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Neuruppin Täglich 13.000 Schritte für die MAZ-Leser – auch in Corona-Zeiten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Täglich 13.000 Schritte für die MAZ-Leser – auch in Corona-Zeiten
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14:02 29.03.2020
Die MAZ-Zustellerin Sieglinde Bergemann aus Fehrbellin. Quelle: Cornelia Felsch
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Neuruppin/Fehrbellin

Wenn hinter den Fenstern der Neuruppiner Wohnungen die Lichter ausgehen und die Kirchturmuhren Mitternacht anzeigen, dann ist es für Sieglinde Bergemann höchste Zeit aufzustehen.

Vor einer Viertelstunde hat ihr Telefon geklingelt – der Zeitungslieferant aus Potsdam hat das Dreieck Havelland erreicht. Von dort aus verständigt er sich mit der in Fehrbellin wohnenden Zustellerin, die sich am frühen Morgen mit ihrem Auto auf den Weg nach Neuruppin macht.

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Am Ortseingang treffen sich beide, die Zeitungen werden nun in ihrem Fahrzeug verstaut, so wie an jedem Tag. Wie im Schlaf fährt sie ihre Stationen ab: Die Adressen und die Briefkästen, in die sie die Märkische Allgemeine Zeitung steckt, sind ihr in Fleisch und Blut übergegangen. Nur manchmal muss sie ihre Route ändern, wenn – wie zurzeit in der Fehrbelliner Straße – eine neue Baustelle entsteht.

Nachts kommt die Zustellerin an Theodor Fontane vorbei. Quelle: Andreas Vogel

Seit 2008 sorgt Sieglinde Bergemann zuverlässig dafür, dass die Neuruppiner Abonnenten pünktlich ihre Zeitung auf dem Frühstückstisch haben und mit neuen Informationen aus der umliegenden Region und der weiten Welt versorgt werden.

Handschuhe zur Sicherheit

Auch in Zeiten der Corona-Krise macht sich die 65-Jährige täglich auf den Weg. „Auf den Straßen bin ich um diese Zeit ja so gut wie allein und zur Sicherheit trage ich jetzt Handschuhe, um mich und die Abonnenten zu schützen“, sagt sie.

Dass sie jetzt zu den „Helden des Alltags“ gehören soll, weil sie trotz der Ansteckungsgefahr wie immer ihre Arbeit tut, das ist ihr fast unangenehm. „Das ist für mich selbstverständlich“, sagt sie. „Die Leute wollen doch trotzdem ihre Zeitung haben. Und schließlich mache ich meine Arbeit auch sehr gerne.“

Traumberuf: Postfrau

Sieglinde Bergemann hat in ihrem Leben schon viele Tätigkeiten ausgeübt. Sie lernte das Schlosserhandwerk, arbeitete als Bekleidungsfacharbeiterin und ließ sich zur Hauswirtschafterin umschulen. „Aber schon als Kind habe ich davon geträumt, Postfrau zu sein. Unsere Postfrau hieß Christa und wenn sie kam, habe ich schon von Weitem gerufen: Christa, hast du wieder eine Zeitung für uns?“ Ihr Traum ist spät in Erfüllung gegangen. 1994 kam sie mit ihrem Ehemann nach Neuruppin und begann, ihn auf seiner Zeitungstour zu begleiten.

Frühlingserwachen: An der Strecke, die Sieglinge Bergemann täglich absolviert, duften momentan viele Blüten. Quelle: epd

„Es ist eine schöne Arbeit, man ist immer an der frischen Luft. Am schönsten ist es im Frühling, wenn die Linden wieder blühen“, sagt sie. Natürlich gibt es auch mal schlechtes Wetter. „Vor allem wenn es regnet, ist es nicht so prickelnd.“ Nicht so gern erinnert sich Sieglinde Bergemann an die Winter in den 90er Jahren, wo es viel Schnee und Glatteis gab.

Seid dem Tod ihres Mannes muss sie die Tour allein bewältigen. Schlechte Erfahrungen mit Hunden oder Menschen sind ihr bisher erspart geblieben. Abgesehen von einem Waschbären, der ihr ins Auto lief, sind es die positiven Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben – an einen Abonnenten, der bereits nachts um drei an der Tür stand und auf die Zeitung wartete. „Und Frau Basche hängt oft ein kleines Dankeschön für mich an ihren Briefkasten. Ihre selbst gebackenen Plätzchen sind besonders lecker“, sagt Sieglinde Bergemann.

Der Schrittzähler ist immer eingeschaltet

Bis zu ihrem 70. Lebensjahr will sie auf alle Fälle noch durchhalten. „Schließlich hält die Bewegung an der frischen Luft auch gesund und ist gut für die Figur“, sagt sie. Ihre Schritte zählt sie mit dem Handy – am Samstag waren es 13.000, heute 12.900. Gegen drei Uhr am Morgen kommt Sieglinde Bergemann von der Arbeit nach Hause.

Nach dem Frühstück und einem Nickerchen geht es dann in den Garten. „In Corona-Zeiten ist das ein wunderbarer Ort“, sagt die fidele Frau. Etwas traurig stimmt sie nur die Tatsache, dass sie jetzt ihre Enkelkinder nicht sehen kann.

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Von Cornelia Felsch