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Neuruppin Rainald Grebe und Tilla Kratochwil lesen Fontanes Ehebriefe
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00:23 27.04.2019
Rainald Grebe und Tilla Kratochwil lesen Fontanes Ehebriefe Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

 Fünf Jahre waren sie verlobt – und ganze 48 verheiratet, bis dass der Tod sie schied. Emilie war die starke Frau hinter dem erfolgreichen Schriftsteller Theodor Fontane. Sehr oft war sie von ihm getrennt, wenn er im Ausland weilte – zumeist aus beruflichen Gründen. Sie schrieben sich Briefe – Fontane, der große Plauderer, hatte in seiner Gattin nicht nur eine treue loyale Gefährtin, sondern auch eine ebenso wortverliebte Seelenverwandte gefunden.

570 seiner Briefe in dem nie abreißenden Ehebriefwechsel sind gefunden worden und 180 von ihr – sie sind nicht nur Szenen einer Ehe, sondern auch ein Abbild der damaligen Zeit. Sie sind Zeugnis einer tiefen Zuneigung, wenngleich es Äußerungen des großen Dichters gab, die heutigen Frauen die Zornesröte ins Gesicht treiben dürfte. Und auch Emilie Fontane mit Sicherheit ins Herz getroffen haben.

Puzzlestück im Fontanejahr

Die Lesung der Ehebriefe ist nur ein Puzzlestück im Fontanejahr, das dazu beiträgt, das Bild des Dichters zu verdichten. Als Ehepaar Fontane sitzen am Dienstagabend Rainald Grebe und Tilla Kratochwil auf dem Podium der Neuruppiner Kulturkirche. Der Liedermacher, Autor, Schauspieler und Kabarettist Grebe hat sich mit der Schauspielerin Kratochwil eine Schauspielerin ins Boot geholt, die der Emilie eine wunderbare Stimme gibt.

Vom verliebt-innigen Schwelgen a la „Du mein Herzensmann“ bis hin zum höflichen aber bestimmten Widerspruch in den Krächen und Krisen des Paares lotet Kratochwil die starke, zähe, kompromissbereite und zärtliche Gattin aus, die Theodor in seiner Emilie hatte. Grebe seinerseits verleiht Fontane anhand der Briefe durchaus die Züge eines Machos – die damalige Zeit hatte für Männer nichts anderes vorgesehen. Alles in allem zeichnet sich indes das Bild einer starken, guten Beziehung auf Augenhöhe.

„Es sind 3000 Seiten Briefe – aber wir lesen nicht alle“, scherzt Rainald Grebe und die rund 250 Zuhörer – Fontane- oder Grebe-Fans – lachen. Die beiden Schauspieler beginnen mit den Briefen, die kurz nach der Heirat 1850 geschrieben wurden: Fontane, der seine gesicherte Existenz als Apotheker an den Nagel gehängt hat, um fortan zu schreiben, weilte in London, um im Auftrag der preußischen Regierung Presseberichte in englische und deutsche Zeitungen zu lancieren. Emilie war allein zu Haus, mit dem Sohn und in Erwartung eines zweiten Kindes.

Briefe sind innig und sehnsüchtig

Die Zeilen sind innig und sehnsüchtig: „Leider habe ich gar nicht das Gefühl, dass ich dir fehle“, klagt Emilie. „Allerdings fehlst du mir, nicht nur wegen Suppe und Braten“, versichert Theodor und lässt ausführliche Mathematik folgen, was es wohl kosten würde, Emilie nach London zu holen. Oder selbst nach Berlin zu reisen – aus den Gewissensqualen heraus: weiter Englisch zu lernen oder Emilien bei der Entbindung beizustehen? Das Geld ist knapp im Hause Fontane.

Emilie erlöst ihn von seinen Qualen und entscheidet. Sie bleibt in Berlin, entbindet allein, verliert das Kind kurz nach der Geburt. Auch allein. Sie ist stark und ihre Liebe ist es auch. Die Sehnsucht ebenso – dennoch versteht sie es, dass ihr Mann noch länger als geplant in London bleibt. „Schweren Herzens – aber zu jedem Opfer bereit“, lässt Emilie wissen. „Ich schreite auf dem schlüpfrigen Pfad der Besoffenheit der Genesung entgegen“, schreibt Fontane nach einem Grog. „Ich denke oft an euch, auch nüchtern. Und staune, dass ich dich mehr vermisse, als den Jungen.“ Gelächter im Saal. Fontanes schrieben sich alles von der Seele – intime Vertrautheit.

Fontanes waren oft in Existenznot

„Ich freue mich von Herzen, dich zu besitzen“, schreibt er ihr. „Und dass ich den 16. Oktober (der Hochzeitstag) nicht zu den Unglückstagen rechne.“ Gleichzeitig hat er aber auch die Stirn, ihren Wunsch nach mehr zärtlichen Worten rüde abzuschmettern: Er würde zu wenig Liebes sagen?, lässt Grebe den Dichter höhnen-äffen. Die Schuld läge doch wohl bei ihr und es sei ihre Sache, ihm das wieder beizubringen. „Dein Thffff“, speit Grebe. Der Ton wird schärfer.

Und spitzt sich vollends zu, als Fontane dem ehelichen Budget den Todesstoß versetzt und bei der Kreuzzeitung kündigt. Der Briefwechsel wird nun zum heftig erregten Zwist, bei dem Emilie mehrfach ansetzt, etwas zu sagen und stets rüde unterbrochen wird von ihrem Gatten, der sich im Recht und schuldlos sieht.

Ungeschminktes Bild der Eheleute

Besonders arg sind seine Worte, wenn es um die Geburten Emilies geht. Sie möge gebäre, was sie wolle – Geschlecht egal – „aber bitte keine allzu mickrigen Würmer. Sonst steht auf meinem Grabstein: Seine Balladen sind strammer als seine Kinder.“ Starker Tobak. Er macht sich Gedanken: Es liege wohl an ihren Bändern, die das Kind halten. Die seien zu schwach. „Darum sind deine Kinder so zart und kümmerlich“, diagnostiziert er und mahnt sie an, sich mehr zu schonen. Man beachte das „deine Kinder“.

„Wieder ein Junge“, schreibt Fontane später – man solle die Anstrengungen um ein Mädchen besser beenden: Das weibliche Geschlecht verdiene diese ohnehin nicht. Grebe und Kratochwil lesen wunderbar und zeichnen das Bild der beiden Menschen ungeschminkt. Meine liebe Mila – Mein innigst geliebter Mann. Fontanes führten schlussendlich eine gute Ehe. Man könnte den Briefwechsel glatt auch als Liebesroman lesen, mal sachlich, mal schwärmerisch, aber immer respektvoll.

Viel Applaus für Grebe und Kratochwil

„Dies sind nun also die letzten Zeilen“, schrieb der fast 80-Jährige im September 1898 an seine Frau, um einen Briefwechsel vor Emilies nahender Rückkehr aus Dresden zu beenden. Es ist indes das Schlusswort des gesamten Ehebriefwechsels – wenige Stunden später stirbt Fontane. „Vielen Dank, das war‘s“, beendet Rainald Grebe die Lesung. Trocken und nüchtern – nach all den schönen Worten vorher, die vom Publikum mit viel Applaus bedacht werden.

Von Regine Buddeke

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