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Neuruppin Unterrichtsausfall kommt nicht aufs Zeugnis
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Unterrichtsausfall kommt nicht aufs Zeugnis
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00:26 05.07.2019
Der ehemalige Schüler am Schinkelgymnasium Daniel Nottle will nach gescheiterter Petition weiterhin die Bildungspolitik verändern. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Es ist 8.20 Uhr – und immer noch ist kein Lehrer da. Viele Schüler freuen sich über den Unterrichtsausfall, genießen die spontanen Freistunden, gehen an den See oder zum nächstgelegenen Einkaufsladen. Doch langfristig wird das ständige Fehlen des Lehrpersonals für einige Lernende zur Belastung. Sie müssen sich eigenständig auf Prüfungen vorbereiten. Sie vermissen die Tipps der Lehrer, die fehlen.

So ging es auch dem heute 20-jährigen Daniel Nottle in seiner zweijährigen Abiturphase. „Vor meinen Abiturprüfungen sind viele Biologie- und Deutschstunden ausgefallen“, erinnert sich der heutige Student, der seine Schulzeit am Neuruppiner Schinkelgymnasium verbrachte. Einige Stunden seien von Vertretungslehrern übernommen wurden, vieles musste er aber auch alleine zu Hause nacharbeiten. Das sei für ihn stressig gewesen.

Petition soll Lehrerausfall aufs Zeugnis bringen

Um auf diese Misere aufmerksam zu machen, startet er eine Petition. Nottle will erreichen, dass auf den Zeugnissen vermerkt wird, wie viele Unterrichtsstunden ausgefallen sind. Mit seiner Idee trifft er im April 2018 – also mitten in der Prüfungsphase der Abiturienten – einen Nerv.

2088 Menschen unterschreiben deutschlandweit für sein Anliegen. Unter seiner Online-Petition finden sich über 500 Kommentare, die Nottles Vorschlag diskutieren. Ein Drittel der Befürworter ist selbst vom Unterrichtsausfall betroffen. Viele solidarisieren sich aber auch mit den Schülern.

Kommentare zum „Komplettausfall“

Eine Mutter berichtet in den Kommentaren von wochenlangem Unterrichtsausfall bei ihrem Sohn. „Ich finde die Idee, dass die Lehrerfehlzeiten auf dem Zeugnis stehen sollen, großartig, damit das Verhältnis Lehrer/Schüler dort sichtbar wird", schreibt sie auf der Online-Plattform Open-Petition. Bei ihrem Kind habe es einen „Komplettausfall“ gegeben: In Chemie und Biologie fehlten in der elften Klasse jeweils für acht Wochen die Lehrer. Das sollte zumindest im nächsten Schuljahr vom nachfolgenden Lehrer berücksichtigt werden, meint sie.

Bildung liegt in Deutschland zum großen Teil in der Verantwortung der Landespolitik. Deshalb reicht Nottle, der heute in Sachsen-Anhalt studiert, die gesammelten Unterschriften beim Brandenburger Landtag in Potsdam ein. „Provisorisch habe ich die Petition dann auch noch beim Bundestag eingereicht“, erzählt er. Obwohl klar war, dass dafür die nötigen Unterstützerzahlen fehlen.

Unterschriftensammlung hat keinen Erfolg

Doch der Petitionsausschuss des Landtages weist die Unterschriftensammlung ab. Der Vermerk der Lehrerfehlstunden sei rein rechtlich nicht vorgesehen, schreibt das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport an Nottle. Die Behörde wurde vom Ausschuss gebeten, ihn über die rechtlichen Hintergründe aufzuklären.

„Die Dokumentation des Unterrichtsausfalls hätte auch keinen selbstständigen Erklärungswert im Hinblick auf die erfolgte Leistungsbewertung einzelner Schülerinnen und Schüler", so das Ministerium. „Daher besteht keine Veranlassung, eine solche Dokumentation einzuführen.“

Nottle geht es nicht um Noten, sondern um Transparenz

Für Nottle ist diese Erläuterung unverständlich. „Im Prinzip haben sie meine Petition komplett falsch aufgenommen. In der Petition selbst steht ja, dass es gar nicht um Noten geht“, erklärt er. Seine Intention sei von Anfang an gewesen, für mehr Transparenz bezüglich der ausgefallenen Stunden zu sorgen. „Mit der Notiz auf dem Zeugnis könnte man ja bei jedem Schüler nachverfolgen, wie viel ausgefallen ist, und dann schauen, ob es da Handlungsbedarf gibt.“

Im Schuljahr 2017/2018 fielen in Brandenburg im Schnitt zwei Prozent aller Schulstunden aus. Der Vertretungsbedarf lag zu diesem Zeitpunkt bei insgesamt 11,3 Prozent der Unterrichtszeit. Er war damit im Vergleich zum vorherigen Jahr leicht gestiegen. Aktuelle Zahlen liegen noch nicht vor.

Bildungspolitik beschäftigt Nottle auch nach dem Abitur noch

Die Schulen seien zunächst verpflichtet, den Unterrichtsausfall innerhalb der Schule aufzufangen, sagt Dietmar Menzel. Gleichzeitig gebe es auch ein Vertretungsbudget, so der Leiter des Neuruppiner Schulamts. Aus diesem können Schulen Vertretungslehrer für einen bestimmten Zeitraum quasi einzukaufen.

Nottle reicht das aber noch nicht. „Fair ist fair: Wenn die Fehlstunden der Schüler auf dem Zeugnis stehen, dann müssen da auch die Versäumnisse der Lehrer vermerkt werden.“ Obwohl er inzwischen schon vor über einem Jahr die Schule abgeschlossen hat, beschäftigen der Unterrichtsausfall und die deutsche Bildungspolitik den Studenten immer noch.

Unterrichtsausfall paneuropäisch lösen

Immer wieder denkt Nottle über verschiedene Ansätze nach, wie man den Lehrermangel bekämpfen könnte. Dabei geht es ihm aber nicht nur um die heißdiskutierten Quereinsteiger. Er möchte das Problem paneuropäisch angehen. „Man könnte beispielsweise schauen, in welchen Ländern es ein Übermaß an Lehrern gibt und ob man diese dann anwerben kann“, überlegt er.

Das Prinzip hat Nottle sich von seiner Uni abgeguckt. Dort habe im letzten Jahr auch ein ausländischer Dozent unterrichtet, und das sei kein Problem gewesen. Noch ist er zwar kein Politiker, aber der Student will demnächst einer Partei beitreten und sich dort weiterhin in der Bildungspolitik engagieren. Denn er ist sich sicher: „Das Problem Unterrichtsausfall lässt sich definitiv lösen."

Von Malina Aniol

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