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Neuruppin Marathon für die Ohren
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Marathon für die Ohren
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18:00 24.05.2019
Die bisherige Orgel (links) soll ein Gegenstück auf der rechten Seite des Chorraumes bekommen. Ein Gerüst zeigt, wie das aussehen könnte. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Wenn Kantor Matthias Noack nicht aufpasst und das falsche Register zieht, könnte es plötzlich still werden im Konzert. Manche Pfeifen der Orgel in der Neuruppiner Klosterkirche geben keinen Ton mehr von sich. Statt eines schönen Klangs kommt nur noch heiße Luft, wenn man die Taste drückt.

Noch sind solche Lücken die absolute Ausnahme, aber eigentlich dürfte es sie gar nicht geben. Kleine Aussetzer können Orgelbauer schnell beheben. An der Orgel in der Klosterkirche nehmen die Probleme nach 40 Jahren Dauerbetrieb aber immer mehr zu. Mit einer Reparatur ist es nicht mehr genannt. Die Orgel muss generalüberholt werden.

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Das ist so aufwändig, dass die Gemeinde gleich überlegt, ob sie nicht noch ein etwas mehr machen lässt, wenn die Orgel ohnehin in ihre Einzelteile zerlegt werden muss.

Matthias Noack ist seit zwölf Jahren Kirchenmusiker in Neuruppin. Quelle: Peter Geisler

Dringend nötig wäre es, sagt Matthias Noack: „Das ist eigentlich eine Notorgel.“ Das würden selbst die Orgelbauer der Firma Sauer einräumen, von der das Instrument stammt. Es klingt gut – aber es konnte in den 80er Jahren nicht so gebaut werden, wie die Orgel eigentlich einmal konzipiert war.

Die Neuruppiner konnten froh sein, dass sie 1984 überhaupt eine neue Orgel bekommen haben. „Das ging nur durch die Bruderhilfe“, sagt Kantor Noack. Zwischen den Kirchen in der DDR und denen in Westdeutschland gab es Patenschaften. Die Neuruppiner Gemeinde hätte eine Orgel damals unmöglich finanzieren können. Das Geld dafür kam von der badischen Landeskirche.

Manches klingt nicht wirklich schön

Es reichte für eine gut klingende Orgel – aber nicht für eine komplette. Auf dem Instrument in der Klosterkirche lässt sich vor allem ältere Musik spielen. Kompositionen aus dem 19. Jahrhundert oder den Jahren danach klingen nicht wirklich gut. Sie brauchen Stimmfarben, die zur jeweiligen Zeit üblich waren, aber die hat diese Orgel nicht.

Das soll sich jetzt ändern. Mit der Generalüberholung soll die Orgel, die bisher nur an einer Seite im Chorraum steht, ein Pendent an der gegenüberliegenden Wand bekommen – ein optisches und akustisches Gegengewicht.

Nach mehr als 40 Jahren Dauereinsatz muss die filigrane Mechanik der Orgel generalüberholt werden. Quelle: Peter Geisler

Wie das aussehen könnte, zeigt ein Holzgerüst in der Kirche seit einigen Monaten. Grundsätzlich hat die Denkmalbehörde schon grünes Licht gegeben. Die Kirchengemeinde verhandelt mit mehreren Orgelbauern, über die genaue Umsetzung. Noch fehlt aber Geld.

Matthias Noack rechnet mit Gesamtkosten von 350.000 bis 400.000 Euro. Rund 125.000 Euro davon erhofft er sich aus Spenden. Gute 30.000 Euro sind schon zusammengekommen.

Weiteres Geld will Kantor Noack mit besonderen Veranstaltungen für Orgelfans sammeln.

Zwölf Stunden Orgel-Musik ohne Pause

Eine der ungewöhnlichsten Idee: Am Pfingstsonnabend, 8. Juni, soll zwölf Stunden lang Orgelmusik zu hören sein, gespielt von ganz unterschiedlichen Musikern. Laien sind dabei und Profis, Kirchenmusiker aus der Region und welche von weiter her. Zwischen 10 und 22 Uhr wird immer Orgel spielen – manchmal zusammen mit anderen Instrumenten wie Trompeten, Klarinette, oder Geigen.

Außerdem plant Kantor Noack ab 23. Juni eine Orgel-Matinee – eine Reihe von Konzerten sonntags ab 12 Uhr. Der Eintritt für Marathon und Matinee ist frei, Spenden sind erwünscht. Auch kleine private Orgelkonzerte sind möglich und die Gemeinde bietet Patenschaften für einzelne Orgelpfeifen an.

Wenn alles klappt, soll die Sanierung der Orgel 2020 beginnen, sagt Pfarrer Thomas Klemm-Wollny.

Von Reyk Grunow