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Neuruppin Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Vom Hausbesetzer zum Hausbesitzer
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18:57 16.04.2013
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NEURUPPIN

. Dort soll es Angebote für Jugendliche geben, Hilfe zur Selbsthilfe, eine Bibliothek, ein Tonstudio, einen Probenraum, eine Holzwerkstatt sowie die Fahrradwerkstatt. Darüber hinaus werden drei Wohngemeinschaften zur Verfügung gestellt. Die ersten Mieter sollen noch in diesem Jahr dort einziehen, sagte Oliver Leonhardt vom Mittendrin gestern der MAZ.

Leonhardt hat die Immobilie am Montag bei einer Auktion von 42 einstigen Bahnhöfen in Berlin ersteigert. Fünf Interessenten gab es für den früheren Hauptbahnhof. Drei von ihnen stiegen bei 50 000 Euro aus. Nach hitzigem Bietergefecht mit dem verbleibenden Mitbewerber bekam Leonhardt bei 90 500 Euro den Zuschlag. „Wir wären auch noch weitergegangen“, sagt er. Dennoch seien nach dem Zuschlag die Erleichterung und der Jubel groß gewesen. Das Einstiegsgebot hatte bei 6000 Euro gelegen.

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Innerhalb von vier Wochen muss das Mittendrin nun den Kaufpreis aufbringen, um das Geschäft perfekt zu machen. „Aber wir sind da optimistisch“, sagt Oliver Leonhardt. Die Zuversicht speist sich auch aus der Rückendeckung des sogenannten Mietshäuser-Syndikats. Das ist ein bundesweit agierender Verbund von Hausprojekten und Initiativen, dessen Ziel es ist, bezahlbaren Wohnraum für nichtkommerzielle Zwecke zu erhalten. Das Syndikat würde aushelfen, wenn das benötigte Geld nicht so schnell zusammenkommt wie gefordert. Das Mittendrin will aus Privatkrediten und Spenden 75 000 Euro zusammenbekommen.

Vor 20 Jahren, zur Gründungszeit, hätten die Mittendrinler das weitgehend leerstehende Bahnhofsgebäude womöglich einfach besetzt. „Die Zeit der Hausbesetzungen ist vorbei“, winkt Oliver Leonhardt ab, dafür gebe es politisch keine Akzeptanz mehr. Da aber weiterhin bezahlbarer Wohnraum gebraucht werde, unterstütze das Mietshäuser-Syndikat solche Vorhaben. So wollen die Mittendrinler den Bewohnern des Neuruppiner Asylbewerberheimes anbieten, zwei Räume des Bahnhofes herzurichten und als Treffpunkt zu nutzen. Zurzeit ist im Gebäude nur eine Wohnung belegt, die nutzt der ehemalige Bahnhofsvorsteher. Er könne „gern dort wohnen bleiben, wenn er das will“, hieß es gestern.

Für den Betrieb der neuen Immobilie hat der alternative Jugendtreff eine eigene Gesellschaft gegründet, die Soziokulturelles Zentrum Mittendrin GmbH. Deren Vorstand besteht ausschließlich aus Mitgliedern des Mittendrin-Vereins. Wer der oder die Geschäftsführer der Gesellschaft werden, stehe noch nicht fest, sagt Oliver Leonhardt.

Mit der Ersteigerung des früheren Hauptbahnhofes durch das Mittendrin hat auch die Stadt Neuruppin eine Sorge weniger. Die Stadt ist Eigentümerin des Eckhauses August-Bebel-Straße/Schinkelstraße, in dem das Mittendrin zurzeit seinen Sitz hat – in direkter Nachbarschaft zur Sparkassenfiliale an der Schinkelstraße. Der Mietvertrag mit dem Mittendrin läuft Ende 2015 ab. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Stadt ihn nicht verlängern will, weil die Gegend „feiner“ werden soll. So könnten im jetzigen Quartier des Vereins Wohnungen entstehen. Aber auch Geschäfte seien denkbar, sagte Stadtentwicklungsdezernent Arne Krohn gestern. Die Freude über einen möglichen Umzug des Mittendrin stand ihm ins Gesicht geschrieben. „Wir finden es toll, dass es dem Verein geglückt ist, den Bahnhof zu ersteigern“, sagte Krohn. Zugleich sicherte er dem Mittendrin „Unterstützung, Beratung und Kooperation“ zu. Bislang hilft die Stadtverwaltung dem Mittendrin mit jährlich rund 17 000 Euro für Sach- und Betriebskosten für das Haus. Ob ein solches Zuschuss-Modell auch für den Bahnhof denkbar ist, blieb gestern

offen. (Von Kathrin Gottwald

und Juliane Becker)

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