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Neuruppin Thomas-Cook-Pleite: Auch im Ruppiner Land gibt es betroffene Urlauber
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Thomas-Cook-Pleite: Auch im Ruppiner Land gibt es betroffene Urlauber
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15:12 25.09.2019
Viele Urlauber sind nach der Pleite des Reiseriesen Thomas Cook auf der ganzen Welt gestrandet. Quelle: dpa
Neuruppin

Der Global Player ist pleite – die Auswirkungen seiner Insolvenz sind aber nicht nur international, sondern bis in die kleinsten Orte zu spüren. Denn Reisen werden auch dort gebucht.

Deshalb müssen nun auch Reisebüros in kleinen Städten den Ruin des britischen Reiseriesen Thomas Cook und die Folgen für seine deutschen Tochtergesellschaften ausbaden. Die deutsche Thomas Cook GmbH hat an diesem Mittwochvormittag einen Insolvenzantrag gestellt – auch für Thomas Cook Touristik, Bucher Reisen und Öger Tours.

Ob noch weitere Veranstalter betroffen sein werden, das werde noch geprüft, heißt es auf der Internetseite von Thomas Cook Deutschland. Der Verkauf von Trips aus dem Portfolio der Gruppe, zu der Neckermann, Bucher oder Öger Tours gehören, sind aber auf jeden Fall gestoppt.

Noch nie dagewesenes Beben

„So eine Situation wie jetzt hatten wir noch nie“, kommentiert Anja Strecker das Beben in ihrer Branche noch vor dem Insolvenzantrag der deutschen Ableger am Dienstagnachmittag. „Wir hatten es auch noch nie, dass ein Konzern dieser Größe Pleite gegangen ist.“

Anja Strecker ist Geschäftsführerin des Reisebüros „Globus“, das es seit 1990 gibt und das insgesamt fünf Filialen in Neuruppin, Kyritz, Pritzwalk und Oranienburg betreibt. 17 Menschen, die in diesen Büros eine Reise gebucht haben, sind derzeit mit einem deutschen Cook-Ableger unterwegs. Die meisten im Mittelmeerraum. „Zum Glück nicht in Tunesien“, sagt Anja Strecker.

Anja Strecker (r.) mit ihren Mitarbeiterinnen im Neuruppiner Reisebüro „Globus“. Quelle: Celina Aniol

Denn dort sollen Reisende im Hotel quasi in Geiselhaft genommen worden sein. Sie sollten vor ihrer Abreise die Rechnung begleichen. Das Hotel befürchtete, dass Thomas Cook aufgrund seiner Pleite nicht mehr – wie in der Branche sonst üblich – im Nachhinein die Leistungen entlohnt. „Aber auch wir hatten Kunden, die vor Ort bezahlen mussten“, berichtet die Geschäftsführerin. Dazu habe sie auch geraten.

Immerhin: Die aktuellen Rückflüge ihrer Kunden seien gesichert. Das war kurzzeitig offen, weil auch das Flugunternehmen Condor im Strudel der Insolvenz gefangen ist. Condor ist ebenfalls eine Tochtergesellschaft von Thomas Cook. Seit Dienstagabend ist klar, dass der Bund und das Land Hessen dem deutschen Ableger nach der Pleite der Muttergesellschaft mit einem Überbrückungskredit helfen wollen. Allerdings muss noch die EU zustimmen.

Drei Urlauber mit Problemen

Als Anja Strecker am Montagfrüh von der Pleite Thomas Cooks erfuhr, versuchte sie sofort, alle betroffenen Pauschalurlauber anzurufen. Und sie hat fast alle erreicht. Drei hatten auch tatsächlich Probleme. „Aber die hielten sich im Vergleich dazu, was man so hört, noch in Grenzen“, so die Tourismusfachfrau. „Und es gab auch welche, die erst durch uns mitbekommen haben, was passiert ist.“

Kontakt aufgenommen hat Anja Strecker auch zu allen, bei denen eine Reise mit einem der betroffenen Unternehmen noch ansteht. Es sind knapp 40 Buchungen. „Für die Leute ist es sehr traurig, wenn der langersehnte Urlaub plötzlich in Frage steht.“ Für die Touristikexpertin ist es selbstverständlich, dass sie sich um ihre Kunden in dieser Notsituation kümmert. Auch wenn dafür eigentlich die Veranstalter verantwortlich sind.

„Wir warten sehnsüchtig auf Informationen“

Am Dienstag kann sie für diese Urlauber aber noch nichts machen. Erst wenn klar ist, wie es mit Öger Tours & Co. weitergeht, werde sie mit ihnen besprechen, was zu tun ist. Wie aufwändig das wird, das hängt vor allem davon ab, ob diese betreffenden Gesellschaften gerettet werden oder doch mit in die Insolvenz rutschen. „Wir warten sehnsüchtig auf Informationen.“

Strecker warnt aber vor Panikmache. Im Moment rufen bei ihr auch verunsicherte Kunden anderer Gesellschaften an, weil sie gelesen haben, dass auch ihre Buchungen in Frage stehen könnten. „Das ist unverantwortlich.“ Sie rät zu einem Blick auf die Internetseite des deutschen Thomas-Cook-Unternehmens. Dort sind auch alle Gesellschaften gelistet, die nicht betroffen sind.

Viele Betroffene bei Condor

Wie viele ihrer Kunden indes Probleme durch eine Pleite bei Condor bekämen, das weiß Anja Strecker noch nicht. Es wären aber viele. Sehr viele. Denn die deutsche Airline ist sehr beliebt. Fast alle Reiseveranstalter greifen auf die Gesellschaft bei der Beförderung zurück.

Doch auch bei einer Insolvenz wäre die Lage nicht ganz so dramatisch. Denn zumindest bei Pauschalreisenden müssen sich die Veranstalter um Ersatz kümmern. Und diese seien sehr bemüht, die Wogen zu glätten. So sei es auch bei den Pleiten bei Germania oder Air Berlin gewesen. „Sie arbeiten dann die Listen nach dem Abreisetermin ab.“ Das Reisebüro unterstütze die Kunden dabei.

Reisebüros hoffen auf Rettung der Airline

Dennoch hofft Strecker sehr, dass Condor vom Staat gerettet wird. „Das würde uns sehr viel Ärger ersparen.“ Und wäre aus ihrer Sicht auch gerechtfertigt. Schließlich handele es sich anders als früher bei Germania um eine solvente Linie, die von ihrem britischen Mutterkonzern unverschuldet mit in die Bredouille gezogen wurde.

Auch Nico Schulz-Portee fürchtet eine Condor-Pleite. Denn auch in dem Neuruppiner Reisebüro „Touristic Tours“, das er zusammen mit seiner Frau Ines Portee führt, gäbe es dann sehr viele betroffene Urlauber. Denn die Marke sei auf dem Markt gut aufgestellt. Der Name habe gezogen.

„Es würde mich aber nicht wundern, wenn sie mit in den Insolvenzstrudel gezogen wird.“ Schließlich seien die Probleme mit der alten Flotte und dem Wartungsrückstand bekannt. „ Für uns würde das aber sehr viel Arbeit bedeuten.“

Ines Portee und Nico Schulz-Portee in ihrem Neuruppiner Reisebüro „Touristic Tours“. Sie haben die Pleite kommen sehen. Quelle: Celina Aniol

Diese hält sich aufgrund der Pleite von Thomas Cook in dem Büro indessen sehr in Grenzen. „Wir raten unseren Kunden schon seit fünf Jahren massiv vom Kauf bei der Thomas-Cook-Gruppe ab“, sagt Nico Schulz-Portee. „Deshalb gibt es bei uns jetzt auch keine gestrandeten Touristen.“ Und auch keine problematischen Buchungen in der Zukunft.

Die Insolvenz des Reiseunternehmens mit seinen zahlreichen Ablegern sei schließlich absehbar gewesen, nachdem Thomas Cook mehrfach Gläubigerschutz beantragt habe und die Briten dem Unternehmen vielfach mit Steuermitteln unter die Arme gegriffen haben. „Uns war klar: Es kann so nicht mehr lange gut gehen. Das kommt uns jetzt zugute.“

Das Plus gegenüber Online-Buchungen

Dass ein Reisebüro die wirtschaftliche Lage der Tourismusunternehmen im Auge behält, ist für den Geschäftsführer nicht nur Hobby, sondern selbstverständlich. Gesetzlich seien die Reiseverkäufer zwar dazu nicht verpflichtet. Er sieht aber eine moralische Verantwortung seinen Kunden gegenüber – und auch ein Vorteil für sein Geschäft.

Denn in Zeiten, in denen jeder ganz einfach seine Reise auch im Internet buchen kann, müssen sich die Reisebüros durch einen Mehrwert von dem Online-Angebot abheben. Und dieser liege eben darin, die Lage in seiner Branche richtig einzuschätzen. „Bei einer Kundschaft, die zu über 90 Prozent Stammkundschaft ist, kann ich mir auch nichts anderes leisten.“

Vor fünf Jahren sei es niemals absehbar gewesen, dass Thomas Cook Pleite gehen könnte, sagt indes Anja Strecker. Das haben ihr auch Fachleute aus der Branche bestätigt. Klar schaue aber auch ihr Team, ob die Reiseveranstalter solvent sind. Eine Mitarbeiterin von Thomas Cook habe aber noch letztens versichert, dass alles in Ordnung ist. Nachgefragt hat das Büro „Globus“, weil der kriselnde Reisekonzern kürzlich nach frischem Geld aus China Ausschau hielt.

Von Celina Aniol

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