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Technisches Hilfswerk Neuruppin bekommt eine neue Fahrzeughalle

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15:38 16.07.2021
Maik Borchert, Chef des Technischen Hilfswerks Neuruppin (r.), im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke auf der Baustelle für die neue Fahrzeughalle.
Maik Borchert, Chef des Technischen Hilfswerks Neuruppin (r.), im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Sebastian Steineke auf der Baustelle für die neue Fahrzeughalle. Quelle: Henry Mundt
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Maik Borchert läuft die erste Reihe der weißen Steine ab. „Das sind zwölf Meter“, sagt er. Dann blickt er in die andere Richtung, schätzt die Länge ab, diesmal per Augenmaß, und multipliziert die beiden Zahlen miteinander. „So 300 Quadratmeter sind es.“

So groß wird die neue Fahrzeughalle des Technischen Hilfswerks (THW) Neuruppin sein, deren Konturen die Steine im Boden andeuten. „Das ist nicht gewaltig – aber ein Schritt in die richtige Richtung.“

Fahrzeughalle: Lang erträumtes Projekt geht in Erfüllung

15 Jahre lang träumte der Ortsverband von dem Bauwerk. Er plante, sprach mit dem Investor, kämpfte um die Finanzierung, stellte den Bauantrag. „Jetzt wird es endlich wahr“, sagt Borchert, der seit 2017 der ehrenamtliche Chef der Einheit ist.

Im März haben nun die Bauarbeiten begonnen, wegen Corona etwas später als geplant. Und sie könnten in drei Monaten abgeschlossen sein. Doch die Pandemie kommt dem Projekt erneut in die Quere: „Es gibt Lieferschwierigkeiten beim Baumaterial“, berichtet der Ortsbeauftragte. Der Stahlbauer liefert später als angekündigt – und die Baustelle ruht.

An dieser Stelle im Treskower Gewerbegebiet entsteht die neue Fahrzeughalle des Technischen Hilfswerks Neuruppin. Quelle: Henry Mundt

Borchert nimmt es trotzdem locker: „Hauptsache wird sind vor der Schlechtwettersaison fertig“, sagt der Ortsbeauftragte. So könnte der THW zumindest ein paar seiner Fahrzeuge mehr unters Dach bringen und so vor den Einflüssen der Witterung schützen.

„Draußen werden sie nicht besser“, stimmt Sebastian Steineke zu. Er steht an einem Anhänger, der 60 Jahre alt ist: „Wenn da eine Glühbirne kaputtgeht, dann ist das ein Totalschaden.“ Denn nachbestellen könne man sie ja nicht mehr. Ohne Licht darf das THW nicht ausrücken – und so müsste am Ende ein ganz neuer Anhänger her. An einem Garagenplatz zu sparen, das sei eine Milchmädchenrechnung.

CDU-Bundestagsabgeordneter engagiert sich fürs THW

Der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete schaut sich an diesem Tag vor Ort um. Das Technische Hilfswerk sei ein wenig sein Steckenpferd, sagt Steineke. Auch, weil es die einzige Institution ist, die in seinem Wahlkreis unmittelbar dem Bund untersteht – und somit seinem Einfluss. Denn für Feuerwehren, Bibliotheken oder Museen sind die Kommunen zuständig. Hier könne er direkt etwas bewegen. Und die Arbeit der Helfer sei enorm wichtig: Sie rücken zu Notfällen aus, bei denen andere alleine nicht weiterkommen.

Sowohl ihm als auch Borchert ist aber klar, dass die Halle, die noch nicht einmal steht, schon wieder zu klein ist, um alle Fahrzeuge des Ortsverbands zu beherbergen. Beiden ist es dennoch lieber, dass sie jetzt gebaut wird.

Bund gibt im Moment deutlich mehr für die Helfer aus

„Das ist das klassische Spatz-in-der Hand- gegen Taube-auf-dem-Dach-Prinzip“, sagt der Ortsbeauftragte und lacht. Schließlich könne man nicht wissen, ob dem Bund in den kommenden Jahren das Geld genauso locker sitzt wie jetzt. „Man sollte jetzt alles mitnehmen, was man bekommt“, sagt Steineke.

Nachdem es um die Finanzierung des THW früher nicht gut bestellt war, habe der Bund zuletzt richtig nachgelegt, erzählt Steineke. Es gab neue Fahrzeuge und auch mehr hauptamtliches Personal, das den ehrenamtlichen Helfern vor Ort Aufgaben wie Antragsstellung, Beschaffung oder Inventur abnimmt. Zehn Mitarbeiter waren es früher in Potsdam, nun seien es 18. „Das ist eine große Entlastung.“

Investor baut die Halle fürs Technische Hilfswerk

132 Millionen im Jahr gab der Bund zuletzt für die deutschlandweit 68 Ortsverbände des Technischen Hilfswerks aus. Wie viel dabei konkret auf Neuruppin entfällt, sei schwer zu sagen, meint der Abgeordnete. Bei der Fahrzeugflotte habe es in den letzten Jahren aber immer wieder Verbesserungen bei den Fahrzeugen gegeben, ergänzt Borchert. Und nun das Bauprojekt.

Zwar wird dieses von dem privaten Investor gebaut, dem schon das bisherige THW-Gebäude gehört. Für den dauerhaften Aufschlag bei der Miete, wenn die neue Halle dann steht, kommt aber der Bund auf, erklärt Steineke.

Der Ortsverband Neuruppin hat sich auf den Bau extrem langer Wasserstrecken und somit Hilfeleistung bei Waldbränden spezialisiert. Das viele Material für diese Arbeit lagert draußen. Quelle: Henry Mundt

Sich mit den Belangen des Neuruppiner THWs durchzusetzen, sei dabei nicht einmal wahnsinnig schwer. Denn die Truppe, die durch Corona trotz ausgefallener Trainingseinheiten und Treffen kaum dezimiert wurde und derzeit 45 Personen im aktiven Dienst zählt, habe sich unter anderem auf Hilfe bei Waldbränden spezialisiert. „Und durch die Kyritz-Ruppiner Heide, wo es weit und breit kein Wasser gibt, ist das immer ein gutes Argument.“

Halle in Neuruppin kann erweitert werden

Trotzdem: Ob und wann der Investor für den Ortsverband die Halle, die gerade entsteht, erweitern wird, das ist noch völlig offen. Für den Fall aber, dass das passiert, hat Borchert vorgebaut: Der Planer hat das neue Gebäude so entworfen, dass es ohne Probleme ergänzt werden kann. Und es gibt noch einen Trumpf in Neuruppin: Das THW-Gelände am Rande des Treskower Gewerbegebiets hat noch Platz für einen weiteren Anbau. „Anderswo müssen wir über Standortverlegungen nachdenken“, berichtet Steineke.

Die Fahrzeuggarage ist indes nicht die einzige Baustelle des Ortsverbands. Auch beim Bestandsgebäude, das vor über 25 Jahren entstanden ist, wäre eine Frischekur nötig, sagt Borchert. So sei die Frauenumkleide kaum größer als ein sehr kleines Bad. Dabei gibt es in der Truppe mittlerweile sieben weibliche Mitglieder, die zu Einsätzen fahren. „Es fehlt ein zweiter Fluchtweg und unser Server steht unter einem Schreibtisch. Das ist eher semi-professionell.“

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Von Celina Aniol