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Neuruppin Brauchen wir mehr Sozialwohnungen?
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Brauchen wir mehr Sozialwohnungen?
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16:21 27.06.2019
Die NWG vermietet etwa 4000 Wohnungen in Neuruppin, jede fünfte ist eine Sozialwohnung. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin/Perleberg

Die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland sinkt. Nach Angaben der Bundesregierung gab es bundesweit zum Jahresende 2017 rund 49.000 Sozialwohnungen weniger als noch ein Jahr zuvor. Und auch im Land Brandenburg setzt sich der Trend fort, wenn auch nicht ganz so deutlich.

Gerade erst hat Bauministerin Kathrin Schneider eine Studie vorgelegt. Danach gab es im gesamten Land Brandenburg 2017 rund 41.000 Sozialwohnungen, etwa 3000 weniger als noch 2011. Braucht Brandenburg mehr Sozialwohnungen?

Robert Liefke, Geschäftsführer der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG) sieht das eher gelassen. „Was sind denn eigentlich Sozialwohnungen?“, fragte er. Denn tatsächlich gibt es dafür keine klare Definition. Die Debatte um „Sozialwohnungen“ findet er deshalb grundsätzlich schwierig.

Vermietung nur mit WBS

Für Liefke sind damit dabei Wohnungen gemeint, die mit Geld aus einem staatlichen Förderprogramm gebaut oder saniert wurden und für die es deshalb strikte Auflagen gibt. Sogenannte mietpreisgebundene Wohnungen.

Die Vermieter dürfen für solche Wohnungen nur eine bestimmte Mietpreis nehmen und müssen die Wohnungen in der Regel an Mieter vergeben, die einen Wohnberechtigungsschein (WBS) vorweisen können. Den bekommen Alleinstehende oder Familie von der jeweiligen Gemeinde.

Einen WBS bekommen nur Geringverdiener. Alleinstehende dürfen nicht mehr als 12.000 Euro im Jahr verdienen. Bei einem Zweipersonenhaushalt liegt die Einkommensgrenze bei 18.000 Euro, für jede weitere Person im Haushalt kommen 4100 Euro dazu.

Sozialwohnungen dürfen oft teurer sein als andere

Die Stadt Neuruppin hat 2016 ganze 54 Wohnberechtigungsscheine ausgestellt, 2017 waren es 69, 2018 dann 59, sagt Rathaussprecher Heiko Rähse.

Nur wer einen WBS vorweisen kann, darf in der Regel eine gebundene Wohnung mieten. Die NWG ist mit rund eigenen und fremden 4000 Wohnungen der größte Vermieter im Nordwesten Brandenburg. 762 davon entsprechen dem, was gemeinhin als Sozialwohnung, sagt Geschäftsführer Liefke vor: „Etwa ein Fünftel unseres gesamten Bestandes.“

Doch diese Zahl täuscht. Tatsächlich sind die klassischen Sozialwohnungen nicht unbedingt die billigsten. Mit etwa 1500 Wohnungen ist die Wohnungsgesellschaft GWG der größte Vermieter im Perleberger Raum. „Unsere durchschnittliche Miete liegt derzeit bei etwa 4,30 Euro“, sagt Geschäftsführer Ronald Otto.

Viele Wohnungen sind ohnehin billig

Würde das Unternehmen neue Sozialwohnungen mit Fördermitteln bauen, dürfte sie viel mehr Geld verlangen. Die derzeitigen Förderrichtlinien sehen einen Mietpreis von 4,90 Euro vor, sagt Otto. Bis 5,50 Euro wären erlaubt, sagt sein Kollege Liefke von der NWG.

Auch in Neuruppin würden neue Sozialwohnungen damit deutlich über dem liegen, was die städtische Wohnungsgesellschaft im Durchschnitt verlangt. Bei der NWG lag die mittlere Kaltmiete 2015 bis 4,55 Euro pro Quadratmeter, 2018 waren es 4,80 Euro.

Dieser Block in der Perleberger Heinrich-Heine-Straße steht leer und soll noch in diesem Jahr abgerissen werden. Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Der durchschnittliche Mietpreis im gesamten Land Brandenburg liegt bei rund 5 Euro pro Quadratmeter, hat der Verband der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) ausgerechnet, in dem die etwa viele private, kirchliche und kommunalem Wohnungsunternehmen und -genossenschaften Mitglied sind. Sie vertreten nach eigenen Angaben rund die Hälfte aller Wohnungen im Land.

Die Linke fordert mehr Engagement

Ist es also gar nicht so dramatisch, wenn die Zahl der Sozialwohnungen sinkt? Paul Schmudlach, der Kreisvorsitzende der Partei Die Linke in Ostprignitz-Ruppin sieht das anders. „Wer mit offenen Augen durch Neuruppin geht und mit den Menschen spricht, sieht doch, dass gerade bezahlbare Ein- und Zweiraumwohnungen fehlen“, sagt er. „Sozialer Wohnraum“ sind für ihn Wohnungen, die sich auch Alleinerziehende mit geringem Einkommen, Studenten und Auszubildende leisten können.

NWG-Chef Liefke hält derzeit wenig davon, viele neue Sozialwohnungen zu bauen. Erst recht nicht in einer Zeit, da in vielen Städten außerhalb des Speckgürtels um Berlin Wohnungen abgerissen werden. So wie in Perleberg.

In Perleberg wird abgerissen – und neu gebaut

„Wir haben in der Vergangenheit Wohnungen abgerissen und wir tun es noch“, sagt GWG-Chef Ronald Otto. Er setzt trotzdem auf den Neubau von Sozialwohnungen. Die alten Plattenbauten aus DDR-Zeiten seien einfach nicht mehr zeitgemäß und ließen sich schwer vermieten. „Die Menschen erwarten heute einen anderen Standard“, sagt Otto.

Die GWG plant gerade einen, attraktiven Neubau. Dafür erwartet sie Fördermittel des Landes. 18 der 24 Wohneinheiten werden Sozialwohnungen.

Die NWG in Neuruppin steckt Millionen in die Sanierung ihrer Plattenbauten in Neuruppin und die sind nach wie vor gut nachgefragt, sagt Bürgermeister Jens-Peter Golde, dem die NWG untersteht. Die modernisierten Wohnungen mit Fußbodenheizung und Fahrstuhl im Plattenbau sind attraktiv. Sozialwohnungen sind sie mit Preisen von weit über 5 Euro pro Quadratmeter allerdings nicht mehr.

Von Reyk Grunow

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