Wechselausstellung zu 30 Jahren Deutsche Einheit im Neuruppiner Museum
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Neuruppin Museumsgeflüster in Neuruppin zu 30 Jahren Deutsche Einheit
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin

Wechselausstellung zu 30 Jahren Deutsche Einheit im Neuruppiner Museum

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16:30 31.07.2020
Maja Peers-Oeljeschläger (r.) und Sophie Buchholz (2.v.r.) sprechen mit Museumsbesuchern über ihre Erinnerungen aus der Zeit der Wende und danach.
Maja Peers-Oeljeschläger (r.) und Sophie Buchholz (2.v.r.) sprechen mit Museumsbesuchern über ihre Erinnerungen aus der Zeit der Wende und danach. Quelle: Cornelia Felsch
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Neuruppin

Am 3. Oktober 1990 trat der Einigungsvertrag in Kraft, die Teilung Deutschlands war überwunden. Aufregende Monate lagen hinter den Menschen. Doch wie erlebten sie jene Tage, Monate und Jahre, die nun folgten?

Wie vielfältig die Erfahrungen der Menschen waren, das kam am Donnerstagabend in einem Gespräch zum Ausdruck, zu dem das Museum Neuruppin unter dem Titel „Museumsgeflüster“ eingeladen hatte.

Um die geplante Wechselausstellung „Neuruppin 1990/2020 – 30 Jahre deutsche Einheit“ vorzubereiten, begaben sich die Museumsmitarbeiter auf die Suche nach Objekten, Fotos und Dokumenten, die Neuruppiner auf besondere Weise mit diesen Ereignissen verbinden. Das Interesse war groß, doch Corona-bedingt musste die Besucherzahl auf 20 Teilnehmer begrenzt werden.

Corona ändert die Konzeption

„Mit unserer Ausstellung wollen wir die Menschen in den Vordergrund rücken“, sagte die Museumsleiterin Maja Peers-Oeljeschläger zu Beginn der Veranstaltung. „Auch die Ausstellungsvorbereitungen wurden von der Corona-Pandemie beeinflusst. So wird es weniger dreidimensionale Objekte geben. Wir werden viele Fotos und Schriftdokumente zeigen“, sagte sie. „Natürlich kann so eine Ausstellung nicht allumfassend sein, deshalb haben wir heute eingeladen, um ihre Interessen abzufragen.“

Die persönlichen Geschichten, die die Menschen mit jenen Ereignissen verbinden, sind immer noch gefragt, gerade in Zeiten von Corona. Gefiltert durch Masken waren sie allerdings manchmal nur bruchstückweise zu verstehen. Dreißig Jahre nach den Emotionen kamen Geschichten und Erlebnisse wieder zu Bewusstsein.

Sophie Buchholz, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums und Projektleiterin, hatte ein altes Fotoalbum mitgebracht. Sie erinnerte sich an eine Aut ofahrt, die sie 1990 mit ihren Eltern nach Garmisch-Partenkirchen unternahm. Es war die erste Westreise. Stolz stand die Familie mit dem achtjährigen Mädchen vor dem roten Ford Fiesta – das erste Westauto.

Gegen die Bundeswehr in der Kyritz-Ruppiner Heide

„Der Schwerpunkt unserer Ausstellung soll auf den 1990er Jahren liegen“, sagte die Kuratorin. Die Veränderungen politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse, der wirtschaftliche Umbruch, die Bürgerinitiativen die sich gegen die weitere Nutzung der Heide als Truppenübungsplatz stark machten, wirtschaftliche Umwandlungen und die Liegenschaften der sowjetischen Armee, werden Schwerpunkte der Ausstellung sein. Schüler der Evangelischen Schule befassen sich mit den Veränderungen der vergangenen Jahre.

Sie untersuchen in einem Projekt, wie sich ihre Heimatstadt Neuruppin verändert hat. Auch Besucher der Exposition haben die Möglichkeit, diese mitzugestalten, indem sie ihre Geschichten aufschreiben.

Drei Jahrzehnte später erinnerten sich am Donnerstag wieder Neuruppiner an jene Ereignisse –egal woher sie kamen.

Klaus -Eberhard Lütticke arbeitete 1989 im Bonner Bundesjustizministerium. Nach der Maueröffnung fuhr er mit seiner Frau nach Berlin, wo sie von Trabi-Kolonnen und Fußgängern auf der Autobahn empfangen wurden. Als Andenken hat er sich ein Mauerstück gekauft.

Widerstand gegen eine evangelische Schulgründung

Leopold Esselbach, Generalsuperintendent im Ruhestand, erinnerte an die Schwierigkeiten, die die Gründung der Evangelischen Schule 1993 mit sich brachte. Weder das Konsistorium noch das Bildungsministerium wollten damals die Schulgründung unterstützen.

Karin Lachmann wurde nach der Wende selbst arbeitslos. Sie erinnerte sich an die Probleme der Menschen. Gemeinsam mit drei anderen Frauen arbeitete sie später beim Arbeitslosenverband und half vielen Menschen über die schwierige Zeit hinwegzukommen.

Von Cornelia Felsch