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Neuruppin Neuruppiner müssen in Notunterkünften warten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Neuruppiner müssen in Notunterkünften warten
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01:15 18.06.2018
In der Notunterkunft im Alten Gymnasium geht es gesellig zu, während die Bewohner auf das Ende des Sperrkreises warten. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Um 8 Uhr mussten alle Häuser, Wohnungen und Arbeitsplätze leer sein. Kein Mensch durfte sich mehr innerhalb des Sperrkreises in seinen vier Wänden aufhalten. Die Bombenräumung an der Mesche sorgte für einigen Trubel. Viele der Menschen aus dem Sperrkreis kamen bei Verwandten unter oder waren ohnehin bei der Arbeit. Aber zahlreiche Menschen brauchten eine Ausweichmöglichkeit. Deshalb hatte die Stadtverwaltung drei Notunterkünfte organisiert: in der Krümelkiste im Neubaugebiet, im Stadtgarten am Rheinsberger Tor und im Alten Gymnasium am Schulplatz. In der Krümelkiste kamen viele Anwohner aus dem Wohnkomplex I an der Junckerstraße unter.

Frieda Arndt (78,l.) und Margarete Gall (79) fühlen sich an die Kriegszeit erinnert. Sie haben Bombardierungen unmittelbar miterlebt. Quelle: Peter Geisler

Knapp 60 Menschen waren dort. Es gab Kaffee, Tee und belegte Brötchen. An einem Tisch saßen Frieda Arndt (78) und Margarethe Gall (79). Die beiden kennen sich nicht, kommen aber schnell ins Gespräch. Beide haben Familienangehörige, die sie zu sich holen wollten – nach Treskow und nach Alt Ruppin. „Ach, ich wollte lieber hierher kommen“, sagt Margarethe Gall mit einem Lächeln im Gesicht. „Dann komme ich wenigstens unter Leute.“

„Ich hatte große Angst“

Die Bombe weckte bei den Frauen Erinnerungen. Obwohl sie beide sehr jung waren, können sie sich noch sehr gut an das Kriegsende erinnern. Sie flohen aus dem heutigen Polen nach Deutschland. Detailliert erzählen sie von ihren Erfahrungen. „Ich war mit meiner Familie in einem großen Flüchtlingsstrack unterwegs“, erzählt Gall. „Und der wurde von den Russen bombardiert.“ Die Erinnerungen an die Geräusche und die Erschütterungen sind noch immer hellwach. „Das war alles wieder sehr präsent, als ich von der Bombe hier gehört habe“, sagt Gall. „Ich hatte große Angst.“

Es ist geschafft, der Blindgänger in Neuruppin ist erfolgreich unschädlich gemacht worden. Die Bilder der Bombenräumung.

Die schien am Freitagvormittag jedoch verflogen. Die Seniorin wirkte entspannt. Genauso wie Frieda Arndt. „Ich habe Vertrauen in die Bombenentschärfer. Die wissen schon, was sie tun“, sagt sie. „Ich fühle mich sehr sicher hier.“ Auch im Alten Gymnasium und im Stadtgarten haben die Menschen eine kurzfristige Bleibe gefunden. Allerdings waren dort sehr viel weniger Personen. Jeweils etwa ein Dutzend Menschen haben das Angebot angenommen.

Nachbarin packte sechs Koffer

Im Stadtgarten sitzt der 18-Jährige Robert Huget. Er lebt und arbeitet im Sperrkreis. Der Jugendliche besucht die Produktionsschule. Dort macht er vor allem Gartenarbeiten. „Ich musste zwar früh aus dem Haus, aber normalerweise stehe ich noch früher auf“, sagt er. Auch er wirkt sehr entspannt. „Ich habe mich aber sehr über die Menschen im Sperrkreis gewundert. Sie wirkten sehr nervös und sind Auto gefahren, als wenn die Welt untergehen würde.“ Besonders seine Nachbarin habe ihn irritiert. „Die ist mit sechs Koffern aus dem Haus“, sagt er und grinst.

Robert Huget (18) sitzt im Stadtgarten. Er wohnt und arbeitet im betroffenen Gebiet. Quelle: Peter Geisler

Im Stadtgarten betreuen die Mitarbeiter des Kulturhauses die Menschen. Sie stellen Wasser, Tee und Kaffee bereit. Für sie ist es schon die zweite Bombenentschärfung. Vor knapp fünf Jahren musste eine Bombe auf dem Friedhof gesprengt werden.

Nachdem der Sperrkreis aufgehoben war, gab’s den Rest des Tages frei

Weniger Erfahrung haben da die Mitarbeiter der Jugendkunstschule im Alten Gymnasium. Für sie ist es die erste Bombenevakuierung, für die sie eine Notunterkunft betreuen. „Um viertel acht waren die ersten Leute da“, sagt Diana Uden. „Sie sind alle sehr nett und entspannt.“ Auch sie und ihre Kollegen stellen Getränke bereit. „Und alle weiteren Wünsche erfüllen wir, soweit wir es können“, sagt Angela Röthig. So hatte jemand nach einem Radio gefragt. „Das haben wir natürlich organisiert.“

Robert Huget indes kann es kaum erwarten, dass der Sperrkreis wieder aufgehoben wird. Er hat den ganzen Tag frei bekommen. „Wenn ich wieder zurück darf, hole ich meine Freundin ab und verbringe den Rest des Tages mit ihr.“

Von Annika Jensen

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