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Neuruppin Wie es sich als Student in Neuruppin lebt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wie es sich als Student in Neuruppin lebt
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13:15 26.01.2019
Das Café Wildwuchs in der Wichmannstraße ist bei Studierenden beliebt. Hier lassen es sich Alicia Assem, Jan Auswitz und Kommilitonen des Öfteren gut gehen. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Das Café im Lern- und Kommunikationszentrum an der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) in Neuruppin ist ein ziemlich karger Raum: Weiße Wände gehen in weiße Küchenfliesen über.

Auch die Fensterrahmen sind weiß, die einen Blick auf den Campus der Ruppiner Kliniken an einem grauen Januartag ermöglichen. Doch mehrere nicht aufgegessene Kuchen und Türme an unterschiedlich farbigem Geschirr durchbrechen die Tristesse.

Ebenso wie Alicia Assem, Jan Auswitz und die weiteren Studierenden, die hier ein- und ausgehen. „Das sind noch die Reste von der Montagsdemo, als wir zusammen gegen die fremdenfeindliche Kundgebung am Schulplatz demonstriert haben“, sagt Auswitz. „Das ist für uns die erste richtige Schnittstelle mit den Neuruppinern gewesen“.

Warum die Studenten Neuruppin ins Herz geschlossen haben

Er, 27 Jahre alt, studiert ebenso wie Mitstudentin Alicia Assem, 21 Jahre alt, seit Sommer 2017 in Neuruppin. Beide sind zwei von insgesamt rund 370 Neuruppiner Studierenden, die entweder ein Medizin- oder ein Psychologiestudium an der privaten Hochschule absolvieren – der ersten und bisher einzigen in Sachen Medizin im Land Brandenburg.

Dadurch ist Neuruppin seit 2015 eine stetig wachsende Universitätsstadt, die die beiden aus unterschiedlichen Gründen ins Herz geschlossen haben.

Alicia Assem und Jan Auswitz vor dem denkmalgeschützten Hauptgebäude der Ruppiner Kliniken. Quelle: Fabian Lamster

„Der Ruppiner See ist fantastisch. Hier kann ich nicht nur wunderbar spazieren gehen, sondern im Sommer auch mit Freunden Volleyball spielen und grillen“, sagt Alicia Assem.

Der See mache die Stadt für sie zusammen mit vielen netten Läden im Zentrum lebenswert. Das sieht Studienkollege Auswitz ähnlich: „Ich mag das Familiäre an Neuruppin. Ich treffe bei jeder Tour in der Innenstadt Bekannte. Wenn dich dann auch der Dönermann grüßt, fühlst du dich schnell heimisch.“

Medizinstudenten sind nur zwei Jahre in Neuruppin

Bevor der 27-Jährige im Sommer 2017 nach Neuruppin kam, war ihm die Stadt vor allem durch das Neuruppin“-Lied der Rapgruppe K.I.Z. aus seiner Heimatstadt Berlin ein Begriff.

Nicht nur die Stadt, sondern auch das Medizinstudium an der MHB gefällt ihnen. Während die Psychologie-Studierenden ihr gesamtes Studium in Neuruppin verbringen, sind die Mediziner nur zwei Jahre hier, bevor sie ihr Studium in Brandenburg an der Havel fortsetzen.

„Dadurch, dass die ersten Studenten seit 2015 hier studieren, ist vieles noch im Entstehen. Das bietet auch jede Menge Möglichkeiten, selbst etwas zu gestalten“, sagt Alicia Assem.

Die Partys, die Neuruppins Studierende feiern, finden meist in ihren Wohngemeinschaften statt. Es fehle derzeit an Möglichkeiten, kurzfristig Räume für eigene Veranstaltungen und Feiern zu bekommen, sagt Studentin Alicia Assem. Quelle: Peter Geisler

Wo sich Studenten in Neuruppin treffen

Darum hat die Medizinerstudierendeninitiative, in der sowohl Assem als auch Auswitz aktiv sind, zum Beispiel Arbeitsgruppen gebildet, in denen sie die mit nationalsozialistischen Parolen beschmierte Wand am Neuruppiner Rathaus mit ihrem Anatomie-Professor gestalteten.

Auch für das Thema Studieren mit Kind und Spielenachmittage in Kinderstationen und -hospizen haben sie Angebote geschaffen. „Es gibt hier schon einiges, aber vieles auch noch nicht, zum Beispiel keine universitären Angebote für Hochschulsport oder eine eigene Mensa“, sagt die Medizinstudentin.

Seit sie hier studieren, sei aber vor allem in Neuruppin selbst auch viel passiert. Läden wie das Café Wildwuchs und das Café Schröders in der Innenstadt, aber auch die Luna Lounge und die Kneipe Birnbaum Nahe der Seepromenade seien beliebte Treffpunkte für Studis.

„Mit Gerdas Cupcake-Café und der Kneipe Unicum haben aber auch zwei Anlaufstellen dicht gemacht, die sehr beliebt waren“, sagt die 20-Jährige. Und sowieso: „Neuruppin könnte noch mehr Kneipen vertragen“, findet Jan Auswitz.

Studieren in Neuruppin: Ein teures Unterfangen

Warum sich bisher eher wenige Möglichkeiten ergeben haben, mit Neuruppinern in Kontakt zu kommen, können beide nur vermuten. Möglicherweise liege es daran, dass die Stadt erst seit Kurzem eine Universitätsstadt ist, in der sich ein Studentenleben erst noch entwickeln muss.

„Andererseits könnte es sein, dass uns die Bewohner als reiche Kinder sehen, die nur zum Studieren hier sind“, sagt Alicia Assem. Denn das Medizinstudium an der MHB ist ein kostspieliges Unterfangen: Jeder Studierende zahlt 125 000 Euro für eine Studienzeit von sechs Jahren und drei Monaten.

Studierende können allerdings einen Darlehensvertrag mit kooperierenden Krankenhäusern der Hochschule eingehen, die dann 80 000 Euro übernehmen.

Im Gegenzug verpflichten sich die Studierenden dafür, fünf Jahre nach dem Examen dort zu arbeiten. „Kein einziger Euro meines Studiums stammt von meiner Familie. Ich habe mich für fünf Jahre von einem Krankenhaus verpflichten lassen und habe einen Kredit aufgenommen, um in Brandenburg Medizin studieren zu können“, sagt Jan Auswitz.

Medizinstudierende unter sich: Jan Krumm (li.), Jan Auswitz (mi.) und Alicia Assem beim Frühstück in einer Studenten-Wohngemeinschaft in Neuruppin. Quelle: Peter Geisler

Weitere Schnittstellen gesucht

Für beide geht das Studium im Februar in Brandenburg an der Havel weiter. Bis dahin bringen sie noch ihre Seminare zu Ende, in denen sie sich dieses Semester unter anderem mit der Haut, Niere und Psyche des Menschen befassen.

Jetzt, wo die Einweihung des sanierten Haus D nicht mehr lange dauert, das den Neuruppiner Medizinstudierenden neue Arbeits- und Seminarräume bieten soll, steht ihr Abschied von Neuruppin bevor.

„Wir wollen unsere gestarteten Projekte, Arbeitsgruppen und Studienbedingungen so hinterlassen, dass sich die neuen Studis von Beginn an noch wohler fühlen und sich schneller entfalten können“, sagt Jan Auswitz.

Er hoffe ebenso wie Alicia Assem, dass sich neben Kunstaktionen an beschmierten Wänden und antirassistischen Montagsdemos noch viele weitere Schnittstellen zwischen Studierenden und Neuruppinern ergeben. Und die Stadt Neuruppin nicht nur den Titel Universitätsstadt trage, sondern auch das dazugehörige Studentenleben weiter wachse.

Von Fabian Lamster

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