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Neuruppin Rainald Grebe zieht in der Kulturkirche alle Register
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Rainald Grebe zieht in der Kulturkirche alle Register
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00:20 05.06.2019
Der Mann der 1000 Gesichter: Rainald Grebe singt auf der Bühne nicht nur sich selbst in Rage und Rausch. Quelle: Foto: Buddeke
Neuruppin

Womöglich beschreibt das aufgeblasene Kondom, das er am Ende als finalen Absacker über den Kopf stülpt, am besten, was Rainald Grebe macht: Nonsens, bis die Arschbombe platzt. Obschon das eigentlich viel zu kurz gegriffen ist. Lauscht man den Texten seiner Lieder, ist da nicht nur ganz viel Poesie sondern auch viel scharfe Alltags-Beobachtung, ein gerüttelt Maß Philosophie, Lust an bissiger Ironie aber auch viel Liebe für die Welt und die Mitmenschen. Wer Rainald Grebe auf seine grölige Anti-Hymne „Brandenburg“ reduziert, hat rein gar nichts verstanden.

Rainald Grebe liebt seine alten Songs ganz offensichtlich immer noch: Der Schauspieler, Sänger und Kabarettist zieht in der Neuruppiner Kulturkirche alle Register und zelebriert seine feinsinnig-krachenden Texte mit Lust, Liebe und überbordender Spielfreude.

Am Samstagabend kamen gut 200 Gäste in Neuruppins Kulturkirche, um dem Sänger, Schauspieler, Kabarettist und Texteschreiber zu lauschen. „Als ich das erste Mal hier war, war ausverkauft“, merkt Grebe an. Bei den Fontanebriefen sei es immer noch halb voll gewesen. „Und heute? Okay – gutes Wetter und Champions League. Wenn ich demnächst die Fontane-Kochbücher vorlese, haben wir den Saal vermutlich leergespielt.“

Grebe ficht das indes nicht an. Mit Lust und Spielfreude stürzt er sich ins Programm, das Fontanefestspiel-Macherin Uta Bartsch als „exklusiv und einmalig für Neuruppin zusammengestellt“ lobt. Und Grebe scheint es sichtlich Spaß zu machen. Mit Wonne stürzt er sich in seine teils sehr alten Songs und singt sich selbst in Rage und Rausch.

Erinnerungen werden melancholischen Geschichten

Das Publikum lässt sich willig von Grebes Texten verführen: Gut beobachtete Alltagsszenen werden zu triefender Ironie wie bei den „30-jährigen Pärchen“, die im hippen Berlin-Mitte, Sushi essend und über Ikea lästernd auch nicht anders sind als ihre spießigen Eltern in der Provinz.

Grebe spinnt Erinnerungen zu melancholischen Geschichten, die sich an Waschmittelwerbung bemessen. Er höhnt und donnert, ätzt und äfft – sein „Künstler“ ist ein Sahnebonbon, Georg Kreisler hätte es nicht schöner singen können.

Wort-Wiederholungen

Rainald Grebe berserkert sich durch den Robinson-Stoff und wettert: Den feiert hier keiner, er ist ja keiner von hier. Er geifert im Song „Faust“, den er launig und mit großen Gesten vorher erklärt – „sonst versteht den keiner“ – über Peter Maffay, säuselt brüchig über Mädel, Mädel. Wiederholungen mag er und kostet sie aus wie einen guten Wein. Er rollt die Worte, donnert oder fistelt.

Seine Gesichter dazu sind vom Feinsten und was ihn so unglaublich sympathisch macht: Er lässt es deutlich merken, dass er jede Menge Spaß hat an seinen Liedern und an der Heliumstimme, die ihm sein Technik-Kompagnon Franz mal eben verpasst. Bei allem Geläster: Grebe scheint durchaus Sympathie für seine Protagonisten zu haben, wie den wortkargen Wolfram oder die Familie Gold.

Geistvoller Klamauk

Er macht Klischees zu Klamauk. Aber immer geistvoll. Manchmal stockt einem der Atem angesichts einer Pointe aus dem Hinterhalt. Seine Vergleiche sind unerwartet und erfrischend. Grebe schwebt über dem Grat zwischen Humor und Ernst wie ein Tänzer.

„Die Kühe furzen uns in Unglück“, grölt er und singt unbekümmert über’s weiße Haar am Sack oder das F-Wort. Ausnahmsweise ist hier mal nicht Fontane gemeint. Er lacht und rollt die Augen, in denen es oft blitzt. „I feel so overfordert“, singt er in „Kassettenrekorder“. Man glaubt es ihm nicht.

Von Regine Buddeke

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