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Neuruppin Was sich Landwirte wünschen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Was sich Landwirte wünschen
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08:51 05.01.2019
Haben eigentlich auch Kühe Wünsche? Die Tiere von Biolandwirt Rüdiger Pöhl machen auf ihrem dicken Strohbett einen recht zufriedenen Eindruck. Quelle: Cornelia Felsch
Neuruppin

Noch immer steckt das Dürrejahr 2018 den Landwirten in den Gliedern. Fragt man sie nach ihren Wünschen für die kommenden Monate, so kommt die Antwort prompt: Möglichst keine Wetterextreme.

„Ich hoffe, dass wir nicht mit einem Wasserdefizit in die neue Saison starten müssen“, sagt Sven Deter, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin. „Auf unseren Feldern fehlt nach wie vor das Wasser und die Gräben sind zum großen Teil leer. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ist das nicht so kritisch, doch spätestens im Frühjahr benötigen die Pflanzen wieder mehr Wasser für ihr Wachstum.“

Defizite nach dem Dürrejahr derzeit schwer wieder auszugleichen

Ein halbwegs vernünftiges Wetter wird für den Berufsstand allerdings nicht ausreichen, um die Defizite nach dem Dürrejahr wieder auszugleichen. Auf dem Wunschzettel des Kreisbauernchefs stehen deshalb verständlicherweise noch weitere Anliegen: „Wir wünschen uns mehr Unterstützung für die viehhaltenden Betriebe in Brandenburg und auch mehr Vertrauen in unsere Kompetenzen“, sagt Sven Deter. „Wir wissen doch, wie wir mit unseren Tieren umzugehen haben.“

Für ihn ist es unverständlich, dass man mit bürokratischen Repressalien den Bauern in Brandenburg das Leben immer schwerer macht, so dass die Zahl der Tierhalter immer weiter zurück geht. „Wir produzieren lange nicht das, was wir hier verzehren.“ Die Tierbestände sind seit den 90er Jahren drastisch zurück gegangen. Für Deter eine Entwicklung in die falsche Richtung. Rund 0,5 Großvieheinheiten pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche reichen für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit nicht aus. „Gerade in Brandenburg brauchen wir den Dünger. Unsere Böden können gut das Doppelte vertragen.“

Faire Anhebung der Erzeugerpreise gefordert

Eine faire Anhebung der Erzeugerpreise ist für den Kreisbauernchef schon längst fällig. „Seit Jahrzehnten hat es keine wesentliche Steigerung mehr gegeben. In allen Branchen werden höhere Löhne gefordert und auch landwirtschaftliche Mitarbeiter haben ein Recht darauf. Doch wie sollen die Landwirte höhere Einkommen erwirtschaften?“ Sven Deter möchte wie die meisten Bauern nichts geschenkt haben, aber er möchte faire Wettbewerbsbedingungen. „Das ist mein größter Wunsch“, sagt er.

Wenn sich ein Land wie Deutschland besondere Tierhaltungsbedingungen und den Verzicht auf Glyphosat leisten will, dann müssten europaweite Regelungen geschaffen werden, die den Landwirten gleiche Chancen ermöglichen. Es könne nicht angehen, dass gleichzeitig kostengünstigere landwirtschaftliche Produkte aus anderen Ländern eingeführt werden. „Mit unseren hohen Standards, die ihresgleichen suchen, machen wir hier die Produktion kaputt“, sagt Sven Deter.

Bio-Bauer Rüdiger Pöhl aus Gottberg weiß nicht so recht, was er sich wünschen soll. Er überlegt. Natürlich Gesundheit für sich und seine Familie, denn das ist schließlich die Voraussetzung, um zufrieden auch weiterhin gut wirtschaften zu können. Vor zehn Jahren hat der Landwirt seinen Betrieb auf Bio-Produktion umgestellt. Seine Kühe bekommen Frischfutter und Heu von eigenen Bio-Flächen. Er liegt mit seiner Heumilch, die er an die Lobethaler Molkerei liefert, im Trend.

Gewünscht: Mehr Bewusstsein bei den Menschen für Ressourcen und Nachhaltigkeit

„Wenn wir damals nicht auf Bio umgestellt hätten, wären wir schon weg vom Fenster“, sagt er. Für ihn und seine Lebensgefährtin war es der richtige Schritt. „Wir sind abgekoppelt vom allgemeinen Markt und haben einen stabilen Vertrag, so dass wir uns um den Milchpreis weniger sorgen müssen“, sagt der Milchbauer, der diesen Weg nicht bereut. „Bio ist eine Kopfsache und keine Hexerei“, sagt er. „Es ist eine einfache Mathe-Aufgabe.“

Seit Juli 2017 gibt es in dem kleinen Ort bei Neuruppin nun auch eine Milchtankstelle. Dort kann man rund um die Uhr die frische Heumilch zapfen. Der Absatz ist stabil. Rüdiger Pöhl kann nicht klagen.

Zu schaffen macht ihm allerdings die Wohlstandsgesellschaft und eine Landwirtschaft, die immer mehr auf Masse setzt. „Das Niveau soll unaufhörlich steigen. Wir essen nur noch Keulen und Brust und machen in anderen Ländern die Märkte kaputt. „Ich wünsche mir mehr Bewusstsein bei den Menschen“, sagt er. „Schließlich wollen wir doch eine Erde hinterlassen, auf der auch unsere Enkel noch leben können“, sagt der Vater dreier Kinder, der am 19. Januar zur Grünen Woche fahren wird – allerdings um für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu demonstrieren.

Von Cornelia Felsch

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