: ausprobiert und ausprobiert und ausprobiert. „Wenn etwas nicht erfolgreich ist, dann ist das so. Damit muss man leben“, sagt er pragmatisch. In seinem Wohnzimmer steht ein Regal mit zahllosen Büchern über das Gärtnern. Was andere googlen, schaut er dort nach. Die Bücher und natürlich das Ausprobieren haben ihm noch jede Antwort geliefert.

Auf Kaffeefilter-Papier hat Langshans seine Tomatensamen getrocknet und beschriftet. Quelle: Annika Jensen

Viele andere Mitglieder des Vereins „Kleingartensparte Schillergarten Neuruppin“ gestalten ihre Gärten anders als Langhans. Sie haben mehr Rasenfläche. Sind im Garten, um auszuspannen. Der 82-Jährige aber hat bis auf wenige Ecken Rasen und eine kleine gepflasterte Fläche nahezu jeden Quadratmeter seines Gartens bepflanzt. Außerdem hat er zwei Gewächshäuser aufgestellt. Er baut Kartoffeln, Gurken, Kohlrabi, Paprika, Salat, Kräuter, Wein, Kiwis, Birnen, Kirschen und neun verschiedene Sorten Tomaten an.

Möglichst viel Bewegung, möglichst an der frischen Luft

Sein Parzelle ist eine der kleinsten in den Schillergärten. Viele Leute, sagt Langhans, seien beeindruckt, was er aus seinem Garten rausholt. „Ich will mich bewegen, möglichst an der frischen Luft. Da ist der Garten eine wunderbare Möglichkeit“, sagt er.

Im November hat ihn der Bürgermeister für sein Engagement ausgezeichnet. Der Kleingartenverein hatte den Rentner nominiert. Was die anderen Gärtner nämlich auch beeindruckt: Langhans gibt sein Wissen weiter. Vor allem jenes über die Baumveredelungen. Und das, ohne Geld für seine Schulungen zu verlangen.

Viel hat Josef Laghans im Garten einfach ausprobiert. Viel hat er sich aber auch angelesen. Quelle: Annika Jensen

„Meistens ist es nicht mit einer Schulung getan“, erzählt Langhans. „Ich spreche über die Theorie und dann treffen wir uns noch einmal, um zu veredeln, meistens in einem Garten eines Vereinsmitgliedes.“ Ab fünf Nachwuchsveredlern geht es los. Langhans zeigt ihnen, wie es geht und vor allem, was zu beachten ist, um sich nicht zu verletzen. Das Anschneiden des Edeltriebes, also der kleine Ast, der in den alten Ast eingeschoben wird, muss nämlich in einem Rutsch und schnell gehen. „Dabei tun sich viele Menschen weh und dann ist das Geschrei groß“, sagt Langhans.

Und warum veredelt Josef Langhans so viel und so gerne? „Das Hauptziel ist, eine laufende Ernte zu haben“, sagt er. „Die verschiedenen Sorten können zu verschiedenen Zeiten eingeholt werden. Dadurch haben wir nicht so viel auf einmal und immer frisches Obst.“ Kleine bunte Papierschnipsel verraten ihm, an welchem Ast welche Sorte hängt. Ein System, das er selbst ausgeklügelt hat.

Wie lange bleibt der Garten ihm noch?

Nun, im Winter haben Josef Langhans und seine Frau Sabine weniger zu tun. Auch sie ist sehr naturverbunden. Gemeinsam verarbeiten sie alles, was sie ernten. Sie legen ein, frieren ein und kochen ein. Die Gefriertruhe kann sie einen ganzen Winter lang versorgen. Das ist aber alles schon erledigt. „Nun schaue ich nur ab und zu vorbei“, sagt Josef Langhans. „Und gucke, ob der Wind etwas umgeweht hat.“

Er weiß, dass er nicht mehr lange so aktiv und so umfassend seinen Garten betreuen kann. „Sobald meine Kräfte nicht mehr ausreichen, muss ich ihn abgeben“, sagt er und in seinem Gesicht zeigt sich ein trauriger Blick. Er werde eine sehr schwere Entscheidung. Und sie solle zum richtigen Zeitpunkt fallen. „Aber ich muss sehen, dass ich den Garten rechtzeitig abgebe. Ich möchte ihn nicht verlottern lassen.“ Es ist ein Stück Leidenschaft, das er dann aufgibt.

Von Annika Jensen

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