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Neuruppin Regisseur Volker Büttner wird 80
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Regisseur Volker Büttner wird 80
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00:27 05.07.2019
Der frühere Chefregisseur vom Palast der Republik, Volker Büttner, wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Quelle: Hannah Rüdiger
Neuruppin

Wenn Volker Büttner bei Kaffee und Zigaretten Anekdoten aus seiner Jugend zum Besten gibt, spricht er gern in der dritten Person von sich selbst. Da fallen dann Sätze wie „Der kleene Bütti steigt also in die S-Bahn und fährt zum Rundfunk nach Schöneweide“. Er ist ein guter Erzähler, der Geschichten zu inszenieren weiß – und sich dabei köstlich amüsiert.

Am Donnerstag feiert Volker Büttner seinen 80. Geburtstag. Sein Leben böte genug Stoff für einen Roman, vielleicht sogar zwei. Doch der Regisseur denkt gar nicht daran, eine Autobiografie zu schreiben. „Ich bin faul und feige“, sagt er und winkt ab. So ein Buch, das müsste schon jemand anders über ihn schreiben. Aber bloß keinen Nachruf.

Den gebürtigen Leipziger könnte man mit gutem Grund als Allrounder bezeichnen, als Tausendsassa. Volker Büttner ist Regisseur, Tontechniker, Beleuchter, Mitglied der Landespressekonferenz, Vorsitzender des Neuruppiner Kulturbeirates – und großer Tierliebhaber.

Ein Herz für Tiere

„Ich habe gelegentlich meinen Klavierunterricht geschwänzt, um kleine Lebewesen aufzuziehen“, erzählt der 79-Jährige. Zu seinen tierischen Freunden zählten weiße Mäuse und „die berühmten Kammmolche“, wie er sagt. „Ich wollte unbedingt Zoologie oder Veterinärmedizin studieren“, erzählt Volker Büttner.

Am Ende kam natürlich alles ganz anders. Auch Goldschmied, wie es der Vater war, wurde Volker Büttner nicht. „Ich könnte heute noch aus dem Stand einen schönen Anhänger machen“, sagt er und formt mit den Händen eine Brosche aus Luft. Aber das Handwerk war nichts für ihn.

Nach dem Abitur zog Volker Büttner mit seinem Bruder zur Mutter nach Berlin und arbeitete genau 14 Tage lang bei der Bereitschaftspolizei. Lange genug, um eine Zuzugsgenehmigung für den volljährigen „Bütti“ zu ergattern. Im Alter von 19 Jahren stellte er dann fest, dass er am liebsten beim Film oder Fernsehen arbeiten würde. „’Irgendwas mit Medien’, wie man heute sagen würde“, sagt er.

Volker Büttner auf seinem Stammplatz vor dem Café „Moments“ am Schulplatz. Quelle: Hannah Rüdiger

Karriere begann als Tonassistent

Also stieg „Bütti“ in die S-Bahn, fuhr zum Funkhaus des DDR-Rundfunks in Berlin-Oberschöneweide und suchte nach Arbeit. Der Empfangsdame habe er nicht einmal sagen können, zu welchem Sender er überhaupt wollte, erzählt Volker Büttner. Er wurde weggeschickt und fand sich wenig später am Pförtnerhaus des Deutschen Fernsehfunks in Berlin-Adlershof wieder. Diesmal hatte er Glück: Der 19-Jährige konnte als Tonassistent anfangen.

„Damals war Fernsehen noch ganz anders als heute, das fing alles gerade erst so richtig an“, erinnert er sich. „Alle mussten sich aufeinander verlassen können, weil alles live gesendet wurde.“ Beim Fernsehfunk geriet er an einen „unglaublich tollen“ Beleuchter, der ihm alles über Scheinwerfer beibrachte. „Im Lichtsetzen bin ich immer noch unschlagbar“, sagt Volker Büttner.

Mit den Jahren übte er sich in Tontechnik, arbeitete als freier Regieassistent und setzte schließlich ein Studium der Regie an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg drauf. Unermüdlich suchte er nach neuen, aufregenden Formaten, die die Welt, oder zumindest die DDR-Welt, so noch nicht gesehen hat. Er ist 21, als seine erste eigene Produktion anläuft.

Erfolge als Chefregisseur im Palast der Republik

Irgendwann kam der Wehrdienst dazwischen. „Dann fing das ganze Elend mit dem Farbfernsehen an“, erzählt Volker Büttner. Jede Sendung musste er von da an mit Bildingenieuren und Farbberatern absprechen, die Umstellung war ein enormer Aufwand. Den jungen Filmemacher bremste das nicht. Immer wieder entwickelte er neue Sendungen, von denen ihn jede mehr begeisterte als die davor.

1979 bekam er den Posten des Chefregisseurs im Palast der Republik in Berlin, dem DDR-Kulturhaus und Sitz der Volkskammer. „Bis dahin war der Palast der Republik ziemlich öde“, sagt der 79-Jährige. Dabei sei der Große Saal des Palastes perfekt gebaut und genauso gut ausgestattet gewesen. „Da hatte ich plötzlich ein Spielzeug in der Hand“, erzählt er.

In seine Zeit am Palast der Republik fallen große Erfolge wie der „Rock für den Frieden“ und die Revue „Spaß muss sein“. Mit der Schließung des Palasts 1990 standen der Regisseur und sein Team wieder auf der Straße – und fanden im Handumdrehen ihre neue Bühne im Haus der Offiziere, das nach dem Abzug der Russen als „Theater des Ostens“ weitergeführt wurde.

Ein gewisses Quantum Mumpitz: Bei der schrägen Auktion kommen "sensationelle Fontane-Fundstücke" unter den Hammer - samt Unechtheits-Zertifikat. Quelle: Regine Buddeke

„Ich bin ein alter, analoger Sack“

1999 ging der Regisseur in Rente, was ihn nicht davon abhielt, weiter zu arbeiten. Seine nächsten Stationen machte er im Lokalfernsehen in Königs Wusterhausen, Potsdam und schließlich Neuruppin. 2003 zog er nach Wuthenow.

„Mein Herz schlägt eher für Fernsehen als für Theater“, erzählt er zwischen zwei Zigarettenzügen. Theater bereite ihm zwar auch große Freude, aber wie Fernsehen funktioniert, habe er nun einmal von der Pike auf gelernt. Er sehe sich noch immer gern Sendungen im Fernsehen an, ganz klassisch, nicht im Stream. „Ich bin ein alter, analoger Sack“, sagt er lachend.

Autogramme für Neuruppiner

Natürlich habe auch er so seine Probleme mit dem aktuellen Fernsehprogramm. „Vieles ist zum Klischee verkommen“, sagt er. Statt neuer Ideen würden alte Erfolgsrezepte immer wieder neu aufgelegt. „Vielleicht es ist auch schwer, noch neue Ideen zu finden.“

In Neuruppin ist Volker Büttner nicht nur bei Kulturschaffenden beliebt. Nach seinem letzten Auftritt als Auktionator bei der satirischen Fontane-Versteigerung „Ein Quantum Mumpitz“ habe er zum ersten Mal Autogramme geben müssen. „Ich bin hier bekannt wie ein bunter Hund“, erzählt er. „Aber um Autogramme zu geben, musste ich erst 79 werden.“

Von Hannah Rüdiger

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