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Neuruppin Schüsse auf A 24: Bewährungsstrafe für den Fahrer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Schüsse auf A 24: Bewährungsstrafe für den Fahrer
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01:15 28.10.2018
Vor dem Neuruppiner Amtsgericht musste sich ein 42 Jahre alter Mann verantworten. Quelle: Uli Deck/dpa
Neuruppin

In einer Art Wild-West-Manier, so drückte es die Staatsanwältin aus, schoss Sven J. am 27. August vergangenen Jahres auf der Autobahn 24 mit einer Schreckschusspistole zwei Mal auf das vor ihm fahrende Auto. Der 42-Jährige hatte 1,47 Promille Alkohol und Reste von Kokain im Blut. Mit im Auto waren seine damalige Freundin und das anderthalbjährige Kind. Bei der anschließenden Polizeikontrolle in Neuruppin entdeckten die Beamten in dem Fahrzeug zwei Schreckschusspistolen, ein Messer, einen selbst gebastelten Baseballschläger und Drogenutensilien.

Das Neuruppiner Amtsgericht verurteilte den dreifachen Familienvater unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Trunkenheit im Verkehr zu einer Strafe von einem Jahr und acht Monaten. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Nach einer Feier die Nacht durchgemacht

„Ich bin selbst sprachlos, wenn ich die Anklage höre. Ich weiß nicht, warum ich ausgerastet bin. Es tut mir wahnsinnig leid“, zeigte sich Sven J. reumütig. Er hatte am Abend zuvor die Nacht bei einer Geburtstagsfeier durchgemacht, morgens seine Freundin mit Kind abgeholt und sich von Großbeeren auf den Weg nach Neuruppin gemacht. „Ich dachte, ich könne fahren. Wie man sieht, war das ein Irrtum“, sah er ein.

Er kam sich mit einem Jaguar ins Gehege. Er wollte überholen, so schilderte er es vor Gericht. Die Autofahrerin zog rüber, er musste abbremsen. „Es war ein Hin und Her. Ich fühlte mich ausgebremst.“

Zwei Schüsse aus dem fahrenden Auto heraus

Beim Vorbeifahren zeigte Sven J., der anderen Autofahrerin den gestreckten Mittelfinger. Sie überholte ihn. Daraufhin fuhr er dicht auf und gab dann durch die geöffnete Scheibe zwei Schüsse ab. „Es war keine scharfe Munition. Ich weiß nicht, warum ich die Waffe hervorgeholt habe“, sagte er vor Gericht.

Dass er Kokain genommen und reichlich Alkohol getrunken hatte, gab er zu. Von den Drogen ist er ganz weg, Alkohol konsumiert er nur noch zu besonderen Anlässen und dann in Maßen. „Der Vorfall hat mir eine Menge zu denken gegeben“, erklärte er.

Reichlich Alkohol und Reste von Kokain

Sein Verteidiger meinte, sein Mandant sei damals in eine Art Teufelskreis geraten. Er hatte extremen Druck sowohl beruflich wie privat, dazu Alkohol und Drogen. Er hielt eine Gefängnisstrafe nicht für den richtigen Weg. „Strafe muss sein, aber auf Bewährung und unter harten Auflagen“, sagte er.

Das Gericht machte sich die Entscheidung nicht einfach. „Die Vorgeschichte, die der Angeklagte mitbringt, kann und darf man nicht wegdenken“, sagte Richter Jan Eßer. Auch wenn sie 14 Jahre her sei. Und da hatte sich einiges angehäuft. Von 1995 bis 2004 stand Sven J. sieben Mal vor Gericht, immer wegen Verkehrsdelikten. Bei der letzten Verurteilung hatte er es erst in der Berufung geschafft, nicht ins Gefängnis gehen zu müssen.

Glück, dass niemandem etwas passierte

Dass der Angeklagte auf schwierige Lebenssituationen mit Alkohol und Drogen reagiere, mache ihnen Bauchschmerzen, so Eßer. „Dass müssen wir für die Zukunft verhindern.“

Sven J. könne von Glück reden, dass die ganze Sache glimpflich abgelaufen sei. Was er getan habe, sei extrem gefährlich gewesen, nicht nur für das andere Fahrzeug und dessen Insassen, sondern auch für den Angeklagten und seine Mitfahrer. „Mit 1,47 Promille und Resten von Kokain fällt man keine vernünftigen Entscheidungen“, so Eßer. Er kreidete dem Angeklagten auch an, dass er mit Waffen im Auto spazieren fuhr. Positiv wertete das Gericht, dass Sven J. Verantwortung für das, was er getan hat, übernommen hat.

Zum letzten Mal Bewährung

„Ausnahmsweise“ gebe es noch einmal Bewährung. Aber nur unter Auflagen und sie sind: Eine Bewährungszeit von vier Jahren, für diese Zeit bekommt er einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Er muss mindestens einmal im Monat eine psychologische Suchtberatung aufsuchen. Weiterhin muss er eine Geldbuße von 400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen und da er zurzeit arbeitssuchend ist, 100 Sozialstunden ableisten. „Das war keine Lappalie. Das muss spürbar sein“, sagte Eßer. Außerdem darf ihm vor Ablauf von zwei Jahren keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden.

Von Dagmar Simons

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