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Neuruppin Weniger Hochzeiten wegen Corona in Rheinsberg und Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin

Weniger Hochzeiten wegen Corona in Rheinsberg und Neuruppin

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12:15 16.01.2021
Heiraten während der Pandemie ist eine Herausforderung für die Paare, ihre Gäste und die Standesämter.
Heiraten während der Pandemie ist eine Herausforderung für die Paare, ihre Gäste und die Standesämter. Quelle: Henry Mundt
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Rheinsberg

Der schönste Tag im Leben: Für viele Paare ist dieser Traum im vergangenen Jahr ins Wasser gefallen. Kein Wunder. Schließlich bedeutet eine Hochzeit in der Coronazeit vor allem eines: Verzicht. Und wer will schon bei einem solch besonderen Ereignis wegen der geltenden Beschränkungen auf die Anwesenheit von Gästen, auf ein rauschendes Fest oder auf eine Umarmung verzichten? Deswegen haben einige Paare die Trauung vorerst wohl gleich ganz gestrichen.

Das lässt sich auch an den Zahlen ablesen. In Rheinsberg zum Beispiel gibt es normalerweise rund 80 Eheschließungen pro Jahr, 2020 waren es aber nur 62.

Alleine mit der Standesbeamtin

Andrea Baudis ist dennoch zufrieden. Denn die Standesbeamtin, die zum ersten Mal 1994 ein Paar traute, ist im Frühjahr noch davon ausgegangen, dass die Pandemie mindestens die Hälfte der Paare vergrault. „Ich war am Ende erstaunt, dass es doch so viele waren.“

Heiraten im Corona-Frühjahr bedeutete: Sich ganz alleine vor der Standesbeamtin das Ja-Wort zu geben. Später waren auch Trauzeugen zugelassen, noch später zusätzlich die Kinder. „Ich musste jede Woche gucken, was gerade erlaubt ist“, beschreibt Andrea Baudis die schwierige Situation. Erst im Sommer kam eine größere Lockerung für eine längere Zeit.

Höchstens zehn Personen im Trauzimmer

Im Moment dürfen sich Heiratswillige trotz der sonst stark eingeschränkten Regeln weiter trauen lassen. Und sogar eine unbeschränkt große Anzahl von Gästen mitbringen, solange sie die sonst geltenden Beschränkungen einhalten. Theoretisch zumindest.

Denn ins Rheinsberger Trauzimmer im Rathaus passen höchstens zehn Personen, samt Standesbeamtin. Immerhin: Diese übernimmt für die Hochzeitsgesellschaft alle mit der Pandemielage zusammenhängenden Vorbereitungen. Sie desinfiziert die Stifte und Stuhllehnen, sorgt für frische Luft in dem Raum und wischt den Tisch ab, falls den jemand angefasst hat.

2020 haben weniger Paare geheiratet als sonst. Nach Meinung der Rheinsberger Standesbeamtin liegt das auch daran, dass viele vor allem nicht auf die Feierlichkeiten im Anschluss der offiziellen Zeremonie verzichten wollten. Quelle: Henry Mundt

Von all den Hygieneregeln lässt sich Andrea Baudis nicht abschrecken. Vielmehr findet die Amtsmitarbeiterin, dass es selbst in der trostlosesten Coronazeit besondere Hochzeitsmomente gibt.

Einmal zum Beispiel, da hatte die verhinderte Hochzeitsgesellschaft Fotos eines jeden einzelnen geschickt und die Standesbeamtin gebeten, diese im Trauraum anzubringen. Und den Spruch: Wir sind in Gedanken bei euch. „Das sah dann wirklich ein bisschen so aus, als ob sie alle da wären, es war so liebevoll gemacht – und das Hochzeitspaar war so gerührt davon.“ Die Menschen überlegen sich eben noch mehr, wie sie zeigen können, dass sie den Heiratswilligen nahe sind.

Neuruppin: 144 Hochzeiten statt 200

Auch in Neuruppin wurden 2020 weniger Ehen geschlossen als sonst. Geben sich in normalen Jahren zwischen 170 und 200 Paare das Ja-Wort, waren es da lediglich 144, erzählt Stadtsprecherin Michaela Ott. Einige haben den Termin aber gleich auf 2021 verschoben.

Insgesamt gibt es bislang 18 Anmeldungen für dieses Jahr. Dabei sind – wie immer – die Termine an Samstagen besonders begehrt. In den Sommermonaten sind diese in Neuruppin so gut wie ausgebucht.

Trauungen derzeit unter strengen Auflagen

Beliebt bei Paaren sind auch Schnapszahlen-Tage wie der 20.02.2020. An diesem Tag wurden auch drei Ehen geschlossen, obwohl es ein Donnerstag war. Im Jahr 2021 gibt es nicht wirklich solche besonderen Kalendertage, meint Michaela Ott.

Auch unmittelbar in den nächsten Wochen finden Hochzeiten im Neuruppiner Standesamt statt. „Bisher wurde im Januar ein Termin durch das Brautpaar abgesagt“, sagt Michaela Ott. Wegen der vielen Corona-Fälle in der Region sind Trauungen derzeit nur unter strengen Auflagen möglich. Zum einen, um die Arbeitsfähigkeit des Standesamtes zu gewährleisten, das auch Sterbefälle und Geburten bearbeitet. Zum anderen, um nicht zum Hotspot zu werden.

Die Stadt Neuruppin hat dafür ein Hygienekonzept ausgearbeitet. „Die darin festgelegte Teilnehmerzahl wird jedoch an die aktuellen Infektionszahlen angepasst.“

28 vorgemerkte Termine in Rheinsberg

In Rheinsberg ist die Zahl der Anmeldungen höher. 28 Paare haben sich schon für 2021 einen Termin vormerken lassen, davon drei für den 21. August 2021. Fünf der aktuell Heiratswilligen wollten sich ursprünglich schon im vergangenen Jahr trauen lassen – und hatten wegen Corona abgesagt.

Andrea Baudis fiebert nun gewissermaßen mit. „Hoffentlich klappt das dieses Jahr.“ Sie weiß aber auch: „Einen Plan B muss man auch in 2021 haben.“ Eine Prognose, wie viele Paare sie am Ende in 2021 trauen wird, will sie noch nicht wagen.

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Von Celina Aniol