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Neuruppin Vier Neuruppiner zeigen ihre Kleingärten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Vier Neuruppiner zeigen ihre Kleingärten
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00:24 15.06.2019
Günter Dummer gärtnert in der Neuruppiner Kleingartensparte "Abendfrieden". Quelle: Hannah Rüdiger
Neuruppin

Günter Dummer beugt sich über eine Reihe Kartoffelpflanzen und inspiziert die Blätter. Auf den meisten Blättern und Stängeln sitzen dicke rot-schwarze Kartoffelkäferraupen. „Die haben ganz schön Appetit“, sagt Günter Dummer und runzelt die Stirn. „Aber mit der Chemiekeule will ich da nicht ran.“

Ein Tag im eigenen Garten ist für viele wie ein Kurzurlaub. Vier Menschen zeigen ihre Gärten in der Neuruppiner Kleingartensparte „Abendfrieden“ und erzählen, was sie an ihren Parzellen so lieben.

Der 72-Jährige pachtet eine von 447 Parzellen der Kleingartensparte „Abendfrieden“ in Neuruppin. Schon als kleiner Junge hat er viele Tage in dem Gartenstück am Brückenweg verbracht. Damals kletterte er gern in die Kirsch- und Pflaumenbäume, die in diesem Jahr wegen des Spätfrosts nicht allzu viel abwerfen dürften. Als 1968 sein Vater starb, übernahm er die Verantwortung für den Garten.

Die Beete durchtrennt ein schmaler Weg, der geradewegs auf eine unscheinbare Laube und einen türkisfarbenen Schuppen zuführt. Links und rechts der Gehwegplatten wachsen Erdbeeren, Zucchini, Hokkaido-Kürbisse, Salat und Kartoffelpflanzen.

Kleingärtner in Ostprignitz-Ruppin

Im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gab es im Jahr 2018 insgesamt 46 Kleingartenvereine, die meisten davon im Raum Wittstock. Zehn davon sind im „Kreisverband Neuruppin der Gartenfreunde“ zusammengeschlossen

„Was soll ich zuhause rumsitzen?“

Seit er 2010 in Rente ging, verbringt der frühere Maschinenbauer fast jeden Tag in seinem Garten. „Was soll ich denn zuhause rumsitzen, wenn ich auch hier sein kann?“, fragt Günter Dummer.

Der 72-Jährige ist niemand, der den Pflänzchen mit der Nagelschere zu Leibe rückt. Für Kleingartenverhältnisse wirkt sein Garten auf den ersten Blick fast verwildert. „Ich mache hier nur das Nötigste“, erklärt er. „Der Garten soll nicht in Arbeit ausarten.“

Schatzmeister Ulrich Dau am Einfang seines Gartens. Quelle: Hannah Rüdiger

Lange Liste mit Vorschriften

Kleingärten haben den Ruf, ihren Pächtern einen ganzen Katalog an Vorschriften aufzubrummen, an die sie sich strengstens zu halten haben. Ulrich Dau nickt nachdenklich. „Das stimmt, es ist schon alles bürokratischer geworden“, sagt der Schatzmeister vom „Abendfrieden“.

Die Liste an Regeln ist lang. Laut Gartenordnung muss mindestens ein Drittel der Parzelle mit Obst oder Gemüse bepflanzt werden. Zu den Wegen hin sollen die Gärten mit Hecken begrenzt werden, die unten nicht breiter als 80 Zentimeter und oben nicht breiter als 60 Zentimeter sein dürfen.

Laub- und Nadelbäume sind verboten, Sträucher sind nur bis zu einer Höhe von 2,50 Metern erlaubt. Die Ruhezeiten zwischen 13 und 15 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen müssen dringend eingehalten werden. Und so weiter und so fort.

Ein Drittel der Parzelle muss immer mit Obst oder Gemüse bepflanzt werden. Quelle: Hannah Rüdiger

474 Parzellen im „Abendfrieden

„Wenn jemand einen Garten schön angelegt hat, finde ich nicht, dass man da mit dem Zollstock rangehen sollte“, sagt Ulrich Dau. Außerdem könne man gerade jüngeren, arbeitenden Familien nicht abverlangen, sich ständig um Gemüsebeete zu kümmern. „Die jungen Leute wollen sich doch von ihrem Stress erholen“, so der 72-Jährige.

Als Schatzmeister und Verantwortlicher für Energieabrechnung hat Ulrich Dau viel zu tun. 474 Parzellen bedeuten 474 Zähler, die er ablesen muss. Darüber hinaus treibt er die Pacht ein. Manchmal gebe es Pächter, die nicht zahlen können oder wollen.

„Ich treibe das Geld nicht mit dem Holzhammer ein, ich rede lieber mit den Leuten“, so der Schatzmeister. Für ein Grundstück wie seines, das sich über 600 Quadratmeter erstreckt, beträgt die Pacht gerade einmal hundert Euro im Jahr. „Man kann wirklich nicht meckern“, sagt der 72-Jährige.

Brigitte und Horst Lange in ihrem Garten. Quelle: Hannah Rüdiger

Jungbrunnen Kleingarten

Im Sommer verbringt er jeden Tag in seinem Garten am Brückenweg. Er erntet Radieschen, verarbeitet Waldmeister zu Sirup oder Likör und springt zur Erfrischung in den aufgestellten Pool. „Vielleicht hält mich das jung“, sagt Ulrich Dau.

Einige Parzellen weiter, auf dem Mittelweg, haben Horst und Brigitte Lange sich ihren Kleingartentraum erfüllt. Die Langes mussten ihr Alt Ruppiner Eigenheim mit Garten aufgeben, weil sie sich nicht mehr alleine um alles kümmern konnten. Sie zogen stattdessen in eine Wohnung mit Balkon.

„Nur der Balkon hat uns einfach nicht gereicht“, sagt Brigitte Lange. „Wir sind zwar beide über 80, aber wir fühlen uns noch nicht so alt. Wir brauchen Bewegung.“ Beide haben Meniskus-Operationen hinter sich, weswegen sie sich nicht mehr so gut hinknien können. Gebeugt stehen und dabei Gartenarbeit machen sei aber kein Problem, sagt Horst Lange und macht es vor.

Der Beweis sind Blaubeeren, grüne Bohnen und Erdbeeren, die tadellos gedeihen. Auch den Langes gehe es im Garten besser als in ihrer Wohnung: „Wenn ich hier bin, habe ich überhaupt keine gesundheitlichen Probleme mehr“, sagt Horst Lange.

Kleingärtner Günter Dummer macht aus den Ringelblumen in seinem Garten Salbe. Quelle: Hannah Rüdiger

Mehr jüngere Pächter und Familien

Auf der Nachbarparzelle der Langes reitet ein kleines Kind auf einem aufblasbaren Einhorn durch den Pool und kreischt. Am Vormittag sind nicht viele junge Familien in den Gärten zu sehen. Insgesamt verjünge sich die Kolonie aber nach und nach, erzählt Ulrich Dau: „Etwa ein Drittel der Vereinsmitglieder sind Familien mit Kindern.“

Den großen Ansturm auf die Kleingärten, wie ihn die großen Metropolen gerade erleben, gibt es in der Neuruppiner Kolonie noch nicht. Niemand muss jahrelang auf einer Warteliste ausharren, im Gegenteil: Ein gutes Dutzend Parzellen im „Abendfrieden“ wartet derzeit auf neue Pächter. Auch die Gefahr, dass die Gärten eines Tages Wohnhäusern weichen müssen, hält der Schatzmeister für gering: „Die Stadt hat hier kein Recht“, sagt er. Die Kleingartensparte „Abendfrieden“ steht auf Kirchenland.

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Von Hannah Rüdiger

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