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Neuruppin Oldiebasar lockte Tausende Besucher
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Oldiebasar lockte Tausende Besucher
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17:27 10.11.2019
Karawane der glücklichen Sucher und Finder: Kaum einer geht mit leeren Händen zum Parkplatz. Quelle: Regine Buddeke
Wulkow

Für die einen ist es Schrott – für die anderen ein Schatz. Die Karawane der glücklichen Menschen, zumeist Männer, die am Freitag und Samstag nach teils kurzer oder auch langer Suche das Gelände des Oldiebasars in Wulkow verließen, riss nicht ab. Mit Bollerwagen und Rucksäcken, Taschen und bloßen Händen transportierten die Schatzsucher das ab, was sie auf dem Teilemarkt, der zu den größten in Ostdeutschland zählt, ergattert hatten. Zu dem Markt mit rund 500 Teilehändlern kamen etwa 8000 Besucher.

Wer gern schraubt, kommt um Wulkow kaum herum. Gerade die Sammler und Bastler von alten Ostmarken kommen hier voll auf ihre Kosten. Voll war es daher auch dieses Jahr – beim 36. Oldie- und Teilebasar, den die EAN alljährlich im November ausrichtet.

Es ist der nunmehr 36. „Große ostdeutsche Kfz-Veteranen-, Teile-, Tausch- und Verkaufsbasar“. Und wieder ist es dem Organisationsteam der EAN – Entwicklungs- und Arbeitsfördergesellschaft Neuruppin – gelungen, das Riesenevent, zu dem seit Jahren tausende Besucher strömen, professionell zu organisieren. Gut geplant waren die Zu- und Abfahrten im kleinen Neuruppiner Ortsteil Wulkow, das einmal mehr einen Massenansturm erlebte. Chaos gab es dabei nicht.

Markt nur noch an zwei Tagen

„Es lief alles in geordneten Bahnen“, erzählt am Samstag ein trotz Nieselregens gut gelaunter Bernd Redlich und weist weiter die Autos ein. Seit sechs Jahren steht er als Oldiebasar-Helfer zur Verfügung. „Dafür nehme ich extra Urlaub“, sagt er. Zum Gucken sei er selbst noch nicht gekommen.

Uwe Matthes verkauft gern in Wulkow. Quelle: Regine Buddeke

Am Freitag seien – wohl wetterbedingt – noch mehr Menschen gekommen als in den Vorjahren, schätzt EAN-Chef Ralf Perschnick. Vielleicht auch, weil der Basar in diesem Jahr erstmals nur an zwei Tagen stattfand. „Sonntags war die Resonanz immer zu schwach“, erklärt Perschnick am Samstagnachmittag und ist mit dem Ablauf zufrieden. „Das hat alles prima geklappt, es gab kaum Wartezeiten für die Händler. Das Feedback sei durchweg positiv.

Für Bert Weinert war Wulkow eine Premiere – mit einer Wartburg-Felge in der Hand und seiner Frau im Schlepptau strebt er gen Ausgang. Er sei aus Wustermark gekommen – genau um dieses Teil zu ergattern. „Wer hier sucht, wird auch fündig. Hier gibt es einfach alles. Und der Markt ist gut organisiert“, lobt er.

Viele kommen immer wieder nach Wulkow – Händler und Gäste

Das findet auch Paul aus dem Großraum Leipzig – der junge Mann schraubt, seit er 14 ist. „Erst Fahrräder, jetzt auch Motorräder“, sagt er. Auch er ist das erste Mal in Wulkow, gemeinsam mit einer Truppe Hobbybastler. „Wir haben viel gefunden – aber nicht alles, was wir wollten“, sagt er. „Aber der Markt hier ist doppelt so groß, wie der in Leipzig.“ Ein Wiederholungsbesuch im nächsten Jahr ist also sehr wahrscheinlich.

„Gib mir fünf“, sagt Uwe Matthes zu einem Mann, der mit fragendem Blick und einer Handvoll Metallkleinteile vor ihm steht. Der Handel ist schnell über den Tisch. „Was kostet die Holzkiste?“, fragt ein anderer. „Zehner“, sagt der Händler aus dem mecklenburgischen Kuhstorf, der seit 20 Jahren seine Fahrräder, Fahrradteile und alten Hausrat beim Basar der EAN feilbietet. „Ist schön hier. Vielfältig. Und viele Infos von den alten Leuten – also die, die wirklich Ahnung haben“, sagt er. Es sei ein anstrengendes Wochenende – aber ein sehr erfolgreiches. Er für sein Teil handle gern. „Das macht am meisten Spaß – dafür bin ich hier.“

Gut sortiert. Quelle: Regine Buddeke

Michael Kauffeldt hatte eine länge Anreise. Der Lübecker ist bereits am Freitag angereist und hat im Auto übernachtet. Auch er kommt seit Jahren. „Ich habe zwei Simson S51 – da braucht man immer Teile. Und hier gibts Dinge, die man anderswo nicht findet“, sagt er und freut sich über sein neues Simson-Schild – Deko für die Garagentür. „Wo hast’n das her?“, fragt ein interessierter Passant. „Und was hat es gekostet?“ „30 wollte er haben, 25 hab ich bezahlt“, erklärt der Lübecker. Man kommt ins Gespräch. Das ist auch ein Grund, warum viele gern nach Wulkow kommen – Händler wie Besucher.

Trotz Regens wird weiter gestöbert. Sven Putziers hat zwei Spritzen ergattert, die nach Krankenhaus aussehen. „Nee“, winkt er ab. „Damit kann man beim Moskwitsch das Getriebe befüllen“, so der „Schrauber und Sammler mit Leib und Seele“, der immer wieder gern von Rostock nach Wulkow kommt – für seine Simsons, MZ oder Moskwitsch.

Etliche Gäste und Händler kommen von weither – der Markt ist bekannt und beliebt

Im Transporter sitzt Jens Blumenstein vor einem knallroten Motorrad. Regenpause? Nicht wirklich. „Krieg ich den Deckel für fünf?“, fragt ein Bastler. „Ne – DKW – da muss ich sieben nehmen“, sagt der Naumburger. Man einigt sich auf sechs. Der Händler kommt mit seinem Vater seit 15 Jahren von Naumburg nach Wulkow. „Wir sind absolute Oldtimer-Sammler“, so der Junior. „Und Bastler – wir mögen das alte Zeug. Und die Fachsimpeleien mit den Leuten über die alten Zeiten und Maschinen. Wir sind ja alle Ossis hier.“

Das einzige was ihn stört: „Wir haben eine lange Fahrt und wären gern schon vor 16 Uhr abgereist, dürfen das aber laut Marktordnung nicht. Das finde ich bissel diktatorisch. Aber sonst ist der Markt toll – man kann hier gut verkaufen.“

Von Regine Buddeke

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