Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Spatzen gibt es reichlich
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Spatzen gibt es reichlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:07 26.01.2019
Auch im Winter schrecken die Sperlinge nicht vor einem Vogelbad in der Pfütze zurück. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Ein Großtrappen-Hahn auf einem Feld bei Fehrbellin. Der Greifvogelexperte Henry Lange hat ihn dort am 9. Januar entdeckt und kann es noch immer nicht fassen. „Das war eine große Überraschung, die ich gleich fotografisch festgehalten habe“, sagt er. „Als Beleg.“

Die Mark Brandenburg war einst die Hochburg der Großtrappen in Deutschland. Der Vogel wurde deshalb auch als „Märkischer Strauß“ bezeichnet. Doch die Intensivierung der Landwirtschaft seit Mitte des 19. Jahrhunderts zerstörte viele Lebensräume von Tieren und Pflanzen – auch die der Großtrappen.

Die Jungen werden mit Kleingetier gefüttert

Zuerst verschwanden sie aus den reinen Ackerlandschaften, später auch aus vielen Luchgebieten. „Durch intensive Landwirtschaft, Zersiedelung und Verkehr ist zu viel Unruhe in unserer Region. Außerdem fehlt die Nahrungsgrundlage, denn die Jungen werden mit Kleingetier gefüttert“, sagt Henry Lange. Der Nachwuchs würde in den insektenarmen Gebieten verhungern. Großtrappen können in Brandenburg heute nur noch in Schutzgebieten mit großflächiger extensiver Landnutzung überleben und das nur mit effektiven Schutzmaßnahmen wie im Havelländischen Luch, den Belziger Landschaftswiesen und dem Fiener Bruch.

Großtrappen – Gewinner des Klimawandels

Lediglich in schneereichen Wintern verlassen sie ihre Brutgebiete. Bei milden Temperaturen bleiben sie in der Region und Wissenschaftler vermuten bereits, dass Großtrappen zu den Gewinnern des Klimawandels gehören könnten, wenn die Art der Landnutzung für sie positiver ausfällt, denn trappenfreundliche Lebensräume können nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten realisiert werden. Trappen benötigen lichte Vegetation und offene Flächen mit zahlreichen Pflanzen- und Insektenarten, die wiederum wichtige Nahrung für Großtrappenküken sind.

Henry Lange ist jede Woche unterwegs. Als Horstbetreuer hat er besonders die Greifvögel und Eulen im Blick. Noch ist die Schneedecke recht dünn, so dass Mäusebussard und Schleiereule – ausgesprochene Mäusejäger – auf erfolgreiche Jagd hoffen können. Seeadler ernähren sich im Winter auch von Aas. Ein Teil der Sperber zieht in den Süden, andere kommen aus Nordeuropa nach Deutschland.

Der Neuruppiner Vogelfachmann Henry Lange entdeckte die Großtrappe im Januar auf einem Feld bei Manker in der Nähe von Fehrbellin. Quelle: Henry Lange

Ihre bevorzugte Beute sind Kleinvögel. Der Raufußbussard, den Henry Lange ebenfalls schon beobachten konnte, ist ein hochnordischer Bewohner, der in hiesigen Gefilden nur in den Wintermonaten zu beobachten ist. Fischadler, Wespenbussard, Rohrweihe, Schwarzmilan sowie Rohr- und Wiesenweihe sind längst in Spanien oder Nordafrika.

Die Nahrung der Greifvögel besteht aus kleinen bis mittelgroßen Säugern, Reptilien, Amphibien, Fischen und Insekten. Seltene Vogelarten wie Seeadler oder Wanderfalke sind mittlerweile geschützt, doch der „normalen Vogelwelt“ geht es schlecht. Der dramatische Rückgang der typischen Wiesen- und Feldvögel zeigt, dass diese direkt unter Insektenmangel zu leiden haben.

Insektenschwund ist eine Ursache für den Rückgang vieler Vogelarten

„Insekten stehen ganz unten in der Nahrungskette, deshalb ist der Insektenschwund eine wesentliche Ursache für den Rückgang vieler Vogelarten“, sagt Bernd Ewert, der Vorsitzende des Nabu-Regionalverbandes Neuruppin. „Jetzt kommt auch bei uns an, wovor die Kritiker seit Jahrzehnten warnen.“

„Schon als 14-Jähriger habe ich mich für die Vogelwelt interessiert. Ich erinnere mich noch heute an den ohrenbetäubenden Gesang, wenn ich früh am Morgen in die Natur gegangen bin“, sagt der 64-Jährige, der als Horstbetreuer unterwegs ist und zu den Unermüdlichen gehört, die sich im Ehrenamt für die Natur engagieren. „ Es waren so viele, dass man sie nur schwer unterscheiden konnte. Heute ist das Klangspektrum sehr ausgedünnt.“

Weniger typische Futterhausbesucher

Auch jetzt in den Wintermonaten geht Bernd Ewert mit wachen Augen durch die Natur und beobachtet aufmerksam das Vogeltreiben in seinem Garten in Zechlinerhütte. „Wir füllen regelmäßig unsere Futterbehälter auf, dennoch haben wir in diesem Jahr erbärmlich wenig Futtergäste. Die Vorräte nehmen kaum ab.“

Das kann er sich nur dramatischen Bestandsrückgängen erklären, denn mittlerweile ist der Winter ja auch in Brandenburg eingekehrt – mancherorts sogar mit einer leichten Schneedecke. „Da müsste doch richtig was los sein an den Futterstellen. Auch Rotdrosseln, Buchfinken, Bergfinken oder Seidenschwänze konnte ich bisher noch nicht beobachten.“

Zu dieser Einschätzung gelangten auch die Vogelfreunde, die sich im Januar an der „Stunde der Wintervögel“ beteiligten. „Es wurden in diesem Jahr deutlich weniger typische Futterhausbesucher wie Meisen, Kleiber, Eichelhäher, Buntspechte oder Gimpel beobachtet“, heißt es in der Auswertung des Naturschutzbundes.

Der Haussperling ist weit verbreitet

Unter den fünf am häufigsten registrierten Wintervögeln gab es im Vergleich zum Vorjahr keinerlei Veränderung: Es führt der Haussperling mit 6,4 Vögeln pro Garten vor Kohlmeise, Blaumeise und Feldsperling. Der insgesamt bisher am deutlichsten zurückgehende Wintervogel ist der Grünfink.

Seine Bestände nehmen seit 2011 um etwa 13 Prozent jährlich ab. Schlechte Nachrichten gibt es auch von der Amsel, die gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von zwölf Prozent zu verzeichnen hat. Vogelexperten vermuten, dass die im Sommer grassierende Usutu-Epidemie Grund für den Rückgang der Amseln ist. Das Virus trat erstmals fast deutschlandweit auf.

Wer dennoch ein Rotkehlchen oder einen Grünfink in seinem Garten beobachtet, sollte sich allerdings nicht sicher sein, dass es ein heimischer Mitbewohner ist, der dort singt, denn viele Gäste kommen im Winter aus dem noch kälteren Norden in diese Region.

Von Cornelia Felsch

Seit Jahren plant der Mineralölkonzern Total eine Tankstelle für Wasserstoff mit Imbiss und Stellplätzen für Lastwagen an der B 167 in Bechlin – jetzt soll sie wirklich entstehen. Sobald das Wetter es zulässt, beginnt der Bau.

25.01.2019

Seit Jahren plant der Mineralölkonzern Total eine Tankstelle für Wasserstoff mit Imbiss und Stellplätzen für Lastwagen an der B 167 in Bechlin – jetzt soll sie wirklich entstehen. Sobald das Wetter es zulässt, beginnt der Bau.

25.01.2019

Die alte Scholtenstraße in Neuruppin soll voraussichtlich in diesem Jahr ausgebaut werden. Sie wird die neue Zufahrt zu den Häusern, die Investor Ulrich Kaatzsch derzeit am Sportcenter errichtet.

25.01.2019