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Neuruppin Wenn Erwachsene Lesen und Schreiben lernen
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01:15 21.06.2019
Christian Schröter (52) aus Radensleben hat zur Freude von Projektleiterin Iris Spad knapp zwei Jahre in Neuruppin seine Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen ausgebaut. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Seine peinlichste Situation war ein Termin im Neuruppiner Amtsgericht. Christian Schröter hatte zwar das zugesandte Formular mitgebracht – doch die Papiere nicht ausgefüllt.

Der 52-Jährige aus Radensleben verstand einfach nicht, was von ihm verlangt wurde und schwitzte im Gericht Wasser und Blut. „Es kostet unheimlich viel Kraft, seine Angst zu überwinden und gegenüber einem Fremden zu bekennen, dass man nicht richtig lesen und schreiben kann.“

Für Schröter hat sich das Bekenntnis gelohnt. „Warum sagen Sie das nicht gleich? Wir können doch das Formular gemeinsam ausfüllen“, sagte die Juristin und half ihm.

In zwei Jahren etwa 100 Personen betreut

Inzwischen kommt Christian Schröter, der an einer angeborenen Lese- und Rechtschreibeschwäche (Legasthenie) leidet und zu DDR-Zeiten in Berlin eine Förderschule für Lernbehinderte absolviert hat, ziemlich gut alleine zurecht.

Der einstige Maler und Tapezierer, der wegen Gleichgewichtsstörungen nicht mehr in dem Beruf arbeiten kann, und seine Schwächen jahrzehntelang verborgen hat, ist selbstbewusst und berichtet auch freimütig darüber, dass er seit fünf Jahren trockener Alkoholiker ist. Für Iris Spad ist Schröter das beste Beispiel dafür, wie sich die Angebote des Grundbildungszentrum auf Teilnehmer auswirken. „Sie treten anders auf, erzählen von sich und sind freundlicher.“

Iris Spad muss es wissen. Sie ist Projektleiterin des Grundbildungszentrums Ostprignitz-Ruppin, das seit genau zwei Jahren kostenlose Hilfe für Menschen mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen anbietet – in Neuruppin, in Kyritz und auch in Wittstock.

Iris Spad geht davon aus, dass im Landkreis etwa 7000 erwachsene Menschen leben, die große Probleme mit dem Lesen und Schreiben haben. Gut 500 Frauen und Männer wurden von Spad und ihrer Mitarbeiterin Silke Wasmund bereits beraten und etwa 100 von ihnen in Kursen und freien Angeboten betreut.

Dreimal in der Woche für drei Stunden gelernt

Christian Schröter gehörte zu den ersten. Der Radenslebener wollte nicht länger Panikattacken und Schweißausbrüche bekommen, wenn er überraschend ein Formular ausfüllen soll und seine Frau nicht in der Nähe war, um ihm helfen zu können. Dreimal in der Woche kam der 52-Jährige mit dem Bus nach Neuruppin zum Lernen, jeweils drei Stunden am Tag. „Wir wollen die Teilnehmer ja nicht überfordern“, sagt Spad.

Vier Männer und zwei Frauen waren in der Gruppe von Schröter, die mit speziellen Computerprogrammen und unter Anleitung von zwei ehemaligen Grundschullehrerinnen die Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen aufgefrischt und ausgebaut haben. „Es war gut, zu sehen, dass ich nicht der einzige mit solchen Problemen bin“, sagt Schröter. Zudem seien die Dozentinnen „super kompetent“ gewesen und stets auf die Probleme der Teilnehmer eingegangen.

„Was ich kann, können andere auch“

„Das hat auch super Spaß gemacht“, betont Schröter. Er ist stolz, dass er seine Schreib- und Lesekenntnisse, die anfangs bei 45 Prozent lagen, um 30 Prozent steigern konnte. Gleichwohl hat er im März die Gruppe verlassen – weil er seitdem als sogenannter Bufdi im Bundesfreiwilligendienst im Neuruppiner Mehrgenerationenhaus in der Krümelkiste arbeitet und dort den Garten der Sinne betreut.

„Ich brauchte eine neue Aufgabe“, sagt Schröter. Den Kontakt zum Grundbildungszentrum hat er deshalb aber nicht verloren. Vielmehr berichtet er regelmäßig an Ständen und bei Aktionen, welche Angebote es für Menschen mit Lese- und Rechtschreibeschwäche gibt. „Was ich gelernt habe, das können andere auch“, sagt er mit fröhlicher Stimme.

Von Andreas Vogel

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