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Neuruppin Senioren sind „bemüht und materialbewusst“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Senioren sind „bemüht und materialbewusst“
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18:36 09.12.2016
Senioren am Steuer als Unfallrisiko? Die Versicherer verlangen generelle Fahrtests, Polizei und ADAC sind skeptisch.
Senioren am Steuer als Unfallrisiko? Die Versicherer verlangen generelle Fahrtests, Polizei und ADAC sind skeptisch. Quelle: Fotolia
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Neuruppin

Erst vergangenen Freitag fuhr ein 82-jähriger Mercedes-Fahrer in Lindow auf einen Nissan auf, der wiederum wegen eines vor ihm stehenden Renaults bremste. Durch die Kollision, ausgelöst durch den Mercedes, wurde die Renault-Fahrerin verletzt ins Krankenhaus gefahren, berichtete die Polizei.

Meldungen wie diese sind der Auslöser, dass die Forderungen nach Fahrtest für Senioren nicht verstummen.

Versicherer fordern nun verpflichtende Fahrtest für Senioren. Ein Vorschlag, der bei der Polizei oder dem ADAC auf Skepsis stößt. Die Vorsitzende des Neuruppiner Seniorenbeirats, Barbara Kernchen, teilt den Vorschlag nur zum Teil. „Ich würde einen machen, wenn ich müsste“, sagt sie. „Das wäre bestimmt interessant“, fügt die 66-Jährige sichtlich amüsiert hinzu. Das müsse jedoch individuell betrachtet werden, wer einen Fahrtest machen müsse, so Kernchen. „Wenn beispielsweise der Hausarzt schon gewisse Anzeichen einer Demenz oder andere Schwächen erkennt, könnte er reagieren“, sagt Kernchen. Ärzte müssten mehr Klartext mit ihren Patienten sprechen und nicht nur vorsichtige Andeutungen aussprechen, so die gelernte Krankenschwester.

Senioren nur an wenigen Unfällen beteiligt

Senioren waren 2015 laut der Verkehrsunfallbilanz der Polizeidirektion Nord, zu der auch die Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin zählt, an 2447 von insgesamt 13 000 Unfällen beteiligt. Etwa 1500 Unfällen wurden von Fahrern über 65 Jahren verursacht. Die Gruppe der Fahranfänger im Alter von 18 bis 24 Jahren war im selben Zeitraum für knapp 800 Unfalle verantwortlich.

Der ADAC gibt die Unfallquote der Menschen ab 65 Jahren mit 14,5 Prozent an. Der deutsche Durchschnitt liegt bei etwa 20 Prozent. In den Augen des Automobilclubs ist ein Test aufgrund der Statistik nicht angemessen oder zielführend. Für den ADAC ist eine unfallfreie Fahrt nicht an dem Alter, sondern am Gesundheitszustand und der Erfahrung des Fahrers zu messen. Senioren würden einen an die Situation angepassten Fahrstil pflegen, riskante Fahrmanöver meiden und auch einen größeren Sicherheitsabstand zum Vorausfahrenden einhalten, heißt es da. Das bestätigt auch Ekkehard Rohwer. Der Fahrlehrer aus Neuruppin bietet seit 2009 freiwillige Fahrtest für Senioren an. „Sie sind bemüht und materialbewusst“, so Rohwer, mit Blick auf Ältere am Steuer. Sprich: Sie wollen unbedingt vermeiden, dass es zum Unfall kommt.

Freiwilliger Fahrtest für Senioren

Im sogenannten „Fahr Fitness Check“ können die älteren Verkehrsteilnehmer die Verkehrsregeln auffrischen. In einer anschließenden Probefahrt mit dem eigenen PKW soll mit einem geschulten Fahrlehrer über Verbesserungen und Hilfestellungen beim Fahren gesprochen werden. Eine Behörde wird über das Ergebnis nicht informiert. Fahrlehrer Ekkehard Rohwer warnt davor, das Fahrverhalten der Senioren pauschal zu beurteilen. „Es ist von Person zu Person unterschiedlich – aber insgesamt sind Senioren nicht verkehrsgefährdend.“ Rohwer lehnt verpflichtende Fahrtest für Rentner ab einem gewissen Alter kategorisch ab. Er plädiert jedoch für Fahrtests auf Empfehlungen. Ebenso wie die Polizei.

Auch wenn einige Fähigkeiten wie Sehen, Hören oder die Mobilität eingeschränkt ist, „sei ein Fahrverbot ab einem bestimmten Alter, nicht zielführend“, so Dörte Röhrs von der Polizei Brandenburg. Die Ansicht teilt man beim ADAC: „Entscheidend für eine unfallfreie Fahrt ist nicht das Alter, sondern der Gesundheitszustand“, sagt die Fachreferentin für Verkehrspsychologie des ADAC, Nina Wahn.

Fahrtest gut angenommen

Die freiwilligen Fahrtests des ADAC sind in den ersten Jahren gut angenommen worden, heißt es in einer Pressemitteilung. Demnach haben über 1000 Teilnehmer einen Kurs in Berlin und Brandenburg besucht. Ekkehard Rohwer beschreibt die Fahrtest-Teilnehmer seiner Fahrschule als äußerst empfänglich für Hinweise und stets bemüht. „Sie sind für jeden Tipp und Hinweis, den sie bekommen können, offen“, so Ekkehard Rohwer. „Einige kommen sogar mehrfach“.

„Ich würde selbst einen Fahrtest machen, wenn ich bemerke, dass meine Sehkraft oder eine andere Fähigkeit nachlässt“, sagt Rohwer.

Und der relativ hohe Anteil von über 65-Jährigen an den Unfallverursachern? Der ADAC begründet dies mit dem demografischen Wandel. Die jüngere Generation schrumpft, während die Gruppe der Senioren stetig wächst. Etwa 21 Prozent aller Deutschen seien älter als 65 Jahre. Und nie zuvor saßen so viele Senioren am Steuer wie heute.

Von Lisa Neumann

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