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Neuruppin Volksfest für Fontane
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Volksfest für Fontane
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00:21 02.04.2019
Fontane überall: Der große Mann der Stadt wurde durch Neuruppins Straßen getragen. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Gelbe Sonnenbrillen, wohin man schaut. So gelb wie die Sonne, die am Samstag sommerlich-freundlich vom Himmel strahlt. So gelb wie die Aufkleber, Buttons und Luftballons, die allenthalben das Stadtbild prägen.

Eindrucksvolle Maschinen wie aus einer anderen Welt waren auf dem Schulplatz aufgefahren, ein paar Meter weiter gab es eine 24-Stunden-Lesung, Führungen durch den Tempelgarten und natürlich wollten die Ruppiner und Gäste der Stadt die Ausstellung im Museum entdecken.

Gelb – das ist die Leitfarbe, die sich wie ein gelber Faden durch die Innenstadt zieht und das Fontanejahr belebt: Im Museum und auf dem Schulplatz, an den Schaufenstern und in den Galerien. Und an den Menschen, viele haben gelbe Schals, Gürtel oder andere Accessoires angelegt. Neuruppin feiert das Fontanejahr – nicht nur in der Kulturkirche, dem Museum und dem Tempelgarten sondern als großes Straßenfest. Bei dem auch höchst sonderbare – wie aus der Zeit gefallene Figuren anzutreffen sind.

Zwei überdimensionale abenteuerliche Vehikel ziehen majestätisch ihre Kreise über den Schulplatz – sie erinnern an die Zeit der Dampfmaschine und der Nautilus. Ein metallener Raubfisch mit Ikarus-Flügeln schwebt über seinen Rädern dahin, sein Reiter – oder ist es der Pilot? – trägt Zylinder und altmodische Fliegerbrille und ist ein gefragtes Fotomotiv.

Die andere Zeitmaschine ist ein ebensolch futuristischer Hingucker. Passt gut zu Fontanes Zeit – und in die soll man sich ja ein Stück weit zurückversetzt fühlen bei der großen Eröffnung des neun Monate währenden Fontanejahres.

Viel Volk auf dem Schulplatz

Am frühen Nachmittag defiliert die VIP-Riege um Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Dietmar Woidke durch die Flaniermeile der Stadt in Richtung Kulturkirche, verweilt hie und da, der Präsident mischt sich unters Volk, schüttelt Hände, stellt Fragen. „Das war überraschend“, sagt Oni Maurer, die im Spitzenkleid a la Effi Briest vor der Fontanebuchhandlung ihr Figurentheater im Kurbelkoffer bespielt, nach dem Gespräch mit dem Staatsmann.

Neuer Laden „Herr Fontane“ gut besucht

Ein paar Meter weiter hat Kristina Hannaleck gerade ihren Laden eröffnet – „Herr Fontane“ heißt er und bietet regionale Produkte. „Wir sind überwältigt – der Laden ist seit neun Uhr voll. Die Leute gucken und kaufen“, sagt sie glücklich. Fontane-Shirts und Fontane-Figuren sind die Renner. Und auch Frau Fontane alias Carmen Kremer ist dort Ehrengast.

„Das Wetter ist ein Riesengeschenk für die Stadt“, sagt Jens Kanitz. „Ich wollte grad in mein Atelier und bin hier hängengeblieben“, sagt er und lobt das Treiben auf dem Schulplatz, wo auch eine jonglierende Elfe, ein Clown, ein singender Klavierspieler, eine Trommelgruppe und eine Drehorgelspielerin die Gäste zum Gucken und Lauschen verführen. „Eine schöne, spontane, fast magische Überraschung“, so Kanitz und genießt sein Eis wie viele Flaneure.

Jongleurin, Clown, Klavierspieler, Trommelgruppe und Drehorgelspielerin

Vor dem Fontane-Geburtshaus posieren vier Damen mit gelben Brillen. „Wir sind die Wedding Panks“, erklärt Helga Kollien. Man sei mit dem Kulturzug aus Berlin gekommen und habe viel Spaß in der Fontanestadt. „Dass es am Bahnhof kein WC gibt, ist schade – aber sonst ist viel los hier“, sagt sie.

Vor der Kulturkirche schart sich viel Volk und lauscht der Übertragung der Reden, die im Inneren, beim offiziellen Festakt, gehalten werden. Es gibt Kuchen und Saft, überall sieht man strahlende Gesichter.

Im Alten Gymnasium sind seit dem Vormittag Fotos von Fontane-Orten zu sehen. Irgendwann zieht ein riesiger Umzug mit überlebensgroßer Fontanefigur und einer Damenblaskapelle durch Neuruppin.

Nonstop-24-Stunden-Lesung

In der Wichmannstraße läuft seit Freitagabend eine Nonstop-24-Stunden-Lesung mit Fontanetexten – Neuruppiner Schüler wechseln sich beim lesen ab. „Leider waren nicht allzu viele Besucher hier – es ist wohl zu versteckt“, sagt Julia Lüttwitz, die bei der Aktion aus „Effi Briest“ vorgelesen hat.

Vor dem Museum hat sich eine lange Schlange gebildet. Bis zur Eröffnung der großen Leitausstellung müssen sich die Gäste noch gedulden. Endlich ist es soweit: „Sie sind eingeladen, sich ihr eigenes Fontane-Bild zu machen“, sagt Kuratorin Heike Gfrereis. „Wenn sie lachend in der Ausstellung stehen, habe ich mein Ziel erreicht“, sagt sie und die Besucher strömen in die Welt der Fontaneschen Wörter und Wortschöpfungen, die das Schaffen des Dichters auf höchst originelle Weise fokussiert.

„Modern und interessant“ – die Leitausstellung

„Modern und interessant – das lädt zum Verweilen ein“, lobt Michael Gayk die ungewöhnliche Ausstellung. Er ist mit seiner Familie da – Tochter Sophia liebt neue Wortschöpfungen, wie ihre Mutter erklärt, und ist daher in der Ausstellung genau richtig.

Zeitgleich führt ein paar Meter weiter Erika Kunow vom Tempelgartenverein gut 30 Gäste durch die historische Anlage, während mitten im zentralen Rund der Klavierspieler alias Schraubenyeti seine Lieder singt. Idylle pur.

Etwas später dann gibt es Lesungen auf zwei Neuruppiner Höfen – natürlich geht es um Fontane-Texte, gelesen von den Schauspielern Gösta Knothe, Christine Schmidt-Schaller und Frieder Kranz. Ein Tag voll Abwechslung – und prallvoll mit Fontane.

Von Regine Buddeke

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