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Neuruppin Parzival feiert Geburtstag
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Parzival feiert Geburtstag
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00:34 10.05.2018
Zum 20. Geburtstag gratuliert die Tänzerin Katja Richter dem Parzival mit einer Performance.
Zum 20. Geburtstag gratuliert die Tänzerin Katja Richter dem Parzival mit einer Performance. Quelle: Cornelia Felsch
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Neuruppin

Am 2. Mai 1998 gegen 21.45 Uhr hatten sich am Neuruppiner Seeufer rund 20 000 Menschen versammelt, um bei der spektakulären Enthüllung des Parzival dabei zu sein. Bis der metallene Ritter mit dem Windrad und der Arche seinen Platz am Bollwerk beziehen durfte, musste sein Schöpfer Matthias Zágon Hohl-Stein viele Schwierigkeiten überwinden, so wie der sagenumwobene Held des Dichters Wolfram von Eschenbach auf der Suche nach dem geheimnisvollen Gral.

Seit 20 Jahren steht die Skulptur nun bereits in Neuruppin – als Zeichen des Aufbruchs. Sie ist zu einem Symbol für die Stadt geworden, eine Stadt ohne Garnison, die sich neu orientiert und für Kultur und Kunst öffnet.

Die Parzival-Figur steht am Bollwerk in Neuruppin. Am 2. Mai 1998 war sie enthüllt worden Quelle: Peter Geisler

Zwei Jahre zuvor kam der Künstler in die Gaststätte „Altes Casino“ mit dem Vorschlag, eine etwa 15 Meter hohe Skulptur am See aufzustellen. Jens-Peter Golde war damals Vorsitzender des Verkehrsvereins Ruppiner Land und erlebte in zahlreichen Beratungen des Stadtparlaments die folgenden Ausein­andersetzungen und das Ringen um dieses Kunstwerk. „Damals hätte ich nicht geglaubt, dass ich heute mit Fug und Recht behaupten kann, Bürgermeister einer Kulturstadt zu sein. Das ist kein leeres Geschwätz, denn es hat sich eine große Gruppe von Künstlern hier etabliert, die die Stadt und die Ortsteile prägen“, sagte Neuruppins Bürgermeister. „Und obwohl der Beschluss, den Parzival aufzustellen damals recht knapp ausfiel, so kenne ich doch heute keinen mehr, der ihn noch ablehnt.“

Feier in der Kulturkirche Neuruppin

Am Freitagabend versammelten sich in der Kulturkirche rund 60 Gäste, um gemeinsam mit dem Künstler den Geburtstag des stählernen Ritters zu feiern. Unter ihnen war auch die Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke. „Parzival gehört zu Neuruppin wie die Türme der Klosterkirche“, sagte die Musikwissenschaftlerin.

Im Atelier von Matthias Zágon Hohl-Stein sind mittlerweile rund 80 Kunstwerke um die Legende des Parzival entstanden, in denen er das Thema des Weges und der Suche immer wieder neu beleuchtet hat. „All die vielen Bilder erzählen von meiner eigenen Suche nach Wahrheit, nach Schönheit und nach Vollkommenheit. Es ist das, wonach auch Parzival strebte“, so schreibt er in seinem Buch „Parzival am See“, das er am Freitag ebenfalls vorstellte. Er dankte an diesem Abend noch einmal den Sponsoren und der Firma Seidack Metallbau. „Ohne Hilmar Seidack wäre dieser Parzival so nicht möglich gewesen“, sagte der Künstler. Der sich vor dem handwerklichen Geschick der Metallbauer der Firma Seidack verneigte.

Den Parzival mit Steinen beworfen

Jens Peter Golde erinnerte sich an diesem Abend an eine Begebenheit am Neuruppiner Bollwerk: „Ich sah am Seeufer Jugendliche, die mit Steinen nach dem Parzival warfen und wollte sie gerade zur Rede stellen, als ich Matthias am Lokal „Zum Birnbaum“ sitzen sah, der geduldig zusah“, erzählt der Bürgermeister. „Mir ist es egal“, sagte der Künstler damals. „Deprimierter wäre ich gewesen, wenn sie achtlos am Parzival vorbei gegangen wären.“

Tanzperformance mit Katja Richter

Der Journalist Dietmar Stehr, der an diesem Abend die Gesprächsleitung übernahm, zitierte eine junge Frau, die er am Bollwerk traf: „Ein Fan vom Parzival bin ich ja nicht, aber ohne ihn würde mir doch etwas fehlen“, sagte sie. „Die Metamorphose des Parzival“ – eine Tanzperformance mit Katja Richter – beendete den Abend, an dem gleichzeitig eine Fotoausstellung eröffnet wurde. 14 Fotografen haben sich künstlerisch und experimentell dem Thema Parzival genähert. Die Bilder sind bis zum 31. Mai in der Kulturkirche zu sehen.

Die Galerie am Bollwerk, an der Seepromenade 10, zeigt bis zum 3. Juni die Ausstellung 20 Jahre „Parzival am See in Neuruppin“. Zu sehen sind Modelle, Entwürfe, Malerei und Skulpturen von Matthias Zágon Hohl-Stein.

Von Cornelia Felsch