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Neuruppin Schweinepest: Die Gefahr wird größer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Schweinepest: Die Gefahr wird größer
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17:26 28.08.2019
In Ostprignitz-Ruppin wurden im Jagdjahr 2018/19 gut 5000 Wildschweine erlegt, das sind 200 weniger als ein Jahr zuvor. Foto: Gregor Quelle: Foto: Gregor Fischer/DPA
Neuruppin

Von Hysterie will Simone Heiland zwar nicht sprechen. Doch die Amtstierärztin von Ostprignitz-Ruppin betont am Dienstagabend in Neuruppin immer wieder, wie gefährlich die Lage wegen der afrikanischen Schweinepest geworden ist. Zum einen weil diese Viruserkrankung, die zwar die Schweine tötet, aber für den Menschen ungefährlich ist, inzwischen nicht allein in Polen und Tschechien angekommen ist, sondern seit September 2018 auch in Belgien. Zum anderen, weil es immer noch keinen Impfstoff gegen die afrikanische Schweinepest gibt.

Wird das Virus auch von Vögeln übertragen?

Die Kreisverwaltung in Neuruppin bereitet sich deshalb auf den Ernstfall vor. Denn niemand weiß bislang, ob die Krankheit nicht auch von Vögeln oder von anderen Aasfressern übertragen werden kann.

Bisher gehen die Experten davon aus, dass die größte Gefahr für das Einschleppen des Virus durch den Transitverkehr und weggeworfene Stullen besteht. „Deutschland hat noch keine Erfahrungen mit der afrikanischen Schweinepest“, sagte Heiland beim Kreis-Landwirtschaftsausschuss.

Infizierte Wurst in Nordirland entdeckt

Umso größer war das Erschrecken, als im Juni in Nordirland eine Wurst entdeckt wurde, die mit der Schweinepest infiziert war. „Die Wurst wurde illegal aus China eingeführt“, so Heiland.

Die Schweinepest hat zwar ihren Ursprung in afrikanischen Ländern. Doch breitet sie sich seit 2007 aus, als die ersten Fälle in Georgien registriert wurden. Seitdem sind viele Wilschweinbestände in Osteuropa betroffen – in Rußland ebenso wie im Baltikum oder in Serbien und Rumänien. Besorgniserregend sei die Lage in China und den Nachbarländern, sagte die Amtstierärztin.

Mit Scharfschützen und Hubschrauber

Doch auch in Europa breitet sich die Schweinepest trotz vieler Vorsichtsmaßnahmen aus. So wurden 2018 in zehn europäischen Ländern, ohne Rußland, mehr als 5300 Wild- und gut 1400 Hausschweine registriert, die das Virus in sich hatten. Von Januar bis Mitte August waren es schon 1100 Haus- und mehr als 3900 Wildschweine. Während allein in Belgien die Zahl der infizierten Wildscheine von 160 auf knapp 480 stieg, scheint allein Tschechien die Pest unter Kontrolle zu haben. Dort gab es im Vorjahr 28 Wildschweine mit den Viruserregern und in diesem Jahr gar keinen Fall. In Tschechien sei man aber auch mit Scharfschützen und Hubschraubern gegen die Schweine vorgegangen und habe so das Ausbreiten der Pest verhindert, sagte Heiland.

So ein Vorgehen ist in Deutschland nicht geplant. In Ostprignitz-Ruppin wird vielmehr darauf gesetzt, dass im Landkreis für den Ernstfall zehn Sammelstellen bereitstehen, in denen die Kadaver infizierter Schweine gelagert werden können, bevor sie entsorgt werden. Das sei den Bürgermeistern und Amtsdirektoren am Dienstag mitgeteilt worden, sagte Vizelandrat Werner Nüse am Mittwoch. Demnach müssten die Sammelstellen, die mit Zäunen gesichert werden, auch nur etwa zehn mal zehn Meter groß sein. Sie sollten sich aber möglichst am Rande einer Ortschaft oder in einem Gewerbegebiet befinden. Nüse hofft, dass die Gemeinden innerhalb von zwei Wochen dem Veterinäramt mögliche Sammelstellen melden.

„Erlegungsprämie“ hat nichts gebracht

Außerdem hat das Amt noch einmal den Seuchenplan geprüft. Dieser sieht im Fall der Fälle eine mindestens 15 Kilometer große Schutz- sowie eine 15 Kilometer große Pufferzone vor, die nicht betreten werden dürfen.

Ernüchternd angesichts der großen Gefahr einer Seuche sind die Zahlen der aktuellen Jagdstatistik. Demnach wurden im Jagdjahr 2018/19 zwar 5046 Wildschweine in Ostprignitz-Ruppin zur Strecke gebracht – allerdings sind das gut 200 weniger als ein Jahr zuvor. Das bedeutet, dass auch die sogenannte Erlegungsprämie für Schwarzwild von 50 Euro, die seit April 2018 gilt, nichts gebracht hat.

Warum das so ist, darüber kann auch Jonny Dieck aus dem Amt für Verbraucherschutz in Neuruppin nur spekulieren. Ein Grund könnte die Trockenheit sein, ein anderer die immer größer werdenden Mais- und Rapsschläge, die das Jagen nicht einfacher machten, so Dieck.

 

Von Andreas Vogel